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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1999-01-01 · No. 66 (1999) · p. Seite 13

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1999
Issue
No. 66 (1999)
Date
1999-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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13 Die Deportation and Vernichtung der Schlesischen Juden (Fortsetzung von Seite 12) Mann, etwa 30 Jahre alt. Von diesem Funktionär wurde ich zum Sammelplatz der Aktion gebracht, der sich im Saal der Freundeloge in der Graupenstraße befand. Wer die Verhaftung veranlaßte, kann ich nicht sagen. Im Freudelogesaal waren bei meiner Ankunft schon einige hundert Juden versammelt, und der Saal war überfüllt. Während der drei Tage, die ich mit den zur Deportation bestimmten Juden im Freudelogesaal verbrachte, sah ich viele Schutzpolizeifunktionäre und mehrere Zivilisten, deren Zugehörigkeit ich nicht kenne. In den frühen Morgenstunden des 4.3.1943 wurden alle im Saal befindlichen Juden beiderlei Geschlechts, auch Kinder, zu Fuß von deutscher Polizei zum Odertorbahnhof getrieben. Am Güterbahnhof traf ich mit meiner Mutter und sechs Geschwistern zusammen, die auch verhaftet worden waren und die man zum zweiten Sammelplatz brachte, der sich in der Synagoge in der Wallstraße 9 befand. Ich wurde mit meinen Familienangehörigen in einen Güterwaggon verladen, in dem sich etwa 70 Menschen befanden.Wir waren sehr zusammengedrängt. Bis zu unserer Ankunft in Auschwitz-Birkenau wurden die Waggons unterwegs nicht geöffnet. Wir fuhren zwei Tage und kamen in der zweiten darauffolgenden Nacht an. Nach unserer Ankunft in Birkenau wurden die Waggons von SS-Leuten geöffnet, und mit Schlägen wurden alle Insassen auf ein danebenliegendes Gelände herausgetrieben. Es wurde sofort eine Selektion durchgeführt, und zuerst wurden dann die Frauen mit Kindern weggebracht. Was mit diesen Menschen weiter geschah, ist mir bis heute nicht bekannt. Unter den Frauen war meine Mutter und drei kleine Geschwister. Bis zum heutigen Tage habe ich kein Lebenszeichen von ihnen. Wir waren zum Schluß nur noch lauter arbeitsfähige Männer. Während der Selektion herrschte ein großes Durcheinander, und ich konnte nicht genau beobachten, was mit den einzelnen Menschen geschah. Wir Männer wurden dann auf Lastwagen verladen und nach dem Lager Buna- Monowitz transportiert. Dort verblieb ich bis zur Evakuierung des Lagers im Januar 1945. Auf dem Evakuierungsmarsch gelang ich über Flossenburg in ein Dorf in der Nähe von Regensburg, wo ich am 23. April 1945 von amerikanischen Truppen befreit wurde. Auch meine zwei älteren Schwestern und ein Bruder wurden noch am Ausladeplatz in Birkenau von mir weggerissen, und bis heute weiß ich nicht, was mit ihnen geschah. Keiner von ihnen kam bis zum heutigen Tage zurück....1' Karla Wolff, geb. am 22. November 1928 in Breslau, machte während ihres Verhörs am 8. August 1963 in Naharya folgende Aussage: "Ich war als Krankenschwester in der Krankenstation für Mischehen in der Flughafenstraße (auf dem Gelände des jüdischen Friedhofes) beschäftigt, und dort begegnete ich Hampel mehrmals, da er jede Woche zur Inspektion hinkam. Ich sah ihn das letzte Mal im Oktober 1944. Er kam damals in die Krankenstation und erklärte, daß die Krankenstation aufgelöst sei und alle Kranken nach Hause müssen. Er war damals in Begleitung des Vorsitzenden der jüdischen Kultusgemeinde, Herrn Ludnowski. Er befahl allen Anwesenden, den Kranken und dem Personal, sich am nächsten Tag in der Gemeinde zum Abtransport zu melden. Am nächsten Tag wurde ein Transport von Juden aus Mischehen und Mischlingen, die als Juden anerkannt waren, zusammengestellt und zu Fuß in Richtung Groß-Rosen in Marsch gesetzt. Es waren ca. 150 Personen. Daß irgend jemand von dieser Gruppe am Leben blieb, ist mir nicht bekannt.... Während meiner Tätigkeit als Krankenschwester in Breslau in den Jahren 1943-1944 und auch schon vorher seit 1941, als die jüdischen Schulen aufgelöst wurden, habe ich bei den Aktionen Hilfe geleistet, und bei dieser Gelegenheit habe ich Hampel öfters gesehen, als er diese Aktionen leitete. Ich sah ihn auch bei folgenden Aktionen. Im Frühjahr 1942 im Freudelogesaal in der Graupenstraße, wo ein Transport zusammpngestellt wurde, bei dem einige hundert Juden nachdem Distrikt Lublin verschickt wurden. Dies ist mir bekannt, da einige dieser Leute Nachrichten aus Izbica, Kreis Lublin, schickten. Ich erinnere mich auch jetzt daran, daß ein Transport am jüdischen Fasttag, 9 