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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1999-01-01 · No. 67 (1999) · p. Seite 19

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1999
Issue
No. 67 (1999)
Date
1999-01-01
Page
Seite 19 (sequence 1567)
Language
German
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über die Emanzipation Ein Besuch aus der Vergangenheit Deutschland 1998. Ein amerikanischer Mann besucht eine Stadt. Berühmt wurde diese Stadt im Dritten Reich durch das in der Nähe liegende KZ, das auch nach dem Namen dieser Stadt benannt worden war. Der Mann suchte eine bestimmte Straße auf und ein bestimmtes Haus in dieser Straße. Nach einigen Erkundungen fand er beides. Er ging auf das Haus zu, begab sich auf die gegenüberliegende Seite der Straße, um das Haus zu betrachten. Nach einigen Minuten ging er auf das Haus zu und klingelte. Erst kam niemand, um die Tür zu öffnen: der Mann klingelte noch einmal; dieses Mal wurde die Tür geöffnet. Im Eingang stand ein Mann, etwa 75 Jahre alt. Der Besucher sprach den Mann in etwas gebrochenem Deutsch an und sagte, er sei Amerikaner und wäre in diese Stadt gekommen im Auftrag eines amerikanischen Magazins, um einen Artikel über diese Stadt und das naheliegende KZ, das heute eine Gedenkstätte ist, zu schreiben. Erfragte den Mann an der Tür, ob er bereit wäre, ihm einige Fragen zu beantworten. "Nein", erwiderte der Mann, er könne ihm über diese Zeit überhaupt keine Auskunft geben, da er die meiste Zeit des Krieges in der Armee außerhalb Deutschlands verbracht habe. Der Besucher aber fragte weiter, ob er ihm etwas über die damaligen sogenannten Zwangsarbeiter sagen könne. Der Mann an der Tür antwortete jetzt ein wenig ungeduldig: "Ich sagte schon, über diese Zeit weiß ich gar nichts". Der Besucher steckte sein Notizbuch und seinen Kugelschreiber, den er bis jetzt in der Hand hielt, langsam in seine Tasche, sah dem Mann in die Augen und sagte: "An dem Bau dieses Hauses waren ich und meine Kameraden beteiligt. Diese Steine (und damit zeigte er auf das Fundament des Hauses) haben meine Kameraden und ich herangeschleppt." Weiter erzählte er, das Haus wurde für einen SS-Offizier gebaut, der im naheliegenden KZ tätig war. Mit einem klaren Blick und in einem plötzlich einwandfreien Deutsch sagte er: "Und Sie, Sie sind dieser SS-Mann". Der Besucher drehte sich um, warf noch einen Blick zurück und ging seines Weges. Zurück blieb hoffentlich ein Mann, dessen Nächte vielleicht nicht mehr so friedlich sein werden und die Wände des Hauses nicht mehr die Ruhe ausstrahlen wie alle die Jahre zuvor. Heinz Kallmann (“Die Mahnung, Nr.6, 1.6.1999) Zeichne, was Du siehst Zeichnungen eines Kindes aus Theresienstadt Im November 1995 gingen Lehrerinnen und Lehrer aus Niedersachsen auf Spurensuche der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft in Prag und Theresienstadt und waren so beeindruckt, daß die Vergangenheit sie nicht mehr losließ. Sie gründeten den Niedersächsischen Verein zur Förderung von Theresienstadt/Teresin e.V., und es gelang ihnen, die Künstlerin Helga Weissova, die sie im Zuge der Spurensuche getroffen hatten, davon zu überzeugen, ihre Zeichnungen, die sie als Kind in Theresienstadt gemalt hatte und die sie jahrzehntelang zu Hause aufbewahrt hatte, öffentlich auszustellen. Daraus wurde eine Wanderausstellung, die in Berlin im Rathaus Schöneberg leider nur einen Monat, im Februar 1999, zu sehen war - dank des Engagements der Kunstamtsleiterin Katharina Kaiser und der Unterstützung durch das Haus am Kleistpark, das zusammen mit der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz die