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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2000-01-01 · No. 68 (2000) · p. Seite 17

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2000
Issue
No. 68 (2000)
Date
2000-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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17 Breslauer Friedhof Herr Eckhard Rieke, Elstergasse 15 A, D-13505 Berlin, schreibt in Bzg. Friedhof Lohestraße: "Ich bin Lehrer und fahre jedes Jahr mit Schülern unserer Schule für eine Woche nach Breslau, und dort arbeiten wir zusammen mit polnischen Schülern auf dem Friedhof in der Lohestraße. Entgegen dem Bericht in No. 67 von D.R. ist dieser Friedhof inzwischen in einem viel besseren Zustand als früher. Gar nicht zu vergleichen mit Cosel. Auf diesem Friedhof arbeiten ständig zwei Steinmetze und ein Arbeiter und gerade in diesem Jahr ist uns aufgefallen, welche Fortschritte dort gemacht worden sind. Natürlich gelingt es nicht, einen solchen Friedhof in den alten Zustand zu versetzen, aber durch die Natur ist der Friedhof in der Lohestraße ein wunderbarer Ort der Ruhe und der Romantik. Fast jeder unserer Schüler war davon fasziniert." Am 30. März 1999 um 19 Uhr wurde im Foyer des Gemeindehauses eine Ausstellung über die Arbeit Berliner Schülerinnen und Schüler auf dem jüdischen Friedhof in Breslau/Wroclaw eröffnet. Breslau hatte vor der Schoah die drittgrößte jüdische Gemeinde Deutschlands. An der ulica Wlodkowica in Wroclaw, vorbeieilenden Passanten nicht sichtbar, steht im Hinterhof die Synagoge "Zum weißen Storch". 1829 wurde sie von Karl Ferdinand Langhans, dem Sohn des Architekten des Brandenburger Tores, gebaut. Ein Mitglied der angesehenen Familie Silberstein hatte sie gestiftet. Sie ist die einzige Synagoge, die der Zerstörung in der Pogromnacht 1938 entging, weil die Brandstifter fürchteten, die umliegenden Wohnhäuser zu gefährden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Breslau wieder polnisch. Bis in die späten sechziger Jahre gehörte die Synagoge der winzigen jüdischen Restgemeinde. Als viele ihrer Mitglieder Anfang der 70er Jahre emigrierten, übernahm die Regierung das Gebäude, tat aber nichts zu seiner Erhaltung. So verfiel es allmählich. Am vergangenen 8. November fand erstmals wieder eine Feier hier statt. Es war noch keine Schabbatfeier, aber ein Gedenken an das Pogrom. Bislang sind erst Dach und Fenster renoviert, der Fußboden notdürftig planiert. Aber in zwei bis drei Jahren wird dieses klassizistische Zeugnis des einst blühenden jüdischen Lebens wieder genutzt werden können. Breslau hatte einmal die drittgrößte jüdische Gemeinde in Deutschland, bevor die Schoah sie fast vollständig vernichtete. Langsam nur wächst sie wieder, junge polnische Juden bekennen sich wieder zu ihrer Herkunft und nehmen aktiv am Gemeindeieben teil. Angesichts des hier noch immer vorhandenen Antisemitismus ist das oftmals keine leichte Entscheidung. Dennoch könnte sich in Wroclaw bald wieder ein kulturell-religiöses jüdisches Leben entwickeln. An der ulica Slezna, der ehemaligen Lohestraße, liegt ein jüdischer Friedhof. Im Jahre 1856 wurde er vor der Stadt, inmitten einer Parklandschaft aus vielen christlichen Friedhöfen eingeweiht. Er ist der einzige erhalten gebliebene Friedhof mit deutschen Inschriften. Er hat alles überstanden: die Pogrome; die letzten Wochen des Krieges, in denen Breslau zur Festung erklärt worden war und damit seiner fast völligen Zerstörung in den Kampfhandlungen ausgeliefert wurde; die Einebnung der deutschen Friedhöfe, angeordnet von der kommunistischen Regierung Polens. Auch der Stifter der Synagoge aus der Familie Silberstein liegt hier begraben. So wie die Synagoge "Zum weißen Storch" zeugt dieser Friedhof von einer jüdischen Gemeinde, die mit dem Beginn der Judenemanzipation in Preußen 1812 einen unvergleichlichen Aufschwung genommen und zum wirtschaftlichen, wissenschaftlichen kulturellen und künstlerischen Leben Breslaus, ja ganz Deutschlands Bedeutendes beigetragen hatte. Auch für die Entwicklung des Judentums sind von dieser Stadt entscheidende Impulse ausgegangen. In Breslau wurde 1854 ein Jüdisch-Theologisches Seminar gegründet, an dem führende Autoritäten der Judenheit lehrten: Zacharias Frankel, der erste Direktor des Seminars, Saul Horowitz, und Heinrich Graetz, der Verfasser der ersten "Geschichte der Juden". Die Gräber vieler dieser Rabbiner liegen auf dem Friedhof in der ehemaligen Lohestraße. Aber auch Ferdinand Lassalle, die Eltern von Fritz Haber, von Edith Stein und von Alfred Kerr sind hier begraben, wie viele andere berühmte Persönlichkeiten ihrer Zeit, so etwa Friederike Kempner, Eugen Spiro oder Berthold Auerbach. Im Jahre 1988 besuchten wir auf einer Fahrt der Berliner SPD nach Auschwitz diesen Friedhof, um am Grabe Ferdinand Lassalles einen Kranz niederzuIegen . Der Friedhof beeindruckte uns zutiefst. Die architektonische Vielfalt seiner Grabmale, die Fülle bedeutender Namen in den Inschriften gaben uns einen Einblick in eine Kultur, die durch das friedliche Zusammenleben jüdischer und christlicher Deutscher entstanden war. Wir waren beeindruckt von der Schönheit und Stille dieses Ortes. Und wir waren beeindruckt von der Begeisterung und dem Engagement, mit dem Jaciej Lagiewski (heute Direktor der Wroclawer Museen) für den Erhalt des Friedhofes und für seine Restaurierung kämpfte. So beschlossen wir, mit unseren Schülern einen kleinen Beitrag zu seiner Arbeit zu leisten. Seit 1993 fahren wir in jedem Herbst mit einer Gruppe von Oberstufenschülern derThomas- Mann-Oberschule aus dem Märkischen Viertel nach Wroclaw und arbeiten auf dem Friedhof. Wir beseitigen Unkraut, säubern Wege, schneiden Bäume aus, setzen zersplitterte Grabplatten wieder zusammen. Es macht uns stolz, daß wir über unsere Arbeit in einer Ausstellung in der Jüdischen Gemeinde berichten können. Dagmar Denzin, Eckhard Rieke (Lehrer der Thomas-Mann-Oberschule) Jüdisches Berlin 12, 3/99 Auf dem Juedischen Freidhof an der Lohestraße in Breslau, 1856 eroejfnet. ÄWSSfÄWft:: msmsmmMsmü

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