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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2000-01-01 · No. 68 (2000) · p. Seite 6

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2000
Issue
No. 68 (2000)
Date
2000-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Vom Untergang and überleben einer jüdischen Familie aas Breslaa Anita Lasker-Wallfisch: "Ihr sollt die Wahrheit erben. Breslau - Auschwitz - Bergen-Belsen", Weidle-Verlag, Bonn 1997, 221 S., 38,- DM Der heute im Süden Frankreichs lebende Buchautor und Journalist Klaus Harpprecht schrieb ein Vonwort, denn er ist mit der älteren Schwester der Autorin verheiratet und in dem vorliegenden Buch wird über den Lebensweg, besser gesagt: den grausamen Leidensweg der jüdischen Familie Lasker und deren zweier Töchter aus Breslau, berichtet. Anita Lasker- Wallfisch ist mit dem gleichfalls aus Breslau stammenden Pianisten Wallfisch verheiratet und lebt seit der Befreiung aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen in London. Fünfzig Jahre nach diesen ersten zwanzig Jahren zwischen Breslau und London hat sie für Kinder und Kindeskinder das niedergeschrieben, was sie wohlbegründet "Die Wahrheit erben" nennt, englischer Originaltitel "Inherit the Truth". Von Ernst Cohn, in Breslau geboren und 1933 nach England emigriert, gibt es in dem Band "Breslau - Hauptstadt Schlesiens" (später unter dem Titel "Breslau - geliebt und unvergessen" neu aufgelegt) einen Bericht über die jüdische Gemeinde zu Breslau, worin es heißt: “Die nationalsozialistische Propaganda und ihr Erfolg traf die Breslauer Juden völlig ungerüstet. Es bedurfte eines Symbols, welches zeigte, daß die Stunde des Abschieds von der Heimat unwiderruflich geschlagen hatte. Dies wurde durch die Inbrandsetzung und Zerstörung der Neuen Synagoge am 8. November 1938 geliefert. Der Rest der Gemeinde, der noch in Breslau verblieben war, etwa 10.000 Personen, ist mit wenigen Ausnahmen den Märtyrertod in den Gaskammern gestorben." Diesen Märtyrertod erlitten Alfons und Edith Lasker, man schrieb das Jahr 1942. Alle Bemühungen, die noch vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges unternommen worden waren, blieben erfolglos. Man wäre schon damit glücklich geworden, wenn wenigstens die beiden Töchten Renate, 1924 geboren, und Anita, 1925 geboren, hätten gerettet werden können, nachdem es noch im letzten Augenblick der ältesten Tochter Marianne gelungen war, nach England auszuwandern; sie ist später als Zionistin nach Palästina gegangen. Eine Einwanderung in die Vereinigten Staaten scheiterte daran, daß der Geburtsort von Rechtsanwalt Alfons Lasker nach dem Ersten Weltkrieg , da in Westpreußen gelegen, nun unter polnischer Souveränität stand und die polnische Einwanderungsquote bereits für fünf Jahre ausgebucht war! Nachdem die Eltern mit den beiden Töchtern zuerst auf Kommando der herrschenden nationalsozialistischen Diktatur mehrmals ausquartiert worden waren (das Haus in der Kaiser-Wilhelm-Straße, dann "Straße der SA" genannt, ist abgebildet) und der Befehl zu dem Transport ergangen war, waren die beiden jungen Mädchen ganz auf sich gestellt. Aufenthalt zwangsweise in einem Waisenhaus und Sollerfüllung an einem erniedrigenden Arbeistplatz waren die Folgen. Die geheim aufgenommene Verbindung zu französischen Zwangsarbeitern ließ den Plan einer Flucht mit gefälschten Papieren in das unbesetzte Frankreich reifen, aber das gemeinsam unternommene Wagnis scheiterte. Gefängnis, Prozeß, dreieinhalb Jahre Zuchthaushaft mit Einlieferung in die Strafvollzugsanstalt