Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2000
- Issue
- No. 69 (2000)
- Date
- 2000-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 1604)
- Language
- German
- Belongs to
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9 Soziale Fürsorge, Wohlfahrts - und Krankenpflege in der (Fonseuung von sei* s> jüdischen Gemeinde Breslau das jüdische Krankenhaus in Breslau als eines der modernsten seiner Art. Sogar während der Weimarer Republik wurden Juden sehr selten als ordentliche Professoren zugelassen, und so fanden wissenschaftlich interessierte jüdische Mediziner die Möglichkeit an den jüdischen Hospitälern praktisch und theoretisch zu arbeiten. Es war selbstverständlich, daß die jüdischen Feiertage und insbesondere die rituellen Speisegesetze streng beachtet wurden. Wir lesen hier die Namen von Kapazitäten wie Prof. Gottstein (Chirurgie), Prof. Aron (Kinderheilkunde), Dr. Miodowski (Hals-Nasen- Ohren) u.a.m.. An das jüdische Krankenhaus war das Schwesternheim angeschlossen, in welchem Mädchen zu Krankenschwestern ausgebildet wurden. Außerdem gab es eine Synagoge, in der morgens und abends gebetet wurde, und welche von dem dort engagierten Kantor Baruch Freier betreut wurde. Im Vorstand der "Israelitischen Kranken-Verpflegungs-Anstalt“ (IKVA) waren alle drei Strömungen - Orthodoxe, Zionisten, Liberale - vertreten und arbeiteten in gemeinsamem Einverständnis zusammen. Aber in den zwanziger Jahren tauchte ein Problem auf, welches zu Diskussionen im Vorstand führte. Das Problem war, ob man auch Ärzte, welche das Judentum verlassen hatten, oder solche, welche in Mischehen lebten und die Kinder aus diesen Ehen getauft waren, im jüdischen Krankenhaus beschäftigen kann. Die orthodoxen und zionistischen * Vorstandsmitglieder waren prinzipiell dagegen, während die liberal-assimilierten nichts dagegen einzuwenden hatten. Professor Dr. Gottstein * formulierte den Beschluß wie folgt: "Wir sind ein konfessionelles Krankenhaus, ein jüdisches Krankenhaus. Deshalb kann für die Wahl des Arztes niemals ein Arzt in Frage kommen, der zu einer anderen Religion übergetreten ist oder seine Kinder durch seinen Willen hat übertreten lassen. Ein solcher Kandidat wird von vornherein ausscheiden. Sollte ein geeigneter jüdischer Kandidat nicht vorhanden sein, so käme wohl eher ein Christ in Frage als ein getaufter Jude". Das fünfte Kapitel, "Stufen der Zerstörung: Das Krankenhaus im Nationalsozialismus" betitelt, steht uns zeitlich am nächsten. Dieses Kapitel ist in fünf chronologische Abschnitte unterteilt, in welchen die immer mehr ansteigende Bestialität der Nazis gezeigt wird. 1933, nach Antritt der von den Nazis gebildeten Regierung, waren die jüdischen Ärzte und Juristen in besonderem Maße von den antijüdischen Maßnahmen betroffen. Die Reaktion auf diese antisemitische Welle war die Gründung von lokalen jüdischen Selbsthilfevereinigungen, in diesem Falle um notleidenden jüdischen Ärzten zur Seite zu stehen. Innerhalb dieser Selbsthilfe spielten die jüdischen Krankenhäuser eine wichtige Rolle. Schlimm war die Lage der Medizinpraktikanten. Diese hatten wenig Möglichkeiten, nach Beendigung ihres Studiums an der Universität, ihr Praktikum an einem Krankenhaus zu absolvieren. Die Möglichkeiten dazu waren natürlich sehr begrenzt. Insgesamt wurden am jüdischen Krankenhaus in Breslau zwischen April 1933 und Sommer 1938 34 Medizinalpraktikanten ausgebildet. Doch versuchten immer mehr Ärzte aus Deutschland zu emigrieren, um sich im