Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1999
- Issue
- No. 66 (1999)
- Date
- 1999-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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15 I (Iber das Buch von Daniel Jona Goldhagen "Hitlers Willige Vollstrecker'" von Dr. Yehuda Ben-Avner Ich habe dieses Buch mit großem Interesse gelesen. Dabei ist zu sagen, daß ich vielen seiner Thesen nicht zustimme. Goldhagen nannte sein Buch "Hitler's willing Executioners" (Hitlers willige Vollstrecker). Er ging von der Voraussetzung aus, daß der deutsche Antisemitismus unterschiedlich von jedem anderen war, weil er ein bewußter Vernichtungsantisemitismus war. Judenhaß war weit verbreitet und die Theorien dieses Hasses waren rationalistisch oder auch religiös basiert. Der deutsche Judenhaß war auf die Ausrottung der Juden gerichtet, was Hitler in seinen Plänen half. Der Vernichtungsantisemitismus war nicht Hitlers Erfindung. Gemäß seiner Theorie ist es nun verständlich, daß er sagt, die entschiedene Mehrheit der Deutschen waren willige Mitarbeiter bei der Vernichtungspraktik. Man brauchte kein Parteigenosse oder SS-Mann zu sein, um am Morden teilzunehmen. Ganz gewöhnliche Deutsche machten da mit. Als deutliches Beispiel brachte er die Hamburger Polizeibataillone, die an der Endlösung lebhaft teilnahmen und auch oft über die Befehle hinaus erfinderisch waren. Daß der deutsche Antisemitismus Hitlers bei seinem Kampf um die Macht half, daß er ein Faktor war, der zur "Machtergreifung" führen konnte, daran hege ich keinen Zweifel. So haben die Nazis vom vorhandenen Antisemitismus profitiert und andererseits diesen wieder und wieder angefeuert. Daß der deutsche Antisemitismus sehr stark war, auch daran ist nicht zu zweifeln. Jedoch ist daran zu zweifeln, daß dieser Antisemitismus ein einmaliger Vernichtungsantisemitismus war. Hätten die Zaren und ihre Regierungen dieselben organisatorischen Fähigkeiten und dieselben militärischen Kräfte gehabt, dann wäre der russische Judenhaß schon im 19. Jahrhundert zur Schoah geworden. Wäre ein Hitler in Frankreich aufgekommen, dann wäre eine Schoah nicht weniger grausam gewesen. Daß ein Hitler in Frankreich nicht möglich war, hatte völlig andere Gründe. Es ist nicht richtig, daß der deutsche Judenhaß von vornherein auf Ausrottung der Juden gerichtet war. Jeder Historiker weiß, daß es sogar bei den Nazis Phasen in ihrer antijüdischen Politik gab. Eine Politik der Massenausrottung ist nur in Kriegszeiten möglich. Die Mehrheit im Volk ging gern mit, aber das sagt nicht, daß der Vernichtungsantisemitismus Gemeingut aller Deutschen war. Goldhagen stellt diese These zu Beginn auf und dann führt er, sehr langatmig und sich dauernd wiederholend, die Beispiele an, die seine These bestätigen sollen. Über die Polizeibataillone, die er bespricht, schrieb schon vor ihm Christopher Browning in seinem Buch: "Ordinary men, Reserve Police Battaillon 101 and the Final Solution in Poland", sehr ausführlich. Jeder Historiker weiß, daß die These das Ergebnis einer Untersuchung sein muß und nicht ihre Voraussetzung. Da er nun die These zu Beginn brachte, vermied er Tatsachen zu bringen, die seiner These schaden können. So gibt es bei ihm keinen Widerstand, der teilweise durch die Judenvernichtung hervorgerufen war. Er erwähnt zwar einige wenige Pfarrer, die