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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2000-01-01 · No. 69 (2000) · p. Seite 18

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2000
Issue
No. 69 (2000)
Date
2000-01-01
Page
Seite 18 (sequence 1613)
Language
German
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18 Geschichte und Schicksal (Fortsetzung von Seite 17) Zuvor hatte die Deutsche Demokratische Freiheitspartei, insbesondere durch die Stimmen der assimilierten Juden, ebenfalls zwei Mandate erringen können. Darüber hinaus schlossen sich andere Juden den Deutschen Sozialdemokraten, den Kommunisten und einigen tschechischen Parteien an. Die deutschen Sozialdemokraten waren im Kabinett mit dem Minister Ludwig Czech vertreten, die Tschechen mit Leo Winter und Alfred Meissner. Seit sich der tschechoslowakische Staat und seine politische Führung für die Fragen des Judentums aufgeschlossen zeigten, fanden sich auch breitere Möglichkeiten für einen wirtschaftlichen Aufstieg. Die Juden hatten zwar schon in der Donaumonarchie wichtige Positionen in der Industrie errungen oder eigene Firmen gründen können, in der Tschechoslowakei aber konnten sie nun bis zum Ausbruch der Wirtschaftskrise zu Beginn der dreißiger Jahre ihre Betriebe modernisieren una weiter ausDauen. Ein Schock traf die Juden, als Hitler am 30. Januar 1933 die Macht in Deutschland ergriff. Die tschechoslowakische Regierung verhielt sich zunächst abwartend. Erst als die ersten Flüchtlinge eintrafen, die ihre Stelle verloren hatten, die wirtschaftlich ruiniert und diskriminiert waren, gewann das Thema an Aktualität. Es muß hervorgehoben werden, daß die CSR allen Flüchtlingen zwischen 1933 und 1938 Asyl gewährte und ihre Regierung eine Abschiebung der Juden nach Deutschland ablehnte. In Prag bildeten sich verschiedene Hilfsorganisationen, die die Flüchtlinge betreuten. Für die meisten war die CSR aber nur eine Zwischenstation, denn einem großen Teil gelang die Auswanderung in ein westliches Land. Flucht - Emigration Am 15. März 1939 marschierte die deutsche Wehrmacht in Böhmen und Mähren/Schlesien ein und erklärte diese Gebiete zum Protektorat. Die erste Tschechoslowakische Republik hatte aufgehört zu existieren. Die Slowakei wurde ein selbständiger Staat. Für die Juden, die aus welchen Gründen auch immer im Lande verblieben waren, begann ein langer Leidensweg. Mit einigem Glück konnte zwar ein Teil auswandern, für viele aber endete der Weg in einem Konzentrationslager. Gleich nach der Besetzung des Landes wurden alle Juden von den Einsatzkommandos der Sicherheitspolizei registriert und unter Kontrolle gestellt. Die im Reich bereits geltenden, gegen die Juden gerichteten Gesetze traten nun auch im Protektorat Böhmen-Mähren in Kraft. Die Entrechtung der Juden, mochten sie sich bis dahin zu den Deutschen oder zu den Tschechen bekannt haben oder als Emigranten Zuflucht gefunden haben, wurde Tag für Tag weiter vorangetrieben. Die ständige Angst vor Verfolgung stärkte das Verlangen der Juden nach Auswanderung. Die jüdischen Verbände riefen immer wieder dazu auf, und die einzige Zeitung für die Juden im Protektorat, das "Jüdische Nachrichtenblatt'', brachte laufend Hinweise über Auwanderungsmöglichkeiten. Es zeigte die Verfahrenswege, die eingehalten werden mußten, und bot Kurse zur beruflichen Umschulung an. Auf jüdischer Seite waren das "Palästinaamt" und der "Zionistische Zentralverband" zuständig für die Auswanderung, sie waren auch die einzigen Verhandlungspartner für die "Zentralstelle für die jüdische Auswanderung" auf deutscher Seite, die von Adolf Eichmann geleitet wurde. Es war jedoch äußerst schwierig, für irgendein Land, das überhaupt