Ausland eine neue Existenz aufzubauen. Auch genossen zwischen den Jahren 1933 und 1941 45 Frauen und 13 Nebeneingang HIMMSI WS**" > - ' *:r '' #• Männer ihre Ausbildung als Krankenpfleger am jüdischen Krankenhaus in Breslau. Die fortschreitende Verarmung der jüdischen Bevölkerung, führte dazu, daß die Gemeinde immer mehr das Krankenhaus, wie auch die Alters- und Siechenheime, finanziell zu unterstützen hatte. Und das in einer Zeit, in der viele Steuerzahler den Weg in die Emigration suchten. Die Folge der Abwanderung vieler jüngerer Menschen ins Ausland war, daß ältere und pflegebedürftige Eltern in Alters- und Siechenheimen untergebracht wurden. Der zweite Abschnitt dieses Kapitels behandelt das Pogrom vom 9. November in Breslau und seine Folgen für das jüdische Krankenhaus. Seit dem 1. Oktober 1938 waren in Breslau nur noch 52 jüdische "Krankenbehandler" (so wurden die jüdischen Ärzte von den Nazis offiziell genannt) tätig, einschließlich aller am jüdischen Krankenhaus beschäftigten Ärzte. Das Pogrom am 9. und 10. November 1938 hatte eine große Verhaftungswelle zur Folge. Die meisten der Verhafteten wurden in die KZ Buchenwald und Sachsenhausen gebracht. Aber viele jüdische Menschen wurden in Breslau mißhandelt und gefoltert. Der Leiter des Krankenhauses, Dr. Guttmann, hatte dem Personal in dieser Nacht die Order erteilt, jede männliche.Person ohne jegliche Nachfragen im Krankenhaus aufzunehmen. Infolge der immer zunehmenden Verschlechterung der Lage der Juden in Deutschland, verließen viele der Kapazitäten das Krankenhaus und wanderten nach Erez-Israel und andere Länder aus. Prof. Dr. Ludwig Guttmann, der Leiter des Krankenhauses und Leiter der neurologischen Abteilung, ging 1939 nach Oxford. Im Jahre 1967, während des 6-Tage-Krieges zwischen Israel und den arabischen Staaten, kam Prof. Guttmann sofort nach Israel, stellte sich freiwillig dem israelischen Militär zur Verfügung und operierte die schwersten Fälle von Kopfverletzungen von israelischen Soldaten. Dr. Siegmund Hadda, seit 1935 Leiterder Chirurgie, wurde der neue Leiter des Krankenhauses bis zu dessen endgültiger Auflösung 1944. Der dritte Abschnitt des Kapitels befaßt sich mit der Beschlagnahme des jüdischen Krankenhauses zu Beginn des Zweiten Weltkrieges. Am 29. August erhielt die Leitung des Krankenhauses den Befehl, dieses innerhalb von 48 Stunden zu räumen. Nach der Besitznahme des Krankenhauses durch die Nazis war das Erste, was diese braunen Vandalen taten, die Zerstörung der Krankenhaussynagoge und die Schändung des Thoraschreins und der Thorarollen. Von da an mußte das Krankenhaus von einer Wohnung zur nächsten ziehen - ohne die minimalsten Bedingungen und ohne genügend Ärzte und Pflegepersonal. Außerdem wurden die Alters¬ und Siechenheime beschlagnahmt und ihre Insassen nach Tomersdorf und Riebnig gebracht. Die hygienischen Zustände in diesen Lagern waren katastrophal und waren die Ursache vieler Erkrankungen der Insassen. Anfang des Sommers 1941 begannen die Vorbereitungen zur endgültigen Deportation der Breslauer Juden in die Vernichtungslager. Die verbliebenen Patienten, in dem, was man "Krankenhaus" nannte, wurden am 10. Juni 1943 in einem geschlossenen Transport auf Tragbahren nach Theresienstadt gebracht. Einige Tage danach wurden die letzten 18, nicht in Mischehen lebenden Juden nach Theresienstadt abtransportiert. Unter ihnen befanden sich auch der letzte Vorsitzende der jüdischen Gemeinde und auch der letzte Leiter (Fortsetzung auf Seite 19)