Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1999
- Issue
- No. 67 (1999)
- Date
- 1999-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 1568)
- Language
- German
- Belongs to
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20 “Die Schlachtstaettcn geben ihre Geheimnisse preis“ (Fortsetzung von Seite 6) Eines der Graeber aehnelt dem Hinrichtungsgraben, der von der Belegschaft des Vernichtungslagers waehrend ihres Prozesses beschrieben wurde. Dort wurden alte und kranke Leute, die zu schwach waren um den Vernichtungsprozess ohne Hilfe durch zu machen, mit einem Genickschuss erledigt. Die Forscher foerderten auch andere Dinge zu Tage, so z.B., den Deckel einer silbernen Zigarettendose mit der Inschrift "Max Munk" und eine Adresse in Wien. Tragenza sagte, dass die Ausgrabungen bestaetigt haben, dass zwei Bahnsparten im Lager existierten.. Die Forscher konnten die Daten der verschieden grossen Graeber einigermassen festlegen, indem sie sie mit der Information ueber die Ankunft der verschiedenen Transporte verglichen. Das groesste, 70 auf 20 Meter, wurde annscheinend ausgehoben, um die Opfer eines grossen Transports von 150,000 180,000 Menschen aufzunehmen, die fast taeglich waehrend der Hauptsaison der Vergasungsoperation im August und September 1942 ankamen. Die Ueberreste von Baracken, die Fundamente des Lagergenerators und die Wohnraeume der ukrainischen Waechter wurden auch gefunden, aber viele andere Fragen bleiben offen, wie z.B. der genaue Ort des Eingangtors und der genaue Umfang des Lagers. Die beunruhigendste Tatsache, die durch die letzten Ausgrabungen bestaetigt wurde, ist, dass anfangs 1960 die kommunistischen Behoerden ein Erinnerungsfeld abgegrenzt haben und darauf Monumente errichtet haben ohne die originalen Dimensionen des Lagers zu beruecksichtigen. So schreibt Tregenza in seinem Bericht. "Die Monumente und Pfade wurden auf den Massengraebern errichtet. Der Umfang des augenblicklich eingezaeumten Platzes wurde verkleinert. Belzec ist ein schlagendes Beispiel fuer die kommunistische Verfaelschung der Geschichte“ so schreibt er. Juedische Besucher beklagten sich schon seit Jahren, dass die Stelle vernachlaessigt war, mit Unkraut ueberwachsen und mit Unrat uebersaeht. Sie sagten auch, dass das Denkmal unpassend sei und zerfalle. Die polnische Regierung und das Holocaust Museum hatten im letzten Jahr still ein Abkommen unterzeichnet, um ein neues Denkmal zu bauen und der polnische Ministerpraesident Jerzy Buzek bestaetigte waehrend eines Besuchs in Washington, dass der Bau im naechsten Jahr beginnen werde. "Der Bau wird in naechster Zukunft beginnen. Archaeologische Arbeit wird jetzt an diesem Platz geleistet und neue Entdeckungen werden systematisch erhoben" sagte Buzek den Reportern. Aber der Bau eines neuen Denkmals muss das Problem nicht unbedingt loesen. Tregenza berichtete, dass was er "Antisemitische Elemente" im Dorf von Belzec nannte, die Forschungen gestoert haben, indem sie menschliche Ueberreste auf dem Terrain verstreut haben und den aufgefundenen freigelegten Ziegel- und Zementkeller teilweise zerstoert haben. "Bestimmte antisemitische Mitglieder der Ortsbevoelkerung haben mich schon darueber informiert, dass ein Juedisches Museum in Belzec nicht lange bestehen wird" so berichtet Tregenza in seinem Bericht. (Jerusalem Post, 24.7.1998) (Fortsetzung von Seite 15) nächsten