Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2000
- Issue
- No. 68 (2000)
- Date
- 2000-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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I B8888888S%88SSS38%8Sa88S&SS38888S88S88888888mSBS8fl3fö$3S8SS%^^ Ohne Einschränkung auch gegen Frauen und Kinder Wehrmachtsverbrechen in Italien Nachdem die berühmte Ausstellung "Vernichtungskrieg - Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" in verschiedenen Orten gezeigt wurde, kehren die Exponate in das Hamburger Institut für Sozialforschung zurück. Ein umfangreic.hes Begleitprogramm hilft, zahlreiche andere Aspekte des Nationalsozialismus kennenzulernen. Das ist auch deshalb wichtig, weil die Ausstellung sich auf Wehrmachtsverbrechen in Sibirien und Weißrußland sowie im Bereich der 6. Armee beschränkt. Tatsächlich haben die Wehrmacht und andere deutsche Organisationen keineswegs nur in Osteuropa grauenhaft gehaust. Italien hatte von Juni 1940 bis September 1943 auf der Seite des "Großdeutschen Reiches" gekämpft. Nach der Kapitualation blieb der Süden Italiens zwischen Termoli und Neapel befreit, der Norden geriet unter deutsche Herrschaft mit Generalfeldmarschall Albert Kesselring an der Spitze. Der schrieb später in seinen unsäglichen Memoiren "Soldat bis zur letzten Stunde" über die Kämpfe in Italien zwischen September 1943 und April 1945: "Das deutsche Volk und die anderen Völker der westlichen Weit sollen erfahren, daß die deutschen Soldaten trotz des blutigen Kriegshandwerks sich in einem Ausmaß von humanen, kulturellen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten haben leiten lassen, wie sie Kriege dieses Ausmaßes ganz selten zeigen dürften." Die Wirklichkeit sah freilich anders aus. Kesselring war es, der erklärte, die Italiener seien Verräter, und gegen Verräter dürfe es keine Schonung geben. Mehr als eine Million italienischer Soldaten werden entwaffnet, 620.000 als Zwangsarbeiter nach Deutschland deportiert. Wer sich wehrt, mit dem wird "kurzer Prozeß" gemacht. Schon am 13. Oktober 1943 beginnt der Terror gegen unschuldige Zivilisten. Leutnant Wolfgang Lehnigk-Emden befiehlt der 3. Panzergrenadier-Division, das Dorf Calazzo niederzubrennen. Grund: Verdacht auf Feindbegünstigung. Unter den 22 Menschen, die ermordet werden, sind 10 Kinder und sieben Frauen, eine im sechsten Monat schwanger. Dergleichen geschieht fast täglich. Am 21. November 1943 müssen sich alle Einwohner des Dorfes Limmari um eine freistehende Eiche scharen. Angehörige eines Fallschirmjägerregiments lassen vorher gelegte Minen hochgöTien, die aber ohne Wirkung bleiben. Danach legen Soldaten ihre Maschinenpistolen an und feuern gezielt auf die 113 Greise, Kinder und Frauen. Ein Mädchen überlebt. Menschen, die aus den umkämpften Tälern in die Berge fliehen, werden wie Hasen gejagt und umgebracht - so wie die Bewohner der Gemeinde Vallerotonda. "Kaum ein italienischer Ort bleibt verschont", hieß es kürzlich im Mitteldeutschen Fernsehen in einer Dokumentation des SRD. "Die SS- Schergen machen alles nieder: plündern, morden, fackeln ab. Aufgeschlitzte Schwangere, lebendig verbrannte Alte und gepfählte Frauen. Bestialische Exzesse, die keinen Oberbefehlshaber irritiert zu haben scheinen, die kein Wehrmachtsrichter je verfolgt, und an die sich vermutlich kein deutscher Soldat erinnert." Relativ bekannt sind die Massenmorde in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom am 24. März 1944. Die Prozesse in Rom gegen den