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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1999-01-01 · No. 67 (1999) · p. Seite 14

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1999
Issue
No. 67 (1999)
Date
1999-01-01
Page
Seite 14 (sequence 1562)
Language
German
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14 Palästinareise 1906 Reise nach dem Orient - 7.2.1906-22.3.1906 (Aus dem Reisetagebuch von Herrn Siegfried Freudenthal s.A.) Siegfried Freudenthal wurde 1877 in Breslau geboren. Er selbst wie auch sein Bruder Alfred waren Vorsteher in der Storch-Synagoge in Breslau, sowie auch in der Chewra Kadischa tätig. Jede Woche gaben die Brüder Freudenthal am Schabbat nach der Synagoge einen Kiddusch für alle Synagogenbesucher. 1934 gingen sie nach Erez-Israel und Siegfried Freudenthal lebte bis zu seinem Ende (1960) in Jerusalem. In Jerusalem gehörte er zu den Gründern der Chewra Kadischa."Kehilat Jerushalajim". 1906 unternahm er eine Mittelmeerreise, in deren Rahmen er auch Jerusalem besuchte. Die folgenden Zeilen sind ein kleiner Abschnitt aus seinem Tagebuch. Wir danken Herrn Gideon Freudenthal für die Erlaubnis, sie zu veröffentlichen. Abfahrt Mittag von Jaffa an enormen Orangerien mit massenhaft, enorm großen Apfelsinen vorbei, aber nur kurze Zeit, dann fährt die Eisenbahn nur durch ganz steiniges Gebirge bis Jerusalem hoch, also 700 m Steigung. Man kommt bei Bettir vorbei, wo Bar Kochba 3 Jahre mit den Römern gekämpft hat und 1 Million Juden und mindestens so viel Römer gefallen sind. Die Kämpfe sind sehr erbittert gewesen und soviel Blut soll geflossen sein, daß dasselbe bis zum Mittelmeer geflossen sei, also 10 Meilen. Man begegnet vielen Höhlen, an die die Geschichte anknüpft, ebenso Bergen und Festungen. Endlich hat die Bahn Jerusalem erreicht. Wir besteigen die Wagen und fahren zum Hotel Central, Inhaber: (?)....dursky. Von derTerasse dieses Hotels hat man Aussicht auf ganz Jerusalem. Direkt davor befindet sich der Har Hamoria, (der Moria Berg) mit der prächtigen Omar Moschee, die zu besuchen frommen Juden verboten ist, weil an dieser Stelle der Tempel mit dem Allerheiligsten, das gewöhnliche Juden nicht betreten durften, gestanden hat... Mit wehmütigen Empfindungen, Tränen in den Augen, steht man an den Trümmern unserer einstigen Größe und sieht in dem Untergang Zions die starke Hand Gottes, die es ermöglichte, eine von Natur und Kunst aus kolossal befestigte Stadt, da alles auf Bergen liegt, so in Trümmer zerfallen und zerstören zu lassen. Am Donnerstag, den 1. März, Ausflug nach Jericho und dem toten Meere, sonst in 1 1/2 Tagen, wir machen es in 1 Tage, weil wir extra Wagen mit frischen Pferden zur Rückfahrt nach Jericho erhalten. Der Weg führt am Damaskus Tor und dem französischen Hospiz vorbei, am Ölberg entlang und zeigt uns den rückwärtigen Teil von Jerusalem, die Friedhöfe der Frommen, neue jüdische und christliche Friedhöfe, weiterhin geht die gute Chaussee in Schlangenlinien steil bergab, interessante Gebirsfelspartien eröffnen eine schöne Aussicht. Wir folgen eine Zeit lang dem schäumenden Bache Krid, der tief unter uns, in einer tiefen Schlucht dahinrauscht, kommen an die Stelle, wo sich Prophet Elijahu vor König Ahab verbarg und jetzt an dieser schwer zugänglichen Stelle (mitten am Abhang eines steilen hohen Felsen, unter dem Bache Krid) ein Kloster errichtet ist zur strafweisen Versetzung für griechische Geistliche. Ein Stück weiter gelangen wir an ein Trappistenkloster, das wie an einen Felsen angeklebt zu sein scheint. Hier ist die Stelle, wo Josua nach der Erstürmung Jerichos den Bann über den ausgesprochen hat, der sich ungerechtfertigterweise das, bei der Zerstörung Jerichos angeeignete Gut behalten hat. (Quaraentenberg, wo sich Christus verbarg.) Wir lassen vorläufig Jericho links liegen und fahren direkt zum Toten Meer. Schon weite Strecken vorher merken wir dessen Nähe aus dem, mit Salzkrusten überzogenen Sandboden. Die ganze Strecke über wächst nichts, nur Sand und einige kleine Sträucher sind zu sehen. So geht der Weg etwa 3/4 Stunden, bis wir das Tote Meer erreichen. Eine enorme Hitze und massenhaft Fliegen haben uns schon auf dem letzten Teile der Fahrt geplagt. Die Gesichtshaut brennt und schmerzt und liegt das an dem Salzgehalt der Luft, verbunden mit der großen, durch die tiefe Lage (400 m unter dem Meeresspiegel) hervorgerufene Hitze. Endlich sind wir da. Der Jordan bietet hier einen anderen Anblick dar, als man erwartet, nur schmutziges, schlammiges Wasser, Binsen sind bis in die Mitte des Flußbettes gewachsen. Eine Überfähre steht zur Benutzung des Publikums bereit, das von einem Schiffer hinüber und herübergestoßen wird, er also den ganzen Fluß durchwatet. Es ist Brauch, daß Christen von hier, als der Taufstelle, sich eine Blechkanne Wasser füllen. (Diese Kannen erhält man auf dem Wege massenhaft angeboten). Vom Jordan fuhren wir nach Jericho, das einen sehr enttäuscht, wenn man auch nur annähernd seine frühere Bedeutung und Größe im Auge hat. Nichts als einige sehr armselige Fellachen- Häuser resp. Hütten, also das ärmste Arabervolk, mit etwa 300 Bewohnern und einigen Hotels, die auf den sehr starken Fremdenbesuch rechnen, ist das einzige, was von Jericho übriggeblieben ist. Zur Beleuchtung des Fremdenverkehrs will ich anführen, daß wir ca. 30 Wagen, die auf der Rückfahrt begriffen waren, begegneten und außerdem sich zur gleichen Zeit etwa 40 Wagen am Jordan mit uns trafen. Unser Zug wurde zur größeren Sicherheit von 2, bis an die Zähne bewaffneten Beduinen begleitet, und außerdem nahmen wir uns einen höheren Polizei-Offizier mit, der uns auch später in Jerusalem begleitete, weil die christliche Bevölkerung einem größeren Trupp jüdischer Reisender, namentlich in Bethlehem beim Besuch der Kirchen, manchmal Schwierigkeiten bereiten soll. Obwohl wir von Jericho aus neue und gute Pferde hatten, müssen wir zeitweise, weil der Weg zu steil ist, aussteigen und gehen, am vorletzten Teile sogar fast 3/4 Stunden, was aber nicht unangenehm war, da heller Mondschein. Um 10 Uhr kehren wir nach Jerusalem zurück. Freitag Vormittag Fahrt zu Rahels Grab und Bethlehem. Aus Jerusalem hinaus, kommt man am Gehinnom (Hölle) Thal und Kidron Thal vorbei, sieht von Ferne die Höhe von Asasel, von der aus seiner Zeit der Sündenbock in die Wüste geschickt, resp. gestürzt wurde und kommen nach halbstündiger Fahrt zum Grabe Rahels, das von Montefiore gekauft und als Monumentalbau ausgebaut wurde. Die Stelle gibt Anlaß, inbrünstigen Herzens für das Wohl seiner Angehörigen zu beten und werden auch dort Jahrzeit-Öllämpchen angebrannt. Viele verrichten hier ein Gebet und sagen Kaddisch oder lassen einenMischebeirach machen. Als Unfug ist es vielleicht zu bezeichnen, wenn manche Briefe an Rahei richten, um diese oder jenes darin zu erbitten, und die Schriftstücke oben auf den Sockel des Grabes legen. Vielfach werden diese dann weggenommen und bilden so den Anlaß zu Spöttereien, die an so einem ernsten Orte gewiß unangebracht sind. (Fortsetzung auf Seite 15)

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