des Monats Ab stattfand. Damals wurden die Juden in der Synagoge in der Wallstraße versammelt (im Hof). Wieviel Juden damals verschickt wurden, kann ich nicht angeben. Jedoch waren der Hof und die Synagoge vollbesetzt mit den zum Transport bestimmten Juden. Auch damals sah ich Hampel in der Synagoge. Am 28. Februar 1943 wurde die große Aktion durchgeführt. Damals wurden alle Juden bis auf wenige, die im Krankenhaus und im Altersheim geblieben waren, an drei Sammelstellen in der Synagoge, im Schießwerder und im Freundesaal versammelt. Die an diesen drei Orten versammelten Juden wurden alle nach Auschwitz verschickt. Ich sah diese Juden auf der Sammelstelle in der Synagoge, wo ich beim Essenverteilen beschäftigt war. Ich kann mich erinnern, Hampel bei dieser Aktion gesehen zu haben." Karla Wolff war eine der wenigen Zeugen, die zurückblieben und den Holocaust in Breslau überlebten. In ihrem Bericht spiegelt sich nicht nur die Tragödie der Deportierten, sondern auch die der verzweifelten jüdischen Gemeindemitglieder, die vor der "Abschiebung" den Freitod wählten, nicht zuletzt auch das grausame Schicksal derer, die bereits aus ihren Breslauer Wohnungen nach Grüßau und Tormersdorf vertrieben, nochmals zurückgebracht und schließlich in die Vernichtungslager deportiert wurden. Diese mutige, unerschrockene 14jährige Krankenschwester scheute keine Opfer, half den hinsiechenden Alten im Altersheim, den im Synagogenhof Zusammengepferchten und Todgeweihten und schließlich den Kranken im letzten jüdischen Krankenhaus in der Flughafenstraße. Nach den Deportationen blieb Karla Wolff eine der wenigen - wenn nicht sogar die einzige - Vertrauensperson in Breslau für die in die Vernichtungslager verschleppten Juden. Sie wurde von ihnen angeschrieben, und ihren bescheidenen Lebensbedingungen gemäß ließ ihnen Karla Wolff materielle Hilfe zukommen. Ein erschütterndes Zeugnis ihrer Deportation aus Breslau ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau gibt die Krankenschwester Judith Sternberg-Newman in ihrem Buch "In the Hell of Auschwitz“ - als eine von 38 Häftlingen, die das Lager und den Todesmarsch der Häftlinge im Winter 1945 überlebten. Aufmerksamkeit verdient auch die Zeugenaussage von Irma Appel, eine in Opole (Oppeln) lebende Jüdin, die am 18 Mai 1947 in Katowice (Kattowitz) vom polnischen Untersuchungsrichter verhört wurde. Irma Appel war Augenzeugin der Aussiedlungen aus Oppeln in den Jahren 1942-1943. Der größte Teil der Juden wurde in der zweiten Julihälfte 1942 "abgeschoben". "Alle kamen ins Gemeindehaus, und man führte sie auf den Bahnhof, auf den zweiten Bahnsteig" - sagte Appel aus. "Meine Tochter war damals auf dem Bahnhof, denn sie bekam ein Telegramm von meiner Schwester aus Breslau, daß sie kommen möge, denn dort sei Aussiedlung. Auf dem Bahnhof stand sie auf dem ersten Bahnsteig und sah, daß der Zug aus Breslau auf dem zweiten Bahnsteig ankam. Das war ein außerordentlich langer Zug. An jedem Waggon waren Schilder mit der Bezeichnung des Ortes. Brieg, Breslau und andere. Die Waggons waren nur mit Juden gefüllt. Meine Tochter sah, wie sie Juden aus Opplen in die Waggons führten. Man deportierte sie nach dem Osten. Damals sagte man, daß sie nach Lublin kämen. In Oppeln verblieb eine geringe Zahl der jüdischen Bevölkerung. Der erste Transport war der größte. Im ersten Transport gab es wenige alte Leute. Der zweite Transport ging im Jahre 1943 ab. Ende Februar bekamen alle die Aufforderung, sich im sogenannten ''Bullenkeller“ - in der Viehverkaufshalle in der Malapanerstraße (Ozimska) zu melden. Dort hielt man sie einige Tage gefangen, ungefähr eine Woche. In den ersten Märztagen 1943 führte sie die Gestapo zum Güterbahnhof, und man transportierte sie nach Auschwitz. In demselben Transport waren Juden aus Breslau. Ein Bekannter meiner Tochter schrieb später aus Auschwitz. Er wurde aus Breslau deportiert und fuhr mit dem Judentransport aus Oppeln. Nach diesem Transport verblieben in Oppeln insgesamt ein Dutzend Juden, Kranke und Kriegsinvaliden. Im Frühjahr 1943, ungefähr zu Hitlers Geburtstag am 20. April, verhaftete die Gestapo diese letzten Alten und Kranken. Angeblich wurde dieser Transport nach Theresienstadt verschickt. Es verblieben noch der Rechtsanwalt Wolff und der Apotheker Schlesinger. Sie wurden später deportiert. Es blieben nur noch Juden in Mischehen. Diese Personen nahm die Gestapo Anfang 1944 fest. Im Jahre 1944 verhaftete sie auch Söhne aus (Fortsetzung auf Seite 14)

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