Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2000
- Issue
- No. 68 (2000)
- Date
- 2000-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 Kolel Hod (Eine Gemeinde von jüdischen Einwanderern aus Holland und Deutschland in Jerusalem vor 170 Jahren) von M.E. Hauschner Kolel-Hod (Gemeinde Holland und Deutschland - "Hod") ist die Gemeinde von Juden aus West- und Mitteleuropa, welche getrennt von ostjüdischen Gemeinden (Kolelim) in Jerusalem lebten, aber dennoch einen großen Einfluß'auf das jüdische Leben in Jerusalem hatten. In den zwanziger und dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts bildete sich eine Bewegung von streng religiösen Juden in Deutschland und Holland, deren Ziel es war, nach Erez-Israel, und insbesonders nach Jerusalem, einzuwandern. Drei Faktoren waren anscheinend der Grund für diese Bewegung. 1) Am 2. August 1819 brachen in Würzburg antisemitische Ausschreitungen, unter Anführung der Studenten der Würzburger Universität, aus, welche sich dann ih dem Staate Bayern, in Baden, in den Rheinstädten, in Frankfurt a.M. und anderen Städten ausbreiteten. Gröhlende Massen mit den Rufen Hep-Hep (jHyerosolima est gerdita - Jerusalem ist verloren) demonstrierten gegen die Emanzipation der Juden. 2. Die Angst vieler religiöser Juden vor der Ausbreitung der Assimilation in vielen jüdischen Kreisen. Zu den genannten zwei Faktoren gesellte sich der dritte: Die Zionsliebe der religiösen Juden. Unter den Ersten, welche nach Jerusalem kamen, war Rabbi Mosche Sachs im Jahre 1830. Zu ihm gesellte sich, der in Amsterdam geborene Nachman Nathan Koronel. Er kam 1830 nach Sefad, aber nach dem dortigen großen Erdbeben siedelte er nach Jerusalem über. Dort gehörte er zu den Gründern der "Deutsch-Holländischen Gemeinde“, und deren Synagoge "Ahawat Zion". Diese stand im Hofe von Zadok Halevi, der Schwiegervater von Mosche Sachs. Koronel studierte in den sephardischen Jeschiwot in Jerusalem und stand in nahen Beziehungen zu den sephardischen Kreisen. Überhaupt waren die Beziehungen der west- und mitteleuropäischen jüdischen Einwanderer zu den sephardischen Gemeinden besser als zu den osteuropäischen. Viele Ehen wurden zwischen west- und mitteleuropäischen Einwanderern und sephardischen Juden geschlossen, und nicht wenige kleideten sich am Schabbat und Festtagen wie die sephardischen Juden. Einer der wichtigsten Vorsteher der Gemeinde war Rabbi Elieser Bergmann. Der in Heidenheim Geborene war der Verbindungsmann mit den jüdischen Gemeinden in Deutschland und Holland. Die Einwanderer und Gründer des "Kolel-Hod" waren junge Menschen, welche nach Erez- Israel kamen, um hier zu leben. Die meisten von ihnen hatten außer der traditionellen jüdischen Erziehung auch eine allgemeine Bildung. So z.B. Rabbi Schlomo Liebrecht. Er würde in Ratibor geboren, studierte einige Zeit an der Breslauer Universität und dann zwei Jahre an der berühmten Preßburger Jeschiwa. Danach lernte er das Buchbinderfach und wanderte nach Erez-Israel aus. Durch die Beherrschung verschiedener europäischer Sprachen waren sie die Verbindungsmänner zwischen dem Jischuw in Jerusalem und den verschiedenen Staaten und Konsulaten. So Rabbi Esriel Selig Hausdorf, in Myslowitz geboren, welcher nach einem einjährigen Aufenthalt in England, nach Erez- Israel kam. Im Jahre 1851 wurde er Dolmetscher beim österreichischen Konsulat in Jerusalem. Er war auch der, vom preußischen Konsulat in Jerusalem anerkannte, Vertreter der jüdischen Gemeinde in Jerusalem. Einer der interessantesten Vertreter dieser Gemeinde war Rabbi Jehosseph. Schwarz, der Verfasser des Buches "T'wuot Ha'arez" (Das Getreide des Landes). Er war der erste wissenschaftliche Forscher von Erez Israel. Die Gemeinde "Hod" hatte einen besonders konstruktiven