Organisation in Berlin übernommen hatte. Bei der Aussteilungseröffnung gab Schulsenatorin Ingrid Stahmer ihrem Bedauern Ausdruck, daß zudem noch die Hälfte des Zeitraums auf die Winterferien fiele und deshalb für den Besuch durch Schulklassen ein zu kurzer Zeitraum zur Verfügung stünde - das ist wirklich schade, und es bleibt zu hoffen, daß es gelingt, diese Ausstellung noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht etwas länger nach Berlin zu holen. Denn der beeindruckende Einblick in das Leben in Theresienstadt aus der Sicht einer Zwölfjährigen bietet einen exzellenten pädagogishen Einstieg in die Diskussion über die Judenverfolgung im Nationalsozialismus - und alle sich daraus ergebenden Konsequenzen. Das persönliche Schicksal der Betroffenen steht dabei im Vordergrund, und auch die Zuspitzung der Situation nach Aufgabe des normalen Lebens - am Anfang steht das "Verzeichnis der Habseligkeiten" (4.1.1943) - ist deutlich zu verfolgen. Die Zeichnungen zeugen nicht nur vom Talent der Künstlerin, die seit Kriegsende in Prag lebt, sie dokumentieren auch die Troslosigkeit des Lagerlebens und die Träume von einer besseren Zukunft. Diese Hoffnung wurde nicht so schnell erfüllt. Es gelang zwar, einige Bilder aus dem Ghetto herauszuschmuggeln, Helga selbst wurde jedoch 1944 zusammen mit ihrer Mutter nach Auschwitz deportiert.. Was sie dort gesehen hat, hat sie in einer 1945/46 entstandenen Bildserie festgehalten, deren Schrecken sich deutlich von den dagegen fast idyllisch wirkenden Bildern aus Theresienstadt abhebt: Der Tod hat die Träume eingeholt und sie ersetzt. Nikoline Hansen ("Die Mahnung", 1.3.1999) Im "Almanach des Schocken Verlags auf das Jahr 5699", Berlin 1938/39, eines der letzten Bücher jüdischen Inhalts, das seinerzeit noch in Deutschland erschienen ist, werden zwei Briefe von S.D. Luzzatto, Triest/Padua, der als Begründer der modernen Wissenschaft des Judentums vorgestellt wird, zitiert, übersetzt von Max Wiener und angekündigt, daß eine weitere Auswahl "demnächst in der Bücherei des Schocken Verlages erscheinen" soll. Pläne und Vorhaben, die durch die November Ereignisse jenen Jahres nicht verwirklicht werden konnten. Samuel David Luzzatto, 1800-1860, war Lehrer am College Rabbinico in Padua. Aus seinen vielen Briefen bringt der Vorabdruck die Übersetzung von zwei Briefen, die sich mit der aufkommenden Emanzipation und Assimilation der Juden in Deutschland beschäftigten. Der italienische Brief ist in Padua am 29.1.1837 geschrieben, er war an R. Randegger, Triest adressiert. In beinahe prophetischen, drohenden Mahnworten wird das Schicksal des deutschen Judentums beschrieben: Nach mehr als 150 Jahren liest sich der Brief wie ein abschließender Bericht, und .das ist sicherlich einer der Gründe, daß er im Herbst 1938 veröffentlicht wurde: "... in der Tat haben manche Juden, und ganz besonders in Deutschland, die Verteidigung ihrer Rechte in einer Weise aufgenommen, daß sie den Standpunkt vertreten, der Jude sei Mensch schlechthin. Keiner hat meines Wissens dabei jenes hochherzige nationale Selbstgefühl gezeigt, kraft dessen eine jede Nation auf den eigenen Ursprung und Namen stolz ist. Es ist seltsam, wie die Juden, da sie von der Gunst der Zeiten emporgehoben werden und aus einem verworfenen und geächteten Stamm zu freien Menschen werden, zugleich den eigenen Stolz verlieren und zu Anbetern und knechtischen Nachahmern der anderen Völker werden, Kultur und Sprache, Namen und Glauben preisgeben...." Der Inhalt der Worte kann und soll auch die Nachfahren zum Nachdenken, zum Überdenken anregen.... -hwg-

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