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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1999-01-01 · No. 67 (1999) · p. Seite 15

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1999
Issue
No. 67 (1999)
Date
1999-01-01
Page
Seite 15 (sequence 1563)
Language
German
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Palästinareise 1906 (Fortsetzung von Seite 14) Bald bringt uns der Wagen nach Bethlehem, wo fast die ganze Bevölkerung christlich ist, nur 1 Jude und einige Mohammedaner sollen dort wohnen. Die Frauen tragen die landesübliche arabische Gewandung, unterscheiden sich aber durch ein, sofort in die Augen fallendes höheres Kopftuch von der arabischen mohammedanischen Bevölkerung. Unzählige Kinder umschwärmen die Wagen und suchen durch Ansingen von christlichen Liedern etc. einen Backschisch zu erhalten. Bethlehem ist die Gebursstadt König Davids und sehen wir das Geburtshaus desselben von Ferne. Wir betreten zunächst die Geburtskirche Christi's, die 340 n.Chr. von Constantin gebaut worden ist. Sie ist in drei Teile geteilt und werden diese von den armenisch, griechisch und römisch katholischen streng auseinandergehalten, und bilden häufig den Anlaß zu Streitigkeiten, weshalb Militärwachen innerhalb der Kirche dafür sorgen, daß keine der Parteien ihre Grenzen überschreiten. Eine Treppe führt uns hinunter zur Geburtsgrotte, die allen drei Konfessionsrichtungen gehört, zur Krippe, die Franziskaner-katholisch ist, ein Raum, der voller brennender Öllampen ist, von denen die einen den Armeniern, die anderen den Franziskanern und die dritte den griechischkatholischen gehört und streng bewacht werden. Von dort begeben wir uns zur Milchgrotte, von Franziskanern erbaut. An dieser Stelle beten Frauen darum, ihre Kinder auf natürliche Weise ernähren zu können, der Grund, dies an dieser Stelle zu tun, ist durch eine christliche Überlieferung begründet. Wir gehen weiter und kommen zum Feld des Boas und zum Stern von Bethlehem (christliche Geschichte). Ein enormer Fremdenverkehr ist an all diesen Orten und zu gleicher Zeit war der Prinz von Orleans anwesend. Massenhaft Geschäfte, die nur auf den Fremdenverkehr zugeschnitten sind, leider sehr unreell, sind vorhanden und kann man unbehelligt nicht über die Straße gehen. Von Bethlehem geht es in 3/4stündiger Fahrt nach Hause... Der Weg führt uns weiter, An vielen Aussätzigen vorbei, deren Krankheit darin besteht, daß ihnen Gliedmaßen abfallen, schrecklich anzusehen, und die, anstatt in Spitälern untergebracht zu sein, mit Eimern in der Hand oder auf die Erde gestellt, jämmerlich um Backschisch bitten. In weitem Bogen muß man um diese Leute herumgehen, weil eine Berührung die Ansteckung zur Folge haben kann.... mmmmfmmfSMsiasmssmmmsssmmmKisxmmimimsfimimisit Weiterhin sehen wir Wohnungen von Juden, zu denen man tief hinunter steigen muß; ein einziger, winzig kleiner Raum, ganz aus Steinen gebaut, bietet immer für eine ganze Familie Unterkunft. Es ist geradezu schrecklich zu sehen, wie eng und schlecht diese Leute wohnen müssen. Alsdann kommen wir in die Judengasse, wo viele Juden ihre Geschäfte haben und bleiben wir vor einem Laden stehen, dessen Besitzer ein reicher Weingroßkaufmann ist, dessen Geschäftslokal aber sehr ärmlich aussieht und nicht einmal ein Fenster hat, sondern nur von der engen Gasse aus Licht erhält. Weitergehend kommen wir an einer Reihe von jüdischen Friseurgeschäften (ganz eng) vorbei, die gerade viel zu tun haben, da es Freitag Nachmittag ist, und sich die Leute zum Sonnabend schön machen wollen. Die abgeschnittenen Haare werden einfach auf die Straße geworfen, was natürlich den schlechten Eindruck der Straße nur noch verschlechtert. Weiter hinauf kommen wir in ein großes Gebäude, das jetzt das geistliche Gericht von Jerusalem beherbergt, einst für das Synhedrium bestimmt war. Hier stehen wir an der