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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2000-01-01 · No. 69 (2000) · p. Seite 11

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2000
Issue
No. 69 (2000)
Date
2000-01-01
Page
Seite 11 (sequence 1606)
Language
German
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11 Das ist die Geschichte der damaligen Zeit Meine Familie, Familie Willy Cohn, lebte einige Generationen in Breslau. Sowohl mein Vater, als auch seine Eltern wurden dort geboren. Diese Herkunft hat seine Verbundenheit mit Deutschland und besonders mit Schlesien ausgeprägt, sowie auch zum Judentum und zum Zionismus. Er war auch auf allen diesen Gebieten tätig. Mein Vater diente 4 Jahre als Soldat an der Westfront und bekam als Auszeichnung das eiserne Kreuz. Daher betonte er immer: "Der Dank des Vaterlandes ist mir gewiß!" Aber es sollte anders kommen. Er studierte in Breslau und Heidelberg und war nachher viele Jahre Lehrer am Johannisgymnasium, am Gymnasium, an dem auch meine Brüder ausgebildet wurden. Viel Liebe und Hingebung hat er in seine Schüler investiert, und diese waren ihm dankbar auch in schweren Zeiten. Seine Weltanschauung war sozialistisch und er war auch politisch in diesem Sinne tätig. Folgerichtig gehörte er zu den Ersten, die vom Dienst entlassen wurden. Er schrieb viele Bücher, u.a. populäre Biographien über Marx, Engels, Lassalle und andere. Auch Geschichte gehörte zu seinen bevorzugten Themen - z.B. "Das Zeitalter der Hohenstaufen in Sizilien". Meine Mutter ging ihm bei seiner Arbeit zur Hand, indem sie das meiste auf der Schreibmaschine tippte. Ich entsinne mich, wie mein Vater seine Vorträge diktierte, während er in unserer Wohnung auf und ab ging. Meine Mutter half ihm auch beim Korrigieren der Matura-Prüfungen. Von Ruth Azmon Unser Haus war ein Heim von Lesen, Lernen und intelligenten Beschäftigungen. Das war auch viele Jahre sein Beitrag zur "Volkshochschule". Nachdem jüdische Lehrer nicht mehr unterrichten durften, war er in der Schule für Juden tätig. Nicht wenige Jahre genoß er die Gastfreundschaft der Bibliothek der "Domkirche". Dort konnte er wissenschaftlich Weiterarbeiten. Die Nonnen steckten ihm dort oft Süßigkeiten für die Kinder zu, nachdem man diese nicht mehr an Juden verkaufen durfte. Wir, seine älteren Kinder, verließen Deutschland einer nach dem anderen. Mein ältester Bruder, kehrte Deutschland 1933 den Rücken, nachdem seine "guten Freunde" mit seiner Ermordung drohten. Meine Eltern handelten unverzüglich und schickten ihn nach Paris, ohne finanzielle Mittel, und so war der junge Mann auf einmal ganz allein und auf sich gestellt. Mein zweiter Bruder wanderte nach Palästina aus, nachdem er sich auf einer jüdischen landwirtschaftlichen Farm vorbereitet hatte. Das war immer sein Traum gewesen. Ihm konnten die Eltern wenigstens ein bißchen mit der Ausstallung helfen. Der AbschLedsschmerz war groß und das Familienleben litt stark darunter. Die Kinder waren in verschiedenen Ländern verstreut und die Existenzmöglichkeit in Breslau wurde immer schwerer. 