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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1999-01-01 · No. 66 (1999) · p. Seite 16

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1999
Issue
No. 66 (1999)
Date
1999-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 Das Schicksal dar jüdischen Kanstsammlang von Ismar Littmann aas Braslaa Ein neuer Fall von Kunstraub wirft grundsätzliche Fragen auf Der jüdische Rechtsanwalt Ismar Littmann aus Breslau beging 1934 Selbstmord, da er seinen Beruf nicht mehr ausüben durfte. Mit ihm ging eine bedeutende Sammlung expressionistischer Kunst unter, die unter dem Druck der Nationalsozialisten nicht nur verkauft und zerstückelt wurde, sondern auch noch unter die Räder der "Aktion Entartete Kunst" geriet. 1935 gelangte die Sammlung in den deutschen Kunsthandel. Mehrere Meisterwerke aus Littmanns Besitz hängen heute in deutschen Museen, ohne daß ihre Provenienz aufgeschlüsselt worden wäre. Bei der Sammlung Littmanns dürfte es sich um eine der größten Expressionismus-Sammlungen überhaupt handeln. Ismar Littmann begann 1916 expressionistische Zeichnungen zu sammeln, seit 1926 auch Gemälde. Meist kaufte er direkt von den Künstlern. 1930 umfasste seine Sammlung 344 Gemälde und mehr als 5700 Graphiken. Um so erstaunlicher ist es, daß diese Sammlerpersönlichkeit in der einschlägigen Literatur bis heute keine Erwähnung gefunden hat. Littmanns Sammlung umfasste im Bereich der Graphiken vor allem Werke von Isidor Aschheim, Ernst Barlach, Georg Ehrlich, Erich Heckei, Paul Kleinschmidt, Käthe Kollwitz, Otto Müller, Max Pechstein, Jakob Steinhardt und Heinrich Tischler. Bei den Gemälden waren Louis Corinth, Carl Hofer und Max Pechstein stark vertreten, ebenso die Franzosen Andre Derain, Robert Delaunay, Maurice Utrillo, Fernand Leger und Juan Gris. Besonderes Gepräge erhielt die Sammlung durch die Werkgruppe von jüdischen Malern sowie durch Graphiken mit jüdischen Themen. Die Auflösung der Sammlung Wie so viele jüdische Sammlungen, die unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgung aufgelöst wurden, war auch diese relativ jung. Da sie während ihres Bestehens in der Fachliteratur nicht beschrieben worden war, wurde sie nicht nur in ihrem Gesammtzusammenhang vernichtet, sondern geriet völlig in Vergessenheit. Ihr Schicksal ist eng mit der "Aktion Entartete von Anja Heuss Kunst" in Berlin verbunden. Nach dem Selbstmord Littmanns 1934 wurde ein Teil der Sammlung von den Erben im Februar 1935 in die 188. Auktion des Berliner Auktionshauses Max Perl eingeliefert. Perl mußte jedoch nach der Auktion dem mittlerweise nach Texas emigrierten Sohn mitteilen, daß er "leider fast, gar nichts verkauft" habe, da die Gestapo die "entarteten" Kunstwerke zwei Tage vor der Auktion beschlagnahmt hätten - und zwar insgesamt 64 Bilder von Paul Kleinschmidt, Otto Mueller, Max Pechstein, Jankel Adler und Karl Hofer. Die beschlagnahmten Werke wurden 1936 der Nationalgalerie in Berlin übergeben, die mit der Aufgabe betraut war, nur einen geringen Teil als "historisch wertvoll" auszusondern, den Rest jedoch zu verbrennen. Der damalige Direktor der Nationalgalerie, Eberhardt Hanfstaengl, wählte fünf Gemälde und zehn Zeichnungen zur Aufbewahrung aus, der Rest, darunter alle in der Auktion angebotenen Werke des jüdischen Malers Paul Kleinschmidt, wurde in der Heizung des Kronprinzenpalais in Berlin verbrannt. Aus der Sammlung Littmann wurden so mindestens zehn Gemälde von Paul Kleinschmidt, eines von Jankel Adler, eines von Jules Pascin und zwei von Max Pechstein zerstört. Doch Propagandaminister Josef Goebbels war mit dieser ersten Vernichtungsaktion noch lange nicht zufrieden. Vielmehr setzte er 1937 eine Kommission ein, die eine Säuberung aller öffentlichen Sammlungen von "entarteter Kunst" durchführen sollte. So wurden auch diese fünf Gemälde der Sammlung Littmann, die die "Säuberung" von 1935/36 überstanden hatten, 1937 erneut beschlagnahmt und entweder in das Schloß Schönhausen in Berlin oder auf die Ausstellung "Entartete Kunst'1 in München geschickt. Museumsdirektoren profitieren Doch nur ein Bruchteil der Sammlung Littmann war 1935 dem Aktionator Perl übergeben worden. Über das Schicksal der restlichen Bestände ist nichts bekannt. Da der größte der Teil der Sammlung Littmann als "entartet" galt, ist es relativ unwahrscheinlich, daß deutsche Museen diese Kunstwerke für ihre Sammlung erwarben. Was man jedoch sicher weiß, ist, daß auch die Museen selbst an der Vermarktung "entarteter" Kunst beteiligt waren, zumindest in Schlesien. So wandte sich der Regierungspräsident von Schlesien 1939 an den Oberpräsidenten in Breslau mit der Anregung, die Gunst der Stunde zu nutzen, die durch die "Arisierung" zahlreicher jüdischer Breslauer Sammlungen entstanden war: "Die Entjudung bietet die Gelegenheit, den Kunstbesitz aus jüdischen Händen zu mässigen Preisen für öffentliche Zwecke zu erwerben und mit verhälnismäßig geringen Mitteln den schlesischen Sammlungen die Wetke zu erwerben." In Zusammenarbeit mit der Reichskulturkammer wurde daraufhin ein Konsortium von drei Museumsdirektoren gebildet, die ihre Informationen über jüdischen Kustbesitz zugunsten ihrer Museen einsetzten. Der führende Experte war der Direktor des Schlesischen Museums in Breslau, Cornelius Müller-Hofstede, der zweite im Bunde war der Direktor der städtischen Kunstsammlung in Breslau (Barthel). In einer ersten Übersicht wurden rund 80 "arisierte" Kunstwerke aus den Sammlungen von Carl Sachs, Else Smoshewer, Israel Kaim Und Max Silberberg aufgeführt. Weitere Werke, die von jüdischen Künstlern stammten oder wegen ihres Malstils als "entartet" galten, wurden gezielt billig angekauft und als Tauschware dem Kunsthandel angeboten. So verkaufte das Schlesische Museum ein Gemälde des Breslauer Malers Eugen Spiro ("Lesendes Mädchen"), das es 1943 kostenlos aus dem beschlagnahmten Eigentum des jüdischen Sammlers Bittmann übernommen hatte, für 1500 Reichsmark einem Kunsthändler. Der Gewinn wurde für Neuerwerbungen des Museums eingesetzt. Über den dritten Museumsdirektor in diesem Konsortium (Asche) erwarb die Städtische Kunstsammlung Görlitz vier Gemälde aus der Sammlung Smoshewer, darunter ein Gemälde von Slevogt ("Vorgarten"). Das Konsortium hatte gerade jene jüdischen Sammler ausgeplündert, die sich vor 1933 als Mäzene der Stadt Breslau hervorgetan hatten. Insbesondere der Sammler Carl Sachs, der bereits 1933 in die Schweiz emigriert war und dabei einen Teil seiner Sammlung retten konnte, hatte dem Schlesischen Museum in Breslau 1931/32 über vierhundert Graphiken des 19./20. Jahrhunderts geschenkt, darunter Blätter von (Fortsetzung auf Seite 17)

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