Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1999
- Issue
- No. 66 (1999)
- Date
- 1999-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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12 Die Deportation and Vernichtung der Schlesischen Jaden (Fortsetzung von Seite 11) Haus verlassen, um mich zu meiner Arbeitsstelle wie jeden Tag zu begeben. Als ich die Haustür öffnete, stand vor mir ein Zivilist in Begleitung eines zweiten und ich sah, daß auf der Staße vor dem Haus ein SS-Mann in schwarzer Uniform patrouiliert. Die beiden Zivilisten befahlen mir, in meine Wohnung zurückzukehren und diese nicht zu verlassen. Ich hörte dann in den nächsten Minuten, daß alle jüdischen Bewohner des Hauses weggebracht würden. Meine Wohnung wurde von außen von den beiden Zivilisten versiegelt, damit ich keine Möglichkeit hatte, das Haus zu verlassen. Am nächsten Tag in der Frühe betraten meine Wohnung zwei andere Zivilisten, die sich als Gestapobeamte auswiesen. Sie legten mir ein vorgedrucktes Formular vor, das ich unterschreiben sollte. Mir wurde bei dieser Gelegenheit erklärt, daß, wenn ich dieses Formular unterschreibe, ich zu meiner Mutter zurückkehren könne, meine Frau und das Kind würde man dann ohne mich wegbringen. Ich verweigerte die Unterschrift, woraufhin mir von den Gestapoleuten befohlen wurde, mich in einer viertel Stunde zum Abtransport bereitzuhalten. Nach dieser Zeit wurde ich dann von diesen zwei Gestapobeamten abgeholt und mit meiner Frau und Sohn in den Saal der Freundeloge in der Graupenstraße gebracht. Dort wurde ich zu dem Gestapofunktionär namens Hampel gebracht, den ich schon von früher kannte, und dieser erklärte, daß, da ich mein Los nicht verbessern wollte, ich dem Deportationstransport zuzufügen sei. Man nahm mir dann auf seinen Befehl mein Gepäck weg und ich wurde mit meiner Frau und Kind in ein separates Zimmer gebracht, wo wir etwa zwei Nächte auf dem Fußboden schliefen bis zu dem Zeitpunkt des Abtransportes. Während meines Aufenthaltes im Freundelogesaal wurden alle dort versammelten Juden nur von einem Schutzpolizisten bewacht, der an der Haustür Wache hielt. Im Haus selbst sollten für Ordnung jüdische Ordnungsdienstler sorgen. Vom Freundelogesaal in der Graupenstraße wurden wir alle unter Bewachung von Angehörigen der Breslauer Schutzpolizei zum Güterbahnhof am Odertorbahnhof in Breslau gebracht. Das Gelände des Güterbahnhofs war von Mitgliedern der SS in schwarzen Uniformen umstellt. Der Weg zum Odertorbahnhof wurde zu Fuß zurückgelegt. Als wir am Bahnhof ankamen, wurden wir gleich in Güterwaggons verladen. Ich sah, wie vor mir Juden, die keine kleinen Kinder hatten, unter Schlägen von den SS-Leuten in die Waggons getrieben wurden. Man pferchte etwa 100 Personen in einen Waggon. Ich mit meiner Frau und meinem Kind gelangte in einen Waggon, in dem nur etwa 20 bis 30 Personen verladen wurden, da dies alles Familien mit Kindern waren und auch Kinderwagen mit sich führten und diese mitnehmen durften. Ich möchte hier erwähnen, daß wir nicht wußten, wohin man uns brachte, es war uns nur gesagt worden, wir kämen in einen Ort im Osten, wo wir neue Arbeitsplätze finden würden. Ich sah nur am Bahnhof beim Verladen in die Güterwaggons, daß Juden von den SS-Leuten mit Knüppeln geschlagen wurden. Ich hörte in dieser Zeit keinerlei Schüsse und habe auch nicht gehört, daß man jemanden totgeschlagen hätte. ...Als wir verladen waren, wurden die Türen der Waggons verschlossen und wir fuhren etwa drei Tage lang. Nach dieser Zeit wurde der Zug angehalten und die Türen aufgerissen. Ich sah, es war Nacht und der Zug stand auf freiem Feld an einer Laderampe, die mit Scheinwerfern beleuchtet war. Durch Lautsprecher und durch dort befindliche SS-Leute wurden wir mit Gebrüll aufgefordert, alles in den Waggons zu lassen und diese schnellstens zu verlassen. Wir wuren dann von Häftlingen untersucht, ob jemand noch etwas mit sich führe. Mir wurde eine Tasche mit Essen für das Kind entrissen. Unter Schlägen der SS-Wachmannschaften mußten wir in Reihe Aufstellung nehmen, und dann wurde von einigen SS-Offizieren eine Selektion der Leute durchgeführt. Diese SS- Führer selektierten dann die Juden in drei Gruppen, und zwar: Frauen mit Kindern, ältere Leute beiderlei Geschlechts und arbeitsfähige Männer. Ich wurde von meiner Frau und meinem Kind weggerissen. Ich-sah dann, wie man meiner Frau unseren Säugling entriß, der dann mit noch anderen Kleinkindern auf einen besonderen bereitstehenden Lastwagen wie Kohlenstücke geschmissen wurde. Auf andere Lastwagen wurden dann die Frauen mit gehfähigen Kindern verladen. Auch meine Gruppe wurde dann auf Lastwagen verladen. Ich gelangte mit meiner Gruppe von arbeitsfähigen Männern in das Lager Buna- Monowitz. In diesem Lager verblieb ich bis zur Evakuierung des Lagers im Januar 1945. Bei der Evakuierung gelangte ich über das Lager Gleiwitz II, Oranienburg, Flossenburg nach Standsried in Bayern, wo ich am 23. April von amerikanischen Truppen befreit wurde. Vom Augenblick der Selektion auf der Laderampe bei der Ankunft in Auschwitz an habe ich weder meine Frau noch mein Kind jemals wiedergesehen. Schon nach einem Monat meines Aufenthaltes in Buna-Monowitz erfuhr ich durch Zufall, daß meine Frau und mein Kind nicht am Leben sind. Ich wurde eines Tages in das Büro des Einsatzführers bestellt, und dort wurde ich von einem SS-Führer, der Name ist mir entfallen, über meine Familie ausgefragt, da es sich herausgestellt hatte, daß ich mit meiner Familie nicht in der allgemeinen Liste der aus Breslau deportierten Juden vermerkt war, sondern einen besonderen Akt besaß. Bei dieser Gelegenheit befahl dieser SS-Führer einem Untergebenen nachzusehen, ob meine Frau registriert sei und eine Nummer habe. Nach kurzer Zeit kam dieser zurück, und ich hörte, wie er meldete, daß meine Frau nicht registriert sei. Ich wußte damals schon, daß dies bedeutete, daß sie sofort vernichtet worden war.Soviel mir bekannt ist, verblieben nur am Leben einige Männer unseres Transportes, wie Fritz Hamburger, Heinz Austerlitz, Erich Kempner und ein gewisser Beihof. Über ihren Aufenthalt ist mir nichts bekannt.Wie schon vorher erwähnt, kannte ich den Staatspolizeifunktionär Hampel. Soviel mir bekannt ist, war er Judenreferent bei der Gestapo. Ihm unterstanden alle jüdischen Angelegenheiten, und er überwachte die Tätigkeit des Judenrates in Breslau.Ich kannte Hampel schon vor meiner Deportation nach Auschwitz, da ich bei ihm mehrmals vorgeladen war im Zusammenhang mit meiner Verheiratung. Nach meiner Beurteilung hat er die Deportation der Juden aus Breslau am 4.3.1943 geleitet. Ich sah und sprach mit ihm im Freundelogesaal und sah ihn dann auch auf dem Güterbahnhof während meiner Verladung in die Waggons. Ich sah, wie er einem der SS- Leute, die den Transport nach Auschwitz begleiteten, einen Schein unterschrieb. Ich glaube, es war dies der Transportempfangschein. Er erteilte während der Einwaggonierung der Juden Befehle anderen am Bahnhof befindlichen SS-Männern. Außerdem ist mir der Staatspolizeifunktionär Dr. Gerke bekannt. Welchen Posten er bekleidete, ist mir nicht näher bekannt. Jedoch weiß ich mit Bestimmtheit, daß er der Vorgesetzte Hampels war, da dieser ihm bei meinem Aufenthalt im Gebäude der Gestapo in Breslau am Anger mehrfach aufsuchte und um Instruktion in meiner Angelegenheit bat." Der 39jährige Landarbeiter Erich Kempner, Augenzeuge und Opfer der Deportation nach Auschwitz am 4. März 1943, sagte am 5. November 1963 in der Polizeidienststelle Moshaw Merchawia bei Afula in Israel folgendes aus: ".Am 28.2.1943 wurde ich in der Wohnung meines Nachbarn Heinz Masurvon einem Zivilisten verhaftet. Dieser Funktionär legitimierte sich nicht, und bis heute weiß ich nicht, wer er war und welcher Dienststelle er angehörte. An sein Aussehen kann ich mich heute nicht mehr erinnern. Er war ein junger (Fortsetzung auf Seite 13)