Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1998-01-01 · No. 65 (1998) · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1998
Issue
No. 65 (1998)
Date
1998-01-01
Page
Seite 19 (sequence 1517)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/7506414-7411833-7411858--312-7411877
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

19 "ES WAR NICHTS BESONDERES" Retter von bedrängten Juden in Hitlers Reich erinnern sich: Selbst die "greifbaren" positiven Nachrichten haben in den Medien immer eine stiefmütterliche Rolle gespielt.Negativ-Sensationelles und Lautes erhält den Vorzug vor dem Stillen und Konstruktiven.Ich entsinne mich, daß die - inzwischen eingegangene - Saturday Review of Literature vor vielen Jahren aus Protest gegen diesen Tatbestand eine "Good News Column" einführte, in der ermutigende humane Ereignisse, denen die Tagesberichterstattung keine Beachtung schenkte, notiert wurden. Schwer greifbare positive Aktionen und Entwicklungen werden von den Medien kaum berührt. Wieviel Material wurde dagegen - zum Glück! - über den waffenstarrenden Terror des Holocaust gesammelt! Aber wie relativ wenig ist über seine Antagonisten, die Waffenlosen, die in vielen Ländern den verfolgten Juden beisprangen, bekannt geworden. Man versteht es, daß die Frauen und Männer, die in vielen Ländern den verfolgten Juden halfen, bekannt geworden sind. Man versteht es, daß die Frauen und Männer, die in jenen gefahrenvollen Jahren echte Humanität übten, sich ihrer Taten nicht mit Fanfarenklang rühmen wollten.Die Schreiber der Zeitgeschichte haben hier eine Aufgabe, der sie nachgehen sollten, solange Zeugen jener Jahre noch am Leben sind. Vielleicht hat der Steven Spielberg Film Schindler's Liste einen neuen Anstoß in diese Richtung gegeben.Ebenso sollte es eine vor einiger Zeit in New York erschienene Publikation tun, das Buch Rescuers - Portraits of Moral Courage in the Holocaust der Schrifstellerin Malka Drucker und der Fotografien Gay Block (mit einem Vorwort von Cynthia Ozick und einem Nachwort von Rabbiner Harold M. Schulweis. Holmes & Meier Publishers, New York - London, 255 S.) Die Autorinnen haben es sich nicht leicht gemacht. Natürlich diente ihnen Yad Vashem als Basis. Eine Reihe der dort geehrten "Gerechten" wurden von ihnen aufgesucht, interviewt und aufgenommen. Aber ihre Forschung erstreckte sich auch in anderen