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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1999-01-01 · No. 66 (1999) · p. Seite 21

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1999
Issue
No. 66 (1999)
Date
1999-01-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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21 Die Jeckes - Ein Kapitel jüdischer Maßliebe Es gibt Vorstellungen, Glauben und Aberglauben, die oft für Generationen Gruppen gegen andere abgrenzen. Wer als jüdisches Kind in einer Gemeinschaft aufgewachsen ist, kann von Hänseleien und oft höhnischen Bemerkungen der Klassenkameraden und anderen berichten, und allen gemeinsam war die Ablehnung gegen Zigeuner, die am Rande vieler Städte lebten. Für die Einwanderer, die in den dreißiger Jahren in das britische Mandatsland Palästina kamen, war es für sie eine andere Welt, für sie wie für die Eingesessenen, den Mitgliedern des Jischuws, der jüdischen Bevölkerung. Leider kamen sie nicht immer freiwillig, wenn es auch für die , die einmal Mitglieder zionistischer Jugendbünde waren, kaum andere Gedanken gab, daß, wenn sie Mitteleuropa verlassen wollten und mußten, nur Erez Israel in Frage kam. Sie wurden nicht immer mit offenen Armen aufgenommen und hilfsbereit empfangen. Für die jüdische Bevölkerung waren es die "Jekkes", ein Wort, durch das man ihnen zu verstehen gab, daß sie eigentlich Einwanderer und damit Bürger zweiter Klasse sind. Ein nicht sehr ruhmreiches Kapitel der Haßliebe, die sich unterschwellig bis auf den heutigen Tag erhalten hat, wenn auch die Generation dieser Einwanderer schon nicht mehr aktiv am öffentlichen Leben teiinimmt, das führt manchmal zu recht unterhaltenden Nebenerscheinungen, wenn drusischen oder arabischen Arbeitskollegen vorgeworfen wurde, "wie ein Jekke zu denken und/oder zu sprechen", wenn sie erwas Logisches sagten. Oder sogenannte Unterhalter, die ihr Publikum ergötzen wollen, und dann von den "Jekkes" erzählen, die sie angesprochen haben, wie man zur "Rechow Herzl Straße" komme?- Es , ist unklar, woher das in Israel immer noch fleißig verwendete Wort kommt. "Der und der käme zwar aus einer "jekkischen" Familie aber trotzdem...", eine Melodie, die Juden noch in den beginnenden Dreißigern mit umgekehrten Worten oft in Europa gehört haben. Nach einer Ansicht soll es auf die kurzen Jacken hinweisen, durch die sich die Anhänger der Aufklärung im Osten von denen unterscheiden wollten, die den Kaftan bevorzugten, der natürlich kein "jüdisches Kleidungsstück" war, sondern durch die Türken über Ungarn nach Osteuropa kam. Viele Gemeinschaften leiden unter Haßgefühlen gegen andere Gruppen, und dabei entstehen Bezeichnungen wie "Katzelmacher" für die italienisch sprechende Bevölkerung, von denen es in der Habsburger Monarchie viele gab. Manchmal wird die Bedeutung umgedreht, wie das Wort "Frank", mit denen seit der Kreuzfahrerzeit die Europäer bezeichnet wurden, die ja aus dem Frankenland kamen. In Akko wird eine alte Herberge gezeigt, Chan Faranji, die Herberge, das Hostel der Franken. Im Lande ist es zu einer nicht immer höflichen Bezeichnung für die sephardischen Juden oder gegen sie geworden. - Die Sehnsucht vieler Juden Osteuropas war es lange Zeit, nach Deutschland oder Österreich zu emigrieren, wo die Juden mehr Möglichkeiten hatten, und wem es nicht gelang, lebte in der Hoffnung, daß es den Kindern gelingen werde. In den Biographien vieler Händler, Unternehmer, Politiker, Literaten, Wissenschaftler gehören Kapitel, in denen sie längere oder kürzere Zeit in Ländern Mitteleuropas lebten. Mit dem Ausbruch des Dritten Reiches, 1933, wird aus der Sehnsucht, aus der Liebe, ein bitterer Haß. Die