Jauer für die ältere Schwester Renate, die, wie abgesprochen, alle Schuld auf sich genommen hatte, und 18 Monate Gefängnis für die jüngere Anita. Vom berüchtigten Breslauer Gefängnis "Die Graupe", so der Volksmund, wird sie als erste der beiden nach Auschwitz "übersiedelt", und bald folgt ihr auch die andere Schwester. Glück und Zufall spielten mit, daß sich nicht nur beide Schwestern wieder trafen, sondern daß auch beide die Hölle von Auschwitz überlebt haben. Nicht ohne Grund trägt der ansprechende Umschlag dieser Aufzeichnungen das Bild eines Cellos, und das Cello war lebensrettend. Um Märsche beim Ausrücken und Zurückkehren ins Arbeitslager Birkenau, die Nebenstelle von Auschwitz, spielen zu lassen, war auf Anordnung der SS ein Orchester gebildet worden, und in diesem Laienorchester der eigentlich für die Ermordung in den Gaskammern bestimmten Menschen spielte Anita Lasker das Cello, dem ihre ganze musikalische Leidenschaft gewidmet war. (Später in London wurde sie Gründungsmitglied des "English Chamber Orchestra" und gehörte ihm auch bis jetzt an.) Die nächste und letzte KZ-Station hieß wenige Monate vor der Befreiung durch britische Truppen Bergen- Belsen. Am 15. April 1945 schlug die Stunde der Freiheit. Aber jetzt gab es noch bange Wochen mit bürokratischen Barrieren, bis man in England als freie Menschen, die Überlebenden einer-jüdischen Familie aus Breslau, neu beginnen konnte. Dieses Schicksal von zwei jungen Mädchen ist erschütternd und ergreifend zugleich. Die Eltern deportiert und umgebracht, ihre beiden Töchter eigentlich jeden Tag ums nackte Überleben bangend, teuflischen Grausamkeiten ausgeliefert, aber fest entschlossen, sich nicht unterkriegen zu lassen, all das ist ebenso anschaulich wie überzeugend, selbstverständlich auch anklagend geschildert. Der eingestreuten Dokumente, wie Briefe nach der Befreiung an die Schwesterin London, Briefe des Vaters, der sich um die Auswanderung bemühte, ein Protokoll mit Aussagen über das Konzenztrationslager Bergen-Belsen, hätte es gar nicht bedurft, denn die Art der Erzählung ist gerade wegen ihrer Einfachheit so glaubwürdig, daß zusätzliche Dokumente, die ohnehin nur auszugsweise wiedergegeben werden, gar nicht notwenig sind. Der Rezensent muß gestehen, daß er auf das Buch erst aufmerksam geworden ist, nachdem in der Bonner Presse über eine Lesung der Autorin vor Schülern eines Gymnasiums in St. Augustin im April 1999 berichtet wurde. Eine kleine Korrektur zum Schluß: der polnische Name für das heutige Breslau heisst an beiden Stellen Wrozlaw statt richtig Wroclaw, wobei wir im Deutschen ohnehin auf das mouillierende "I" verzichten. Herbert Hupka K.K. 1080, 25. Juni 1999/21 S 5 S Noch etwas über die Schweiz § | im Zweiten Weltkrieg |! Ein Komitee von Historikern verfaßte einen Bericht, I jj Ü; 5 daß die Schweiz Zehntausenden von Juden die § | Flucht bzw. Einreise in die Schweiz verweigerte. | |j Der israelische Historiker Schaul Friedländer 8 5 (Verfasser des Buches "Nazi-Deutschland und | § die .Juden") ist der Meinung, daß viele öffentliche | § Körperschaften in der Schweiz wie Militär, Polizei | § und Grenzpolizei mit den Deutschen kooperierten. | § Von 1942 wurden die Grenzen für jüdische | | Flüchtlinge im ganzen geschlossen, obwohl man | | in der Schweiz wußte, daß die Juden in die | jj Todeslager verschickt wurden. jjj | Dieser Bericht gibt uns ein schreckliches Bild von jjj | dem Antisemitismus, welcher in allen Sparten der jjj § Schweizer Regierung herrschte. | a 5

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