1937 besuchten meine Eltern meinen Bruder in Palästina im Kibbutz, kehrten aber leider nach Breslau zurück. Denn dorthin fühlte sich mein Vater hingezogen. Er kannte jeden Berg in Schlesien, und Breslau war für ihn "Heimat". Meine Mutter war stets auf seiner Seite, auch wenn sie nicht immer mit ihm übereinstimmte. Selbst in diesen schweren Jahren versuchte mein Vater stets der jüdischen Gemeinde intellektuell beizutragen. Auch Nichtjuden baten um seinen Rat. Ich selbst verließ Breslau im Alter von 14 einhalb Jahren. Das war ein schwerer Abschied, den mein Vater kaum ertragen konnte. Nur meine Mutter begleitete mich zur Bahnstation, welche noch heute in Breslau steht. Diese Minuten sind für immer unvergeßlich in meinem Gedächtnis. Bis zum letzten Augenblick hofften meine Eltern uns nachkommen zu können. Aber es gelang nicht. Für die Auswanderung nach Palästina benötigte man eine große Summe Geld, die Ihnen nicht zur Verfügung stand. Bis zum Schluß focht mein Vater einen inneren Kampf zwischen Familie und "Heimatszugehörigkeit"! Doch Hitler "löste" dieses Dilemma. Beide Eltern und meine zwei kleinen Schwestern wurden im November 1941 deportiert - Man schickte sie nach Kowno, wo sie am selben Tage noch ermordet wurden. All das erzähle ich Euch aus der Erinnerung an meine Kindheit. Trotzdem blieben mir von Breslau angenehme Erinnerungen. Meine persönlichen Erinnerungen sind mit der Geschichte und der Politik jener Tage nicht identisch. Die Umstände lehrten mich, Verschiedenes zu verstehen, das eigentlich nicht in das Seelenleben eines jungen Mädchens gehören sollte. VAWAVAWWV^AWmVW//1VVAV^VAVAW//AW/AWAWAVAVAWAWAVVAV%\WW/^V>VWJ,AW/AVAVWAVV Die Berliner Ärztekammer machte mit Auch Ärzte prägten schon Jahre vor Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft Begriffe, welche die Ausgrenzung von Menschen aus der Gesellschaft und die Verfolgung von Minderheiten förderten. Begriffe wie Erb- und Rassenhygiene, rassische Konstitution, erbliche Minderwertigkeit, Ballastexistenzen und lebensunwertes Leben bestimmten ein Denken, das Grundlage nationalsozialistischer Gesundheitspolitik wurde. Dies legitimierte eine als selbstverständlich empfundene Ausgrenzung. Dem folgte die Vernichtung. Den jüdischen Ärzten wurde die Erlaubnis zur Behandlung von "Ariern" entzogen. Durch Gesetz erlosch 1938 ihre Bestallung und Approbation und damit auch die Erlaubnis zur Ausübung ihres Berufes. Gegen die Ausschaltung der jüdischen und eines großen Teils politisch andersdenkender Ärzte regte sich wenig Widerstand aus Kreisen der ärztlichen Kollegen und ihrer Standesorganisation. Ärzte waren an der Vorbereitung des Gesetzes zur "Verhütung erbkranken Nachwuchses" beteiligt und führten die Zwangssterilisation zahlreicher kranker und behinderter Menschen durch. Ärzte nahmen an der Aussonderungs- und Tötungsbürokratie teil; sie fertigten die Gutachten für die Selektion der Menschen und organisierten zusammen mit der staatlichen Medizinverwaltung die Deportationen. Ärzte beteiligten sich an der Ermordung von Kranken und Behinderten, deren Leben als "lebensunwert" eingestuft wurde. Ärzte arbeiteten in “Euthanasie-Anstalten". Die dabei erworbenen "Erkenntnisse" wurden eine Grundlage für die fabrikmäßige Ausrottung der Juden und auch Sinti und Roma in Europa. Ärzte führten grausame Menschenexperimente in Konzentrationslagern, Forschungsanstalten und Universitätsinstituten durch. Nur einzelne Ärzte leisteten aufgrund ihrer christlichen, sozialistischen, kommunistischen oder humanistischen Weltanschauung Widerstand. Die Ärztekammer Berlin trägt an dieser Last aus ihrer Vergangenheit. Wir empfinden Trauer und Scham. Muscha ("Die Mahnung", 1.1.2000

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