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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2000-01-01 · No. 68 (2000) · p. Seite 14

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2000
Issue
No. 68 (2000)
Date
2000-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 Wie stellen Schriftsteller im heutigen Deutschland die Naziepoche in der Jugendliteratur dar? ("Vergangenheit ohne Schatten" von Zohar Shavit; Die Konstruktion der Darstellung der Vergangenheit in der deutschen "Erzählung" für Kinder, "Am Owed"-Verlag, Tel Aviv) Prof. Zohar Shavit ist für unsere Leser keine Unbekannte. Wir hatten schon die Gelegenheit ihre Forschungen auf dem Gebiet der deutschen und jüdischen (in deutscher Sprache) Kinderliteratur zu würdigen. Jetzt erschien ihr umfassendes Buch über die Darstellung der Naziepoche in der deutschen Nachkriegskinderliteratur. Auf Grund ihrer umfassenden Forschungen ist Prof. Shavit der Ansicht, daß soweit es sich um die Darstellung des "Dritten Reiches" handelt, sich alle Bücher für Kinder und Jugendliche im großen Ganzen gleichen. Es handelt sich hier nicht um die Leugnung des Holocaust, sondern um seine vollkommene Ignorierung in diesen Büchern. Prof. Shavit bringt vielevBeweise von Kinderbüchern, welche in den Jahren des Naziregimes erschienen sind, auch nach dem Krieg große Auflagen erreichten, trotz der darin verkappten Naziideologie. Der krasse Gegensatz dazu, war das Verhältnis zu den aus Deutschland ausgewanderten und geflüchteten Schriftsteller. So wurde z. B. das Buch von Erica Mann "Schule der Barbaren" erst im Jahre 1986 (!) in Deutschland veröffentlicht, obwohl es schon 1938 in englischer Fassung ("School of Barbarians") in New York erschien. Die Verfasserin von Kinderbüchern, LisaTetzner, welche schon 1933 in die Schweiz emigrierte, konnte dort nicht ihre Bücher herausgeben, denn die "neutrale" Schweiz fürchtete, daß das Erscheinen von Büchern einer Emigrantin aus Deutschland, den Beziehungen der Schweiz mit Deutschland schaden könne. Daher erschien ihr Buch "Erwin kommt nach Schweden" erst 1941 in Stockholm. Auch andere Bücher von ihr konnten erst nach dem Krieg in der Schweiz erscheinen. In der Kinderliteratur der Nachkriegszeit lesen wir nichts über die barbarischen Untaten der SS und der Wehrmacht. Die berühmte Ausstellung in verschiedenen Orten Deutschlands "Vernichtungskrieg - Verbrechen der Wehrmacht 1941 - 1944" zeigt das wahre Bild. In diesen Büchern wird ein Bild von den Deutschen gezeichnet, was nicht der Wahrheit entspricht. Es gab in Deutschland keine Mehrheit von Deutschen, welche keine Nazis waren, und eine Minderheit von Nazis. Dem muß immer wieder die Wahrheit gegenübergestellt werden, daß die Mehrheit der Deutschen in demokratischen Wahlen die Nazis zur Macht brachten. Das Interessante ist, daß im Gegensatz zu dieser Kinderliteratur, die Erwachsenen in Deutschland sich ernsthaft mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, was auch die eben genannte Ausstellung beweist, von M. E. Hauschner oder z.B. "Der Stellvertreter" von Rolf Hochhut. Das Thema über die Verschickung von Juden in die Konzentrations- und Vernichtungslager wird in diesen Büchern fast überhaupt nicht berührt. Aber in dem Kapitel "Eisenbahnen, Lastwagen, Transporte und Vertreibung" betitelt, zeigt Prof. Shavit an Beispielen aus verschiedenen Büchern, daß es sich hier um Deutsche handelt, welche als Opfer gezeigt werden, die von den Alliierten aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Natürlich nichts über die unmenschliche Behandlung von Juden, welche in Viehwagen gepfercht, ohne Luft, ohne Wasser und Essen, ohne sanitäre Anlagen auf barbarische Weise in die Todeslager verschleppt wurden. Auch nichts über die Tschechen z.B., welche 1938 aus ihrer Heimat, durch die Sudetendeutschen unter der Führung des berüchtigten Konrad Hähnlein, vertrieben wurden. Dazu gesellt sich die verzerrte Darstellung von den Konzenträtionslagern, welche sich auf die Propaganda der Nazis stützt, wie z.B. in dem Buch "Er heißt