Enttäuschung überträgt sich auf die Juden, die aus Deutschland kommen, die die gleiche Sprache sprechen, gleiche Sitten und Lebensgewohnheiten mitbringen. In den knapp 150 Jahren der Assimilation waren viele so verwachsen mit dem Deutschtum, mehr als sie wahrhaben wollten. Die anderen waren beweglicher, auch wenn sie Jahre in Mitteleuropa lebten, das Einleben in fremden Ländern fiel ihnen leichter, sie sprachen auch nicht hebräisch mit dem jekkischen Akzent, eine neue hebräische Wortprägung, die von Möchtegernkomikern gern benutzt wurde und noch immer wird, um Lacheffekte zu ergattern. In dem vielleicht einzigen Drama, das die Epoche zum Thema hat, kreiert Werfel durch die Titelfigur Jakubowski den Typ des wandernden Juden, der schon viele "Heimatländer" hatte. Er stellt keinen deutschen Juden auf die Bühne, dem eine solche Wendigkeit nicht zuzutrauen wäre,.. Das Wort "Jekke" hatte lange Jahre die Aufgabe, die das Wort "Jude" in deutschnationalen Kreisen hatte. Den Zustand bezeichnete man mit "Rischis", mit dem sich einige Generationen abgefunden hatten. * Hier ist nicht der Raum in die Vergangenheit zurückzublenden, an die Nadelstiche zu erinnern, mit den viele der Einwanderer empfangen wurden. Sie stellten kein Ruhmesblatt der Bevölkerung wie der Erzieher dar, die nichts unternommen haben, dieses Wort aus dem Sprachschatz auszumerzen. - Nach beinahe sieben Jahrzehnten gehört dieses Kapitel hoffentlich der Vergangenheit an, der endgültigen. Es folgten andere Einwanderungsgruppen, die in das Visier der "Entertainer" genommen wurden, aber sie wurden anders aufgenommen, sie wehrten sich energischer. Für sie empfand man keine enttäuschte Liebe, die in Haß umschlug, keine Haßliebe, ihre Lebensbedingungen, ihre Kulturen waren keine Lebensziele, keine erstrebten Ideale....’. Heinzwerner Goldstein Vier Jahrzehnte eines jüdischen Lebenslaufes (Fortsetzung von Seite 20) sprach dann der Vortragende zugleich als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, der er 1919 beigetreten war. Als Schul- und Parteimann hat er in den zwanziger Jahren Biographien über Ferdinand Lassalle, bekanntlich in Breslau geboren und begraben, und August Bebel geschrieben. Und Ostpreußen zuliebe hatte er sich mit Hermann von Salza, dem Hochmeister des Deutschen Ordens, wissenschaftlich beschäftigt. Zugleich war der Studienrat Dr. Willy Cohn nicht nur in seiner Freizeit Dozent der Breslauer Volkshochschule und der gleichfalls hier arbeitenden jüdischen Volkshochschule, sondern auch gesellschaftlich engagiert, so in der jüdischen Loge und weiteren Gemeinschaften, weshalb es ein kaum zu bewältigender Schock gewesen sein muß, als der gleich nach dem Machtantritt der Hitler- Diktatur aus rassischen und politischen Gründen von heute auf morgen entlassene jüdische Bürger der Stadt Breslau, der bis dahin drittgrößten jüdischen Gemeinde Deutschlands, vordem beruflichen und gesellschaftlichen Aus und Nichts stand. So brutal und unmenschlich gingen die Nationalsozialisten mit einem Juden, mit den Juden um! Daß der Band "mit Unterstützung des Bundesministers des Inneren", wie zu lesen ist, gedruckt werden konnte, sei dankbar verzeichnet. Obwohl zum Titel "Verwehte Spuren" aus dem Diktat der Niederschrift drei, allerdings belanglose, Belegstellen zitiert werden, erscheint mir der Titel zu poetisch gestimmt. Geboten wäre es jetzt jedoch , daß möglichst viele Leser das Buch zur Hand nehmen, und zu wünschen, daß man vor dem Umfang nicht erschreckt. Für die Zeitgeschichte überhaupt und für die Geschichte Breslaus und Schlesiens ist dieser Band ein überzeugendes Dokument. Herbert Hupka (KK, 25.6.1995)

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