Schwelle des Tempelplatzes, auf dem einst der Tempel gestanden, und jetzt die Omar Moschee steht. Wir betreten denselben aus religiösen Gründen nicht. Von einem Fenster des Gebäudes sehen wir auf die Klagemauer. Weiter gehen wir von dort aus durch die via dolorosa an den 14 Stationen vorbei zur Klagemauer und treffen zur interessantesten Zeit, nämlich Freitag Nachmittag zur Mincha Zeit, dort ein. Das Bild ist sehr interessant. Einzelne Frauen stehen da tieferschüttert und weinend; man sieht ihnen die innere Erregung an, daß sie um irgend etwas inbrünstig bitten, an die Mauer gelehnt. Viele Gruppen bilden sich, die unter Anführung eines Vorbeters, der sehr laut betet, mit großer Bewegung des Körpers ihre Gebete verrichten. Die Kleidung ist so, wie die spanischen Juden früher gekleidet gegangen sind, also auch im Hochsommer mit Pelzbarett und langem, schweren, weiten lila oder blauen Samtmantel. Der Ritus ist zum Teil askenasisch, zum Teil sfardisch und stehen die einzelnen Gruppen längs der Mauer ohne besondere Abteilung. Das Gefühl ist interessant zu wissen, daß die gesamte Judenheit um ungefähr diese Zeit gerade nach dieser Stelle hin gewendet, ihre Gebete verrichtet. Nach einem sehr opulenten Mahle bei Direktor Cohn, Direktor von der Laemel Schule (seiner Frau geb. Kaminitz, in Begleitung von Herrn und Frau Oschinsky, Lutz Oschinsky, Herrn Stadtrat Wiener und Frl. Tochter Lotty) begeben wir uns zum Bezalel, der von den Zionisten neu eingerichteten Kunstgewerbeschule. Diese Schule ist erst im Entstehen begriffen, vorläufig ist nur der schlafende Messias, eine kolossale Gipsfigur zu sehen, über deren Wert und Auffassung die Meinung unserer Gesellschaft sehr auseinander gingen. Auch die jüdische National Bibliothek, die sehr umfangreich ist und später im Zionistischen Staate eine große Rolle spielen soll, statteten wir einen Besuch ab. Nachher besuchten wir das deutsche Hospital Schare Zedek, ein sehr großer, sauberer Bau; die Zimmer sind mit Marmor und polierten Steinen ausgelegt, zur besseren hygienischen Reinhaltung der Anstalt. Dieselbe hat auch eine eigene Apotheke, hat Platz für 80 Betten, jedoch nur die Mittel für 30 Betten, sodaß nur 30 Betten belegt sind. Das Institut wird von wohltätigen Bettstiftungen und Anderen, Ludwig Wittenberg, Breslau und zum großen Teil von Frankfurtern Dr. Israel Roos etc. unterhalten. Natürlich sind die Einrichtungen nur im Verhältnis zu anderen als sehr gute zu bezeichnen und ist natürlich nicht mit europäischen, z.B. unserem jüdischen Krankenhaus zu vergleichen. Auch mangelt es dort an Wasser und muß deshalb Cisternen- Wasser verwendet werden, wie überhaupt ganz Jerusalem Cisternen-Wasser trinkt. Sonntag Vormittag besichtigen wir die Eveline de Rothschild Mädchenschule. In dieser herrscht unter der Leitung einer tatkräftigen Direktorin und guten Lehrerinnen eine musterhafte Ordnung und Sauberkeit. Alles ist streng geregelt, z.B. tritt nach jeder Stunde 1/4 Stunde Pause ein und die Mädchen gehen im militärischen Schritt in den Schulhof, begleitet von dem taktmäßigen Gesänge (sehr gefühlvolles hebräisches Lied) der Schülerinnen der oberen Klassen. Die Schule hat ca. 500 Schülerinnen, die, wo es Not tut, auch verpflegt werden, und außer dem Unterricht im Schreiben, Rechnen, Lesen und verschiedenen Sprachen sowie in den Umgangssprachen hebräisch und englisch, werden sie auch im Sticken und zu Modistinnen ausgebildet, sodaß intelligente, entlassene Schülerinnen sich sehr gut weiterheifen können. Abends wurden uns zu Ehren Vorträge von den Schülerinnen gehalten. Von dort aus fuhren wir zur Aliance-Schule, die ebenso wie die anderen Aliance-Schulen sehr gut geleitet ist und eine sehr große Anzahl Schüler hat, ca. 500-600. Eine besondere und sehr beachtenswerte Anstalt bildete den (Fortsetzung auf Seite 20)

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