Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1999
- Issue
- No. 66 (1999)
- Date
- 1999-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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23 Vorrang für Nazigold j Wurde der Retter vieler Juden, Raoal Wallenberg, geopfert? ] Im Herbst vergangenen Jahres gab es in Straßburg eine große Feier. Im Gebäude des ' Europarates würdigte Ratspräsident Miguel Angel Martinez zwei Männer, die sich persönlich für Menschenrechte eingesetzt haben. Es j waren der russische DUMA-Abgeordnete und Menschenrechtsbeauftragte von Boris Jelzin, Sergej Kowaljow, sowie der Schwede Raoul Wallenberg. Während Kowaljow den Menschenrechtspreis der Staatenorganisation; persönlich in Empfang nehmen konnte, war für j Raoul Wallenberg dessen Halbbruder Guy von { Dardel aus Stockholm angereist. Wallenberg j ist nämlich seit dem 17. Januar 1945 J verschollen. Damals hatte ihn eine sowjetische ' Militärstreife im soeben von den Nazis befreiten Budapest abgeholt. Seitdem gilt er als verschollen, während Moskau behauptet, er sei 1947 in einem Moskauer Gefängnis an j Herzschwäche gestorben. Beweise dafür hat I der Kreml freilich bis heute nicht vorgelegt. Wallenberg, 1912 in Stockholm geboren, war ] erfolgreicher Sportler und im Jahre 1947 34 I Jahre jung. Ein überraschender Herztod ' erscheint ziemlich unwahrscheinlich. Im Sommer 1944 war er auf Bitten einer amerikanischen Delegation nach Budapest gereist, um so viele Juden wie möglich vor j Auschwitz zu retten. Die jüdische Gemeinschaft in der ungarischen Hauptstadt stand damals kurz vor der Auslöschung. Adolf Eichmann war j persönlich angereist, um die "Endlösung" zu j leiten. Wallenberg mietete zahlreiche Gebäude, hißte die schwedische Flagge und verteilte Tausende von paßähnlichen Papieren, i "Schutzpässen". Sie bescheinigten den Inhabern, unter schwedischem Schutz zu stehen und in Kürze nach Schweden auszureisen. Auf diese Weise hat Raoul Wallenberg vermutlich um die 100.000 Kinder, Frauen und Männer vor den Gaskammern bewahrt. Der Kreml-Führung mußte dieser Mann verdächtig sein, weil er unter Eichmanns Augen frei schalten und walten durfte. Sie vermuteten in ihm wahrscheinlich einen Doppelspion, dessen Kenntnisse sie sich nicht entgehen lassen wollten. Während bei einem internationalen Wallenberg- Kongreß Mitte Januar 1981 in Stockholm noch nichts über die Rolle der Familie Wallenberg während der Nazi-Zeit bekannt war, geraten seit der Diskussion um Nazi-Gold in der Schweiz immer mehr Staaten und Familien ins Zwielicht. Das gilt nicht zuletzt für den Wallenberg-Clan, wahrscheinlich die reichste schwedische Sippe. Wie eng schwedische Konzerne, Zechen und Banken mit der NS-Rüstungsindustrie zusammengearbeitet haben, kommt erst jetzt tröpfchenweise ans Licht. Damit wird auch immer begreiflicher, warum der mächtige Konzern sich nie vehement und öffentlich für Raoul Wallenberg engagiert hat. Er fürchtete vermutlich, falls er die Kreml-Führung wegen Wallenberg öffentlich anklagte, selbst an den Pranger gestellt zu werden - wegen der Geschäfte mit den Nazis. Wohl deshalb schweigt man bis heute. Dabei gibt es über die Wallenbergs eine Menge zu erzählen, wie nicht zuletzt die Tageszeitung "Dagens Nyheter" in Serien enthüllt. Am schwersten wiegt wohl der Vorwurf, Schweden habe trotz der Warnung aus Washington, deutsches Edelmetall sei geraubt oder stamme aus den Gebissen ermordeter Juden, seine Geschäfte mit Berlin weiter intensiviert. Es gibt Zahlen, die das belegen. Schweden war für die Nazis aus mehreren Gründen ein wichtiger Partner. Die Reichsbank und die Wirtschaft brauchten schwedische Banken, um Gold zu waschen und dafür schwedische Kronen zu bekommen. Selbst nach der Niederlage in Stalingrad empfahl die Regierung in Stockholm den Banken, weiter Gold aus Deutschland zu kaufen. Chef der größten Bank, der Enskilda- Banken, war Jakob Wallenberg. Zusammen mit seinem Bruder nutzte er die Kontakte zur schwedischen Reichsbank, um sie zum Kauf deutschen Goldes zu bewegen - allein 1943 für immerhin 35 Millionen Kronen. Sogar Ende 1944 sollen die Wallenberg-Brüder versucht haben, die Reichsbank zu weiteren Goldkäufen aus Deutschland zu überreden. Neue Enthüllungen stehen ins Haus. Parlament und Regierung in Stockholm haben eine unabhängige Untersuchungskommission eingesetzt, der alle einschlägigen Dokumente zu Verfügung stehen. Schon jetzt gibt es Hinweise darauf, daß man bereits 1940 wußte, woher ein erheblicher Teil des Goldes aus Deutschland stammte: Aus den Staatsbanken in Den Haag und Brüssel, die kurz zuvor von den Nazis geplündert worden waren. Die Wa 11 enberg-Fami I i e, der auch Wertpapiergeschäfte mit den Nazis unterstellt werden, weigert sich derzeit noch, ihre Archive zu öffnen. Sollte es soweit kommen, dann darf man gespannt darauf sein, ob in der Konzernspitze irgendwann die Möglichkeit erörtert worden ist, wegen des Schicksals von Raoul Wallenberg in Moskau zu intervenieren und wenn ja, mit welcher Begründung das unterblieben ist. Immerhin ist dieser Wallenberg zum Staatsbürger ehrenhalber der USA gemacht worden, damit Washington eine juristische Handhabe bekam, sich für ihn einzusetzen. Heiner Lichtenstein "Die Mahnung", 1.3. 1998 r Enthüllungen der Washington Post': Haben 'Ford' and 'General Motors' mit den Nazis kooperiert? % Die Zeitung "Washington Post" veröffentlichte die Nachricht, daß man in der letzten Zeit in Archiven in Deutschland und Amerika Dokumente gefunden hat, welche beweisen, daß die Tochtergesellschaften von "Ford" und "General Motors" in Deutschland für die deutsche Aufrüstung tätig waren. So soll z.B. "General Motors" bei der Produktion von synthetischem Treibstoff beteiligt gewesen sein. In diesen Werken sollen auch fremde . Zwangsarbeiter beschäftigt gewesen sein. In einem Buch, das demnächst veröffentlicht werden soll, beschuldigt der Verfasser, Bradford Segal, in einem Gespräch mit dem Journalisten der “Washington Post" diese beiden Firmen mit den Nazis kooperiert zu haben. Nach Berichten von amerikanischen Soldaten im zweiten Weltkrieg, die in den Reihen der amerikanischen Armee bei der Befreiung der Werke dieser Tochtergesellschaften in Köln und Berlin teilnahmen, fanden sie die fremden Zwangsarbeiter hinter Stacheldraht eingesperrt. Ein Sprecher der Fordwerke sagte, daß die Firma bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Amerika und Deutschland, finanzielle Beziehungen zu den Nazis hatte. Danach hätte die Firma die Kontrolle und die Verantwortung über die Tochtergesellschaft verloren. Das Gleiche wurde von "General Motors" behauptet.