Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1999
- Issue
- No. 66 (1999)
- Date
- 1999-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Die Deportation and Vernichtung der Schlesischen Jaden (Fortsetzung von Seite 13) Mischehen." Nach Irma Appels Aussage kehrte nur eine Jüdin (Glücksmann) aus Theresienstadt und eine Jüdin (Sachs) aus Auschwitz im Jahre 1945 nach Oppeln zurück. In einem bei der Staatsanwaltschaft Dortmund im Jahre 1978 anhängigen Ermittlungsverfahren wurde dem ehern. Leiter der Staatspolizeileitstelle Breslau, Dr. jur. Ernst Gerke in Bielefeld-Senne I (geb. am 6. Mai 1909 in Stettin) zur Last gelegt, während seiner Tätigkeit in Breslau an der Deportation überwiegend jüdischer Einwohner der Stadt in der Zeit vom Mai 1941 bis April 1944 beteiligt gewesen und deshalb für die spätere Ermordung der meisten der Menschen mit verantwortlich zu sein. Als Tatteilnehmer kamen in Betracht von der Stapoleitstelle Breslau - Hermann Fey, Friedrich Arndt, Gerhard Homann, Franz Weidmann und Rudolf Zuckel (bereits verstorben), von der Gauleitung der NSDAP in Breslau Herbert Marsch, Rudolf Wagner und Rudolf Winterhager. Angeblich waren die Ergebnisse der Ermittlungen unzureichend, so daß die Vorwürfe gegen die Angeschuldigten Dr. Gerke und Fey nicht aufrechterhalten werden konnten. In der Einstellunqsverfüqunq vom 14. Dezember 1978 heißt es, daß der Angeschuldigte, Leiter der Staatspolizeileitstelle Breslau, Dr. Gerke, sich nur an einen einzigen Transport erinnern könne, "der während seiner dienstlichen Tätigkeit in Brelau vom 1.12.1939 bis 31.8.1942 durchgeführt worden sei. Er nahm an, daß es sich um den vom 23.11.1941 nach Riga gehandelt habe. Es sei möglich, daß er von weiteren Deportationen keine Kenntnis erlangt habe. Er sei mehrfach ortsabwesend gewesen. Im übrigen sei über den wahren Zweck der Transporte nichts zu ihm "durchgesickert". Er habe stets geglaubt, es sei um eine kriegsbedingte Internierung sämtlicher Juden des "Großdeutschen Reiches" zum Arbeitseinsatz im sogenannten Ostland gegangen..." Hermann Fey, der der Staatspolizeileitstelle Breslau vom Dezember 1937 bis Anfang März 1943 angehörte, erklärte: "Er wisse lediglich von zwei Judentransporten nach Theresienstadt. Es müsse sich um die vom 27.7 und 31.8.1942 handeln. Er sei jedoch weder bei diesen noch bei anderen Zwangsverschickungen eingesetzt gewesen. Im übrigen habe er immer geglaubt, die Deportierten gelangten zum Arbeitseinsatz. Von der physischen Vernichtung der meisten der Betroffenen habe er erst nach dem Kriege erfahren." Der Oberstaatsanwalt fügte hinzu: "Auch diese Einlassunq ist nicht mit hinreichender Sicherheit zu widerlegen. Nach den Aussagen mehrerer Zeugen hat Fey zwar den Transport der Geisteskranken nach Chakowa (richtig: Szczakowa. K.J.) begleitet. Aber auch ihm ist mangels entgegenstehender Erkenntnisse nicht nachzuweisen, daß er den wahren Zweck dieser Maßnahme und/oder den der übrigen Deportationen gekannt oder auch nur damit gerechnet hat, die Opfer würden getötet werden." Die angeschuldigten Gestapobeamten Arndt, Homann, Weidmann und der Angehörige der Gauleitung der NSDAP, Marsch, haben, "soweit sie eine Beteiligung an Deportationen eingeräumt haben, übereinstimmend in Abrede gestellt, den wahren Zweck dieser Maßnahmen damals gekannt oder wenigstens mit der Tötung der Betroffenen gerechnet zu haben. (!) Das Verfahren gegen alle Beschuldigten wurde am 14. Dezember 1978 eingestellt. Das Verfahren gegen den Gestapobeamten Alfred H a m p e I, d e s s e n Name häufig in Zeugenaussagen auftauchte, wurde nach dessen Tod bereits am 18. Mai 1966 eingestellt. Auf Initiative des "Arbeitskreises zur Verurteilung des Dr. Gerke" wurde im Jahre 1981 das Verfahren gegen den Leiter der Staatspolizeileitstelle Breslau nochmals aufgenommen, jedoch zur Verurteilung kam es nicht. Gerke starb am 7. November 1982. (Aus "Buch - Festschrift f. Wolfgang Scheffler", Edition Hentrich, Berlin) Vati, was sind Juden? Wie schwierig muß es für Vati und Mutti gewesen sein, mir auf diese Fragen eine Antwort zu geben. Bei dieser Frage war ich gerade 10 Jahre alt. Wenn ich überlege, war es für meine Eltern schwer, mir eine glaubhafte Antwort zu geben. Die Wahrheit durften sie mir auf keinen Fall sagen. Ich als Plappermaul hätte den Kindern auf der Straße sonst etwas erzählt. Und für meine Eltern und den Widerstand wäre das nicht gut gewesen, wenn das herausgekommen wäre. So wich mir Vati erst einmal aus mit dem Hinweis: "Ich erkläre Dir das mal später, wenn ich mehr Zeit habe". Gerade das war falsch von Vati, ich ließ nicht locker mit der Frage, bis er eines Tages Zeit hatte. "Nun erzähle mir endlich, was Juden sind." So meine Erinnerung: "Mein Junge,“ sagte Vati zu mir, "die Juden sind auch nichts weiter als Menschen. Es gibt Arme und Reiche, nur den Reichen geht es wieder besser. (Der Sinn wurde von mir nicht ganz verstanden.) Dir ist doch bekannt, daß der liebe Gott alle Menschen geschaffen hat. Deutsche leben in Deutschland, und die Juden kommen aus dem Land, wo Jesus geboren wurde, und das ist Palästina. Und da es auch deutsche Juden gibt, will man, daß diese in ihr Land zurückfahren". "Ach so, Vati. Jetzt verstehe ich. Wenn wir die Juden auf einem LKW gesehen haben, dachten wir, die fahren in den Urlaub." In Wirklichkeit waren es Transporte ins KZ; aber das konnten wir Kinder weder wissen noch verstehen. "Und warum tragen sie so einen schönen Stern? Kann ich auch so einen haben zum Andenken?" "Mein Junge,das ist nur das Zeichen, daß es Juden sind." "Vati, warum belügst Du mich?" "Nein mein Junge, ich lüge nicht. Ich kann Dir nicht mehr sagen, als ich weiß.“ Das Komische an der Sache ist, daß Vati nicht weiß, daß Juden die Feinde von Herrn Hitler sind, weil sie alles wegfressen. Das hört man doch in der Schule und vom Jungvolk. Die großen Jungen erzählen doch, sie müssen eine Mutprobe machen, um das Fahrtenmesser zu bekommen. Zuvor müssen wir richtig mit dem Luftgewehr auf "Korkjuden" schießen. Die Juden haben 25 Punkte, Zigeuner haben nur 15 Punkte. Weil diese nur klauen, auch Kinder sind nicht sicher. Sie waschen sich nicht und machen die Schweine und Hühner krank. Der Jungzugführer erzählt auch, daß die Juden und Zigeuner Menschen krank zaubern konnten. Die wollten den "Kinderfreund" Hitler umbringen. Aber was können die Juden- und Zigeunerkinder dafür, daß ihre Eltern solche "Verbrecher" sind? Der Fähnleinführer hatte in der Schule gesagt, man solle ganz brutal mit dem "Mistvolk" umgehen. Wir sollten gleich zu ihm kommen oder zur Polizei gehen, wenn wir Juden, Zigeuner und Kommunisten sähen. Da soll man die Großen verstehen. Ich weiß noch immer nicht genau, was ein Jude, Zigeuner oder Kommunist ist. So wurden wir Kinder vor über 50 Jahren von den Nazis vergiftet in unserem naiven Denken. Wir haben die LKW mit Juden gesehen und an der Dessauer Brücke die Züge mit Zigeunern und Juden, die nun für immer verschwunden sind. Wir Kinder haben schon geahnt, daß da etwas Unglaubliches geschieht; die Erwachsenen haben nichts davon gehört, nichts gesehen, noch darüber gesprochen. Nun weiß ich, daß Gott alles geschaffen hat, was lebt. Er macht keinen Unterschied zwischen Menschen, nur der Mensch macht ihn. Jetzt Vati, weiß ich, was Juden sind. Muscha! Die Mahnung, 1.6.1998