Jan". In einem Buch von Max von Grün wird von Massenverhaftungen erzählt, aber nur von deutschen Sozialisten. Die Darstellung der Konzentrationslager, und sogar die berüchtigten Todeslager, wie Auschwitz und Dachau, ist nur von außen; keine Darstellung von dem, was in diesen Lagern tagtäglich vorgeht. Nichts von den Massenvergiftungen durch Gas und Krematorium. Eins der wenigen Bücher, welche ein Konzenztrationslager von innen beschreibt, ist das Buch von Ilse Burfeind "Kind im Koffer". Es handelt sich hier um Buchenwald. Aber auch in diesem Buch wird das Konzentrationslager Buchenwald eher als ein Rekrutenlager dargestellt. Die Arbeit ist zwar schwer, aber nichts wird berichtet über die bestialischen Untaten der Nazis an den Gefangenen. Die Darstellung des Antisemitismus in dieser Kinderliteratur ist zweideutig. Prof. Shavit bringt eine Fülle von Beispielen über die Darstellung von Juden in diesen Büchern. Wenn man die Kapitel über antisemitische und philosemitische Darstellungen der Juden liest, muß man zu dem Schluß kommen, daß hier der Philosemitismus ein verkappter Antisemitismus ist. Hinter der sympathisierenden Haltung jüdischen Menschen gegenüber, steht in vielen Fällen ein "aber"'... Wenn z.B. ein inniges Familienleben einer jüdischen Familie beschrieben wird, und die Mutter sich der Erziehung ihres Sohnes voll und ganz widmet, wird sofort auch das Familienleben einer nichtjüdischen Nachbarfamilie dargestellt, in welcher die Mutter sich weniger um ihre Kinder kümmern kann, weil eben ihre wirtschaftliche Lage schlechter ist, als die der "reicheren jüdischen Familie". Oder wie in einem anderen Buch ein jüdischer Chirurg besser gestellt ist als ein einfacher nichtjüdischer Dorfarzt. Der Höhepunkt der Verfälschung der Tatsachen in dieser Kinder- und Jugendliteratur ist die Behauptung, daß die Juden durch die Nazis zwar verfolgt wurden, aber die Mehrheit der Deutschen standen den Juden zur Seite. In diesen Büchern wird ein Unterschied gemacht zwischen einer "Minderheit" der "bösen Nazis" und der Mehrheit der "anständigen Deutschen". Beim Lesen der so zahlreichen Zitate in dieser Forschungsarbeit erheben sich zwei Fragen: 1) Gibt es überhaupt keine Grenze zwischen der Verzerrung der Geschichte Deutschlands in der Naziepoche und der Verbreitung von Lügen über diese Zeit, und der historischen Wahrheit, was sich vor weniger als 60 Jahren in Europa durch die deutschen Nazis ereignet hat? Und 2) Was ist der Zweck der verfälschten Darstellung Deutschlands in dieser Kinder- und Jugendliteratur? Darauf kann es nur eine Antwort geben: Man will den Kindern nicht das wahre Gesicht ihrer Eltern und Großeltern zeigen. Dieser Generation, welche mit großer Mehrheit Hitler mit Begeisterung zujubelte. Diese Generation von Eltern und Großeltern wußte zum großen Teil Bescheid, was sich in diesen Konzentrations- und Vernichtungslagern abspielte. So wurden sie Mitschuldige dieses Systems und seiner Verbrechen. Als Gegengewicht zu dieser verfälschten Darstellung der Naziepoche in Deutschland ist es die Aufgabe der Schulen , den Schülern ein wahres Bild dieser Zeit zu vermitteln. Seit vielen Jahren besteht schon ein Dialog zwischen den Lehrerorganisationen Israels und Deutschlands, zu deren Grundlegern Dr. Schalom Lewin s.A. (ehemaliger Vorsitzender der Lehrerorganisation in Israel) gehörte. Die Aufgabe dieser Verbände ist es, heute die wahren historischen Tatsachen über diese dunkle Zeit den Schülern vor Augen zu führen, besondern in einer Zeit, in welcher die Leugner der Schoah ihre Lügen in der ganzen Welt zu verbreiten suchen. Das Buch von Prof. Shavit ist wie kein anderes dazu geeignet, diesen Dialog zu vertiefen und die Aufgabe zu erfüllen, welche der Bundespräsident Deutschlands Dr. Johannes Rau in seiner Ansprache in der israelischen Knesset (16.2.2000) als die wichtigste bezeichnete; "Die Überlebenden der Schoah gehen zu Ende und so muß das Andenken der Opfer in den kommenden Geschlechtern für immer gewahrt werden."

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