bereit war, Juden aufzunehmen, ein Visum oder eine Zuzugsgenehmigung zu bekommen. Die Formalitäten und das Verfahren bei den deutschen Dienststellen waren äußerst kompliziert. Waren alle Hürden überwunden und hatten die Ausreisewilligen endlich die blaue Ausreisekarte, so konnten sie gegen hohe Summen in besonderen Kanzleien Fahrkarten und Schiffspassagen erstehen. Von jenen, denen die Flucht über die Grenze nach Polen gelungen war, konnten bis zum Ausbruch des Krieges einige tausend per Schiff nach England und Frankreich gelangen. Diejenigen, die mit offizieller Genehmigung nach Palästina auswandern durften, fuhren zum Teil über Österreich, zum Teil von Preßburg aus auf der Donau zum Schwarzen Meer, wo sie auf andere Schiffe verladen wurden. Hier begann ein neuer Leidensweg, denn die Schiffe irrten oft wochenlang auf dem Mittelmeer, weil die "illegalen" Einwanderer in Palästina nicht landen durften. Die englische Regierung versuchte mit allen Mitteln, die "illegale" Einwanderung zu stoppen. So kam es wiederholt zwischen den Flüchtlingen und den britischen Soldaten zu schweren Ausschreitungen. Zahlreiche Schiffe wurden von den Engländern abgefangen, und die ungebetenen Einwanderer wurden zu den Inseln Mauritius, Madagaskar und Zypern gebracht. Dort mußten die Flüchtlinge bis zur Unabhängigkeitserklärung Israels im Jahre 1948 bleiben, um dann endlich im Lande ihrer Urväter, Erez Israel, Aufnahme zu finden. Der Mehrzahl der im Protektorat Verbliebenen gelang die Flucht nicht. Für sie hatte die Führung im Reich den Weg in ein Arbeits- oder Konzentrationslager vorprogrammiert. Die kurz nach der Besetzung des Protektorates verhafteten Juden kamen in die Konzentrationslager Dachau oder Sachsenhausen. Das größte Lager in Böhmen, das Zehntausenden von Juden zum Schicksal wurde, war Theresienstadt. Die große Festung, die eigentliche Stadt Theresienstadt, wurde zum jüdischen Ghetto umfunktioniert und hatte offiziell die Funktion eines sogenannten "Vorzugslagers", das auch als "Reichsaltenheim" für Juden deklariert wurde. Daneben bestand die Kleine Festung Theresienstadt, die im Juni 1940 Ausweichanstalt für das überfüllte Prager Gefängnis wurde. Die ersten Transporte aus Prag trafen im November 1941 in Theresienstadt ein. Insgesamt kamen 96 Sammel- und Einzeltransporte mit 53.272 Juden aus dem Protektorat und 21 Transporte aus dem Sudetenland mit 612 Personen in Theresienstadt an. Es blieb aber nicht bei den Transporten aus dem Protektorat und dem Sudetenland. Weitere Transporte kamen aus Deutschland mit rund 42.000 Personen, aus Österreich mit rund 15.000 Personen, aus Holland mit rund 5.000 Personen sowie aus Dänemark, Polen und Ungarn. Das Ghetto Theresienstadt erhielt zwar eine jüdische Selbstverwaltung, diese war aber gegen die ständigen Schikanen und Demütigungen machtlos. Die Menschen waren auf engstem Raum zusammengepfercht und litten ständig Hunger. Zahlreiche Häftlinge starben an Unterernährung, Entkräftung und den Folgen von Mißhandlungen. Noch schlimmer erging es den Häftlingen in der Kleinen Festung, wo die Aufseher ein unbarmherziges Regime führten. Die Verpflegung war noch katastrophaler als im Ghetto, die überfüllten Unterkünfte dunkel, feucht und kalt. Zudem litten die Häftlinge in Theresienstadt ständig unter der Angst, in ein Vernichtungslager im Osten transportiert zu werden. Insgesamt 64 Transporte verließen Theresienstadt in dieser Richtung. Durch Theresienstadt gingen rund 153.000 Juden, von denen etwa 30.000 überlebten. Von den insgesamt im Jahre 1930 in der Tschechoslowakei lebenden 360.000 Juden kamen etwa zwei Drittel im Holocaust um. (Fortsetzung auf Seite 19)

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