an die Front schreiben, die Judenvernichtung verurteilend, aber das sind die Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Daß es aber in der Wehrmacht, wie auch in der Beamten- und Diplomatenschaft, ja sogar in den Kirchen, Faktoren gab, die der Schoah wegen (oder auch ihretwegen) Widerständler wurden, das paßt Goldhagen nicht in den Kram. Also nicht erwähnenswert! Aber das Buch ist trotz allem wichtig, denn es hat eine lebhafte Diskussion angeregt. Eine Tragisch« Episode - ein Siedlungsprojekt in Midjan von Heinzwerner Goldstein ln der jüdischen Geschichte traten immer wieder Phantasten, Außenseiter, auf, die die "Judenfrage" auf ihre Art lösen wollten. Einer von ihnen war ein gewisser Paul Friedmann, ein im Jahre 1840 in Königsberg, Ostpreußen geborener Schriftsteller, evengelisch getauft,; wie es in jener Epoche vielfach geschah, j Vielleicht Voraussetzung, um im deutschen | Kulturkreis mitreden zu können. Bekannt wurde er durch die Biografie über Anna Boyleyn, der ermordeten zweiten Frau Heinrichs VIII., der Mutter Elisabeths I., die Tat, die zur Lösung der Kirche Englands von Rom führte. - Im Jahre 1891 veröffentliche Paul Friedmann ein Buch, sechs Jahre vor dem ersten Zionistenkongress, das er "Das Land Madjan" betitelte, worunter er Midjan erstand, am Ostufer des Golfs von Eilat, heute politisch ein Teil Saudi Arabiens, wo nach der Erzählung der Bibel, Moses bei seinem Schwiegervater, Jitro,! Unterkunft fand. i Der Plan sah vor, das Gebiet zu besiedeln, i ohne Begriffe wie Juden oder jüdische Siedlungen zu erwähnen. Es bleibt unklar, wer oder welche Gruppen hinter dem Projekt standen: Es gab und gibt, vielleicht nicht so ganz zufällig, so etwas wie ein stilles Übereinkommen, den Plan zu übergehen. Davis Trietsch erwähnt den Titel in dem Literaturverzeichnis seines vor dem ersten Weltkrieg erstmalig herausgegebenen "Palästina Handbuches", deutsch 1907, wie in späteren Auflagen. * Der britische Konsul in Ägypten, Lord Cromer, der 1883 bis 1907 amtierte, der wirkliche Regent Ägyptens, begrüßt den Plan, der, so hoffte er, den britischen Einfluß in dem Gebiet verstärken wird, das ja politisch ein Teil des osmanischen Imperiums darstellte, und vermittelte Gespäche mit der englischen Regierung. Der Plan Friedmanns sah vor, bedrängten Juden im österreichischen Galizien eine Ausweichmöglichkeit zu schaffen, etwa so, wie Baron Hirsch Siedlungen für jüdische Ansiedler errichtete. Er konnte eine Gruppe Ausreisewilliger zusammenstellen, die an in ein "Vorbereitungslager“ im Sinai, Scharm el Moje, die Wasserbucht bringen läßt, an einen Meeresbusen zwischen Scharm el Scheich, der Bucht des Scheichs, und Ras Muhamed, dem südöstlichen Kap der Halbinsel, wo der Golf in das Rote Meer übergeht.- In den Bemühungen, die "Judenfrage" im ausgehenden 19. Jahrhundert zu lösen, hat dieser unbedeutende Punkt eine schicksalhafte, eine tragische, nach mehr als 100 Jahren kann man sagen, eine tragikomische Rolle gespielt. Irgendwie konnte Friedmann eine Yacht erwerben, der er den Namen "Israel" gab, die mit 46 Personen an Bord am 1. Dezember 1893 die Stadt Suez erreicht. Als "Ausbilder" wird ein ehemaliger preußischer Offizier - oder Feldwebel - angeworben, der scheinbar die Spannungen und Komplexe gegen die jüdischen "Untertanen" des preußischen Staates (Fortsetzung auf Seite 24) 1