Charakter. Zeugnis dafür legen die verschiedenen Projekte ab, die auf der Initiative ihrer Mitglieder beruhen. Die Wohnungsnot der vielen kinderreichen, jüdischen Familien war der Anlaß zur Gründung der "Bäte Machassee" Zufluchtshäuser (Obdachlosenasyle) durch "Kolel Hod". Dieses Projekt wurde insbesonders von religiösen Juden aus Deutschland unterstützt. Rabbiner Hildesheimer (Gründer des orthodoxen Rabbinerseminars in Berlin) war fast 40 Jahre Vorsitzender des Komitees für dieses Projekt. Diese "Bäte Machassee" waren für die damaligen Verhältnisse attraktive Wohnviertel. Sie trugen auch zur Annäherung zwischen den osteuropäischen Gemeinden ("Kolelim") und den jüdischen Einwanderern aus West- und Mitteleuropa bei. Zwei Drittel der "Bäte Machassee" waren für arme und kinderreiche Familien der ostjüdischen Gemeinden bestimmt. Die Vorsteher dieser Gemeinden, "P'kidim W'Amarcalim" (Beamte und Administratoren) genannt, bekamen jetzt engeren Kontakt mit "Kolel Hod". Dank dieser Zusammenarbeit wurde das Krankenhaus "Bikur Cholim" gegründet, welches unter dem offiziellen Schutz des deutschen Konsulates (von 1871) stand. Die verschiedenen Konsulate waren die Schutzherren der jüdischen Bevölkerung gegenüber den türkischen Behörden. So standen z.B. "Bäte Hamachssee" unter dem Schutz des Österreichischen Konsulats, weil der Vorsitzende des Zentralkomitees, Rabbiner Dr. Esriel Hildesheimer, bevor er in Berlin am Rabbinerseminar tätig war, als Rabbiner in Eisenstadt (Österreich) amtierte. Deutschland, Österreich, England und Amerika waren interessiert den jüdischen Jischuw zu unterstützen und so im Lande Fuß fassen zu können; als Gegengewicht zu Rußland, welche die Stütze der griechisch-orthodoxen Kirche war und zu Frankreich, der Schirmherr der katholischen Kirche. "Kolel Hod" war zahlenmäßig keine große Gemeinde, aber sie war der Anlaß für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des jüdischen Jischuw in Jerusalem im 19. Jarhrhundert. Zur Geschichte des Judentums in Schlesien (Fortsetzung von Seite 4) Adelsprädikat. Darüber hinaus wurde er in das Preußische Herrenhaus, die 1. Kammer im preußischen Landrat, berufen."(Konrad Fuchs) Friedrich der Große ist nach Selma Stern " -gegen seinen Willen zumeist - zum Wegbereiter der wirtschaftlichen, der kulturellen und damit auch der späteren politischen Emanzipation der Juden geworden." Nach dem Edikt von 1812 und der Verordnung die Verhältnisse der Juden betreffend (1847) konnte dieser langwierige Prozeß schließlich mit der preußischen Verfassung von 1850 "in der Hauptsache als beendigt angesehen werden, und auch der schlesische Jude, dessen Dasein ein halbes Jahrtausend vorher oftmals schwer bedroht war, konnte in der Provinz, die ihm zur Heimat geworden, als Bürger seinem Beruf nachgehen." Willy Cohn schrieb dies 1929 in seiner Einleitung zur Ausstellung "Das Judentum in der Geschichte Schlesiens", in der fast ein ganzes Jahrtausend der wechselvollen schlesischjüdischen Geschichte dokumentiert wurde. Weit über 500 Exponate aus den Beständen des zu diesem Zweck gegründeten Vereins "Jüdisches Museum Breslau" sowie aus Privatbesitz wurden ausgestellt. Die Sammlung umfaßte eine reichhaltige Auswahl u.a. an Handschriften, Drucken, Gemälden, Urkunden, Photographien und Kultgeräten und war Ausdruck nicht nur jüdischer, sondern auch betont deutscher Identität. Diese Haltung hatte sich auch bei der Teilung Oberschlesiens nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg gezeigt, als die jüdische Bevölkerung in großer Mehrzahl für den Verbleib Oberschlesiens bei Deutschland stimmte und nach der Teilung aus dem nun polnischen Ostoberschlesien abwanderte. Nur wenige Jahre später jedoch wurde das schlesische Judentum durch den Nationalsozialismus vernichtet.