Besuch und zwar die Handwerkerschule der Aliance, von der ein Teil auch, wenn ich mich recht erinnere, von Rothschild errichtet ist. Hier lernen aus der Schule entlassene, ca. 15jährige Knaben, auch Männer, folgende Handwerke: In einem Saale wird in Ton und Holz modelliert, Dinge, die alsdann zur Möbelfabrikation verwendet werden; in einem anderen Saale sieht man von fleißigen Händen Möbel anfertigen und zusammenstellen, ein anderer Weg führt uns zur Schmiede und man sieht, wie schwere Eisenhämmer, von kräftigen Armen Palästinareise 1906 geschwungen, das glühende Metall bearbeiten. Für uns deutsche Juden ist es ein seltener und erhebender Anblick, daß hier Juden sich zu so einem schweren Handwerk ausbilden lassen und mit Eifer ihrer Ausbildung obliegen, also das Vorurteil entkräften, als wenn Juden zur schweren körperlichen Arbeit, ungeeignet oder nicht willig wären. Bei unserer Abfahrt hatten wir noch einmal den ganzen schlechten Eindruck des Bettlertums von Jerusalem. Während der Zug sich langsam in Bewegung setzte, umgaben Scharen von Bettlern die Eisenbahnwaggons und zankten sich um ein paar herausgeworfene Metaliks (Kupfermünzen von ca. 4 Pfennig Wert), nicht achtend, daß sie Gefahr liefen, unter die Räder zu kommen, einzig in ihrem gewohnheitsmäßigen Betteln aufgehend. Durch diesen letzten Eindruck verstärkt sich in uns das schmerzliche Gefühl; wir nehmen deshalb bewegt Abschied von Jerusalem, der einst so reichen und ruhmvollen Stadt; die Zionisten in unserer Gesellschaft in der Hoffnung, daß durch ihre Bestrebungen in greifbarer Nähe die Zeit kommen werde, wo ein kraftvolles jüdisches Reich die alte Herrlichkeit auferstehen lassen würde. Gedanken über Humanismus und Barbarei (Fortsetzung von Seite 2) verschiedenste Argumente dafür fanden, warum sich diese Mitfahrer, die sich als Zeugen eines Mordanschlages verweigerten, vollkommen korrekt und in Übereinstimmung mit ihren Interessen verhalten hätten. Fragen wurden diskutiert, wie "Warum soll man überhaupt einem Menschen helfen, der vor unseren Augen umgebracht wird? Warum läßt man es nicht einfach geschehen? Wo steht geschrieben, daß man all diese Untaten nicht geschehen lassen soll? Ist man mit diesem Wissen geboren oder woher hat man dieses Wissen?". Und plötzlich befinden wir uns ganz real und spannend in der Wertedebatte unserer Zeit. Die Schüler fanden heraus, daß es unsinnig wäre, davon auszugehen, daß Institutionen wie Elternhaus, Kirche, der Sportbereich u. a. den zivilen Konsens noch weitergeben. Daß aber keiner von allein wisse, was Recht und Unrecht, was gut oder böse sei. Es handle sich um gesellschaftliche Vereinbarungen, und die Gesellschaft sei inzwischen so selbstvergessen, daß sie nicht mehr wisse, was ziviler Konsens sei. Der Schriftsteller, der die Legitimität der Behandlung solch grundsätzlicher Fragen in der Schule bejahte, forderte Diskussionen über die Menschenrechte und ihre Entstehung. Er resümierte bitter:" Es ist verrückt zu glauben, daß man ein derartiges Thema aus der Schule heraushalten und es entweder den Kirchen oder dem "Gar Nichts" überlassen sollte. Eine derartige Gesellschaft ist verrückt." Ob sie verrückt ist, sei dahingestellt. Aber sie ist beunruhigend gleichgültig. Und es ist für Jugendliche heute schwieriger denn je, Antworten zu bekommen und glaubwürdige Maßstäbe für humanes Verhalten. ("Die Mahnung", 1.3.1999)