SS- Hauptsturmführer Erich Priebke 1996 und 1998 haben das bewirkt. Wegen eines Anschlags auf die deutsche Polizeieinheit mit 33 Opfern wurden in den Sandsteinhöhlen 335 Italiener erschossen. Wegen dieses Massenmordes verurteilte 1947 ein britisches Militärgericht Kesselring zum Tode. Bereits 1952 war er wie fast alle von alliierten Gerichten verurteilten NS-Mörder wieder frei. Die Frage, warum es in der Bundesrepublik kaum ein Strafverfahren gegen Wehrmachtsverbrechen gegeben hat, gehört zum Rahmenprogramm der in Köln gezeigten Ausstellung. Am schlimmsten wirkte sich die italienische Kapitulation vom 8. September 1943 für die Juden in Italien aus. Während sie bis dahin nicht um ihr Leben fürchten mußten, begann im deutschen Einflußgebiet nun die "Endlösung". Die deutschen Einheiten besaßen Listen mit den Namen und Anschriften der Juden. Allein in Rom wurden an einem einzigen Tag, dem 16. Oktober 1943, mehr als 1.000 Juden festgenommen. Ähnliche Aktionen gab es in Triest, Genua, Florenz, Mailand, Venedig, Ferrara und anderen Städten. Die Juden kamen zuerst in heimische Lager und wurden dann in deutsche Vernichtungslager, vor allem nach Auschwitz verschleppt. Am 25. Februar 1945 sollte der letzte Deportationszug mit 800 Juden über die Alpen nach Polen fahren. Ob die Alliierten das erfahren haben oder nicht, ist unbekannt. Jedenfalls bombardierten sie in der Nacht zuvor die Alpenpässe und unterbrachen so jede Verbindung mit Deutschland. Die Gefangenen wurden zurück nach Bozen gebracht und im April 1945 befreit. Kesselring und seine Leute haben - nach des Feldmarschalls Motto "Soldat bis zum letzten Tag" und gemäß Hitlers Befehl zur Bandenbekämpfung "Ohne Einschränkung auch gegen Frauen und Kinder" - in Italien solange gemordet, wie es ging. Daß dafür niemand wirklich zur Rechenschaft gezogen worden ist, gehört auch zur Geschichte der Wehrmacht, der italienischen und der deutschen Justiz. Heiner Lichtenstein (aus "Die Mahnung", 1.5.1999) Auszug aus dem Testamente des Samuel Isaac aus Tost! (Fortsezung von Seite 8) Noch verdient bemerkt zu werden, daß der Verstorbene bittet, seinen Leichnam neben einem Anverwandten zu begraben, der, wie eine Note zu der Kopie dieses Testaments sagt, in Geschäften des Verstorbenen verreiste, von Räubern erschlagen, und nach jüdischen Gesetzen, ohne Zeremonie und auf einer besonderen Seite, weitweg von den Gräbern gelegt wurde, und den der Verstorbene gar nicht vergessen konnte. Auch an seine Schwiegersöhne richtete er am Schluß noch die Ermahnung zur Liebe und Eintracht in der Familie. "Willigen Sie, sagt der gutmühtige Mann, in diese meine Bitten. Sie erfreuen mich mehr damit, als wenn Sie noch einige Jahre mein Leben mit dem Ihrigen mir fristen wollten." Warlich! Ein ächter Israelit, in dem kein Falsch war - so denkt man, wenn man auf die Gesinnung schließt, welche diese Äußerungen bey ihm voraussetzen. Und es würde vielleicht den Lesern der Provinzblätter lieb seyn, aus dem Leben dieses Mannes einzelne Beweise seiner rechtschaffenen Denkungsart und seines unbescholtenen Wandels zu lesen, die freilich als Thatsachen der sicherste Beweis sind, daß es so war, wie ihn hier seine Worte darstellen. Diese Äußerung soll kein Mißtrauen verrathen, sondern sie stehe nur für die Weltklugen hier, die beynahe allen Glauben an Rechtschaffenheit und Tugend verlohren haben, weil sie nie den Menschen anders als nach sich beurttheilen. Doch für diese ward auch dieser Auszug nicht veranstaltet und gemacht.