Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1999
- Issue
- No. 66 (1999)
- Date
- 1999-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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7 (Fortsetzung von Seite 6) Wir gingen noch zu der Wochentags-Synagoge, öffneten die Tür - welche Überraschung! Die kleine Synagoge voll mit jungen Menschen, ein Rabbiner, Chabadnik aus Amerika, betet Maariw Hawdalah und viele singen und tanzen in der kleinen Schul. Ich traf Mr. Bowes aus Florida, der sehr aktive Organisator dieses ganzen Geschehens, der mit seiner Initiative zu dieser Restaurierung des Storches und dem Denkmal für die neue Synagoge viel beigetragen hat. Auch Mr. Leo Leon (Zloczewski) aus London war da - wir alle waren Kinder aus der Rhedigerschule. Die Jugend lud uns ein , mit ihnen Melawe Malka zu feiern. In einem kleinen Raum an mit weißem Papier gedeckten Tischen saßen wir eng zusammen. Brot, Reis und Mais stand auf den Tischen, jeder bekam auch Tee. Aber mit welcher Begeisterung sangen diese Kinder, klopften den Takt auf die Tische und wiegten sich dazu. Mr. Bowes sprach die Jugend an und es wurde ins polnische übersetzt. Das begeisterte Singen wollte nicht enden und der chassidische Rabbi feuerte immer mehr an. Es war ein wunderbarer, optimistischer Abschluß nach dem nüchternen, akademischen Vormittag und dem traurigen Gang durch die Kindheit. Am gewesenen Anger, in der ul. Lakowa, standen an die 200 Menschen. Der große Platz, wo die Synagoge stand, ist ringsherum eingezäunt und verschlossen. Vielleicht sind dort polizeiliche Anlagen. Auf dem Bürgersteig eine etwas erhöhte Plattform und dort steht der Gedenkstein für die neue Synagoge und die Opfer dieser Pogromnacht mit einer Inschrift in hebräisch, polnisch und englisch. Direkt dahinter, hinter dem Zaun auf einer Baracke, die dort steht, "Jude raus" geschmiert. Der Synagogenchor, nur aus Christen bestehend, Schüler der Musikakademie in Wroclaw, sang Psalmen in hebräisch. Reden eines Mitglieds des Vorstandes der Gemeinde, eines polnischen Senators und eines Delegierten der deutschen Botschaft in Polen, der sehr aufrichtig und ohne Phrasen über die Schuld und das Verzeihen sprach. Mr. Bowes las die Grüße des Vizepräsidenten der U.S.A., Mr. Gore, an die jüdische Gemeinde vor. Ein alter Kantor sang El Male Rachamim und viele sagten Kaddisch zusammen. Obwohl meine Erinnerungen an die neue Synagoge weniger lebendig sind, als die an den Storch - ich war 10 Jahre alt, als sie brannte - war diese Feierstunde für mich sehr aufregend Einst und heute und ergreifend, vielleicht weil es auf der Straße war, mitten im normalen Straßenleben und die Synagoge wie eine Fata Morgana erschien. Eine lange Schlange von Menschen zog von dort über den Stadtgraben und Schloßplatz zum Storch. Der Hof, so traurig wie einst, mit dem grauen Häuserquadrat ringsherum, war mit großen , bunten, künstlerischen Fahnen geschmückt. Die Mittelportäle weit offen. Menschen standen auf den Gängen und nicht alle hatten drin Platz. Wieder sang der Chor Psalmen und aus der Lithurgie. Ansprachen in polnischer Sprache des Ministerpräsidenten von Polen, des Kardinals von Breslau und des Vorstehers der jüdischen Gemeinde. Die Ansprachen wurden nicht übersetzt. Die Rede des deutschen Botschafters in Polen war nicht sehr feinfühlig. Er sagte, unter anderem, daß auch sein Volk im zweiten Weltkrieg sehr gelitten hätte. Der Chor, der 1996 gegründet wurde, schloß diese Feierstunde mit einem Konzert von Ich kann Ihnen nicht genug danken für die MITTEILUNGEN No.65. Die genauen Nachforschungen, die so viele wichtige Einzelheiten enthalten, sind von kollossalem Wert - von persönlichen Empfindungen gar nicht zu sprechen. Mein Vater, Kurt Naumann, der in Groß-Strehlitz 0/S Rechtsanwalt war, gab seine Praxis freiwillig auf: "In einem Land, in dem es kein" Recht gibt, will ich nicht mehr Rechtsanwalt sein," schrieb er an das Justizministerium (er hätte sie noch 2 Jahre weiterführen können) und zog nach Breslau. Dort arbeitete er für den Reichsverband Deutscher Juden. Ich war durch meine Heirat Ungarin geworden, und konnte darum in Deutschland reisen. Ich besuchte ihn mehrere Male, das letzte Mal 1937. Damals hatte ich die Aussicht, 150 Kindern zur Auswanderung helfen zu können; ich hatte Angebote von 150 anglikanischen Priestern, die sich nicht nur verpflichtet hatten, die Kinder aufzunehmen, sondern sie auch in der jüdischen Religion zu erziehen.. Die Dame, die sich in Breslau besonders mit Kinderauswanderung beschäftigte, hatte mir eine Liste von Kindern lithurgischen Gesängen, jiddischen und israelischen Liedern. Kantor Simcha Keller sang El Male Rachamim und den Kaddisch. Es gibt in Wrocclaw auch eine jüdische Schule, die von der Ronald Lauder Stiftung unterstützt wird, aber aus Platzmangel nur 3 Klassen hat. Die jüdische Gemeinde hat ungefähr 200 gemeldete Mitglieder, aber es gäbe viel mehr Juden dort - sagte man mir. Sie haben viele Pläne, Erweiterung der Schule, einen Kindergarten und sogar Aufräumungsarbeiten auf dem Friedhof in Cosel. Aber wie die Zukunft für alle Gemeinden in Polen aussieht, kann wohl keiner Voraussagen. Ich mußte dort sein in diesen Tagen, am Anger und im Storch stehen für alle die, die nicht zurückgekommen sind. Das war ihr Vermächtnis. zusammengestellt, die besonders gefährdet waren, mit allen Dokumenten und auch Fotos. Nach meiner Rückkehr nach London brachte ich die Liste in das Woburn-House - wo mir gesagt wurde, daß jüdische Kinder nur an jüdische Familien verwiesen werden könnten! Und so habe ich nur 5 Kindern helfen können. Meine Mutter hatte einen Nervenzusammenbruch erlitten, wurde aus einer allgemeinen Klinik in ein jüdisches Krankenhaus gebracht, aus dem sie spurlos verschwand: weder mein Vater noch ich konnten ihren Aufenthalt ermitteln - bis mein Vater das Kästchen mit "ihrer" Asche empfing. Mein Vater wurde erst nach Theresienstadt deportiert, dann nach Auschwitz, und von dort in das furchtbare Vernichtungslager Maly- Trostinec. Ich habe eine Beschreibung davon, die wirklich unbeschreiblich ist... Alle diese Daten habe ich beim Internationalen Roten Kreuz in der Schweiz in Erfahrung bringen können. Ilse Sternberger-Naumann, 460 Main Street, Red Bluff CA 96080 Unsere Leser schreiben