Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1999
- Issue
- No. 67 (1999)
- Date
- 1999-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 1560)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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12 Sie wirken in einer Gemeinde, die einen historischen Namen besitzt (Fortsetzung von Seite 11) ' Franz D. Lucas schrieb er am 30. Oktober 1945: "Mit Ihren Eitern war ich in Theresienstadt viel zusammen, und ich war bemüht, soweit es in meinen Kräften stand, ihnen zur Seite zu stehen. Ihr Herr Vater war, wie fast alle im Lager, von Krankheiten heimgesucht, aber er hatte sie zuerst immer überwunden. Er blieb geistig rege und frisch und hat durch Vorträge, die er den Kranken in den Krankenhäusern hielt, Aufrichtung geschenkt....Es war für mich ein tiefer Schmerz, daß er dann einer Lungenentzündung erlag. Sein Bild bleibt mir in treuer Erinnerung. Ihre Frau Mutter hat in Theresienstadt Tapferkeit bewahrt. Wie sehr sie ihrem Mann eine unermüdliche Helferin war, brauche ich Ihnen nicht zu sagen. Aber sie hat auch für andere viel geleistet. Sie war als Krankenschwester beschäftigt und hat sich in dieser Aufgabe sehr bewährt. Zu meinem tiefen Bedauern ist sie dann im Oktober 44 nach dem Osten gebracht worden. Es wurden damals 18000 aus Theresienstadt dorthin gebracht. Aber es besteht die Hoffnung, daß vielleicht doch eines Tages eine gute Nachricht über ihr Ergehen von dort kommt". Zu dieser Zeit wußten beide noch nicht, daß Dorothea Lucas bereits ermordet worden war. Ich konnte hier nur eine "Annäherung“ an die jüdische Gemeinde der Stadt Glogau und ihren letzten Rabbiner versuchen. Heute leben in Glogau andere Menschen, die ihre eigene Geschichte schreiben, Menschen und Ort auf ihre Weise miteinander verbinden werden. Die alte Geschichte und die Personen, die sie gemacht haben, sind deswegen nicht vergessen, an sie wird weiter gedacht. Erinnert wird in Marburg an den letzten Rabbiner von Glogau, indem eine Straße nach ihm benannt und auf dem jüdischen Friedhof ein Gedenkstein errichtet wurde; zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde in Glogau, dort wo einst eine der schönsten Synagogen Deutschlands stand, steht seit einigen Jahren ein Monument innerhalb einer Parkanlage. Zu Ehren von Leopold Lucas wurde 1973 an der Tübinger Universität die Dr. Leopold-Lucas-Stiftung gegründet, mit dem ausschließlichen und unmittelbaren Zweck, alljährlich "den Leopold- Lucas-Preis zu verleihen für hervorragende, durch entsprechende Veröffentlichung ausgewiesene Arbeit auf dem Gebiet der Theologie, der Geistesgeschichte., Geschichtsforschung oder Philosophie. Dabei ist ein Werk, das zur Förderung der Beziehungen zwischen Menschen und Völkern wesentlich beiträgt, besonders zu berücksichtigen". XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX Jüdisches Kunstgewerbe in Breslau Jüdische Kanstge wer bestübe von Frau Rosa Freudenthal s.fi. in Breslau (1925-1933) mm j gm in» v / w ’//■ mm w . r - n il V» 4 J V* Vor einigen Jahren veröffentlichten wir in unseren "Mitteilungen" (No. 53) einen Artikel von unserem ehemaligen Vorsitzenden Dr. Richard Prager s.A. über ein "Sukka-Modell aus Breslau". Dieser Modellierbogen stammte aus der jüdischen Kunstgewerbeschule von Frau Rosa Freudenthal s.A. aus Breslau. Die Enkeltochter von Frau Rosa Freudenthal s.A., Frau Aviva Schmelzinger aus Jerusalem, nachdem sie diesen Artikel gesehen hatte, erzählte bei einem Interview dem Redakteur unserer "Mitteilungen", daß ihre Großmutter von 1925 - 1933 auf der Goethestraße 11, Breslau, eine Kunstgewerbestube betrieb, in welcher hebräische Kinderspiele und verschiedene Ritualien hergestellt wurden. Das war eine wirkliche Pionierarbeit, jüdische Kinder (viele von ihnen wuchsen in assimilierten Häusern auf) mit dem jüdischen Brauchtum vertraut zu machen. Wir erinnern uns an die "Wunschbogen" vor Rosch-Haschana, welche in den Geschäften von Frieda Horowitz und Jakow Brandeis verkauft wurden, auf denen Kinder Glückwünsche zum Neuen Jahr an Eltern und Verwandte schrieben. Die Graphikerin Ruth Hoffmann war bei den Entwürfen dieser Arbeiten beteiligt. Die Fähnchen, welche für Kinder für Simchat Thora hergestelit wurden, fanden in vielen Gemeinden in der ganzen Welt Absatz. Ein Exemplar des Sukkamodels, sowie viele andere Erzeugnisse von Frau Rosa Freundenthal, wurden von ihrem Sohn vor vielen Jahren dem Jugendpavillion des Israel Museums gestiftet. Wie Dr. Prager in seinem Artikel ("Mitteilungen" No.53) damals schrieb, ist ein "Laubhütten Modellierbogen" aus der Kunstgewerbestube von Frau Freudenthal s.A. in das Germanische Museum in Nürnberg gelangt. Der Direktor desselben schrieb an Frau Schmelzinger, daß er diese kleine Sukka bei einem Antiquitätenhändler für das Museum erworben habe. Die "Jüdische Kunstgewerbestube" von Frau Rosa Freudenthal s.A. ist eine der jüdischen Institutionen, durch welche sich die ruhmreiche jüdische Gemeinde Breslau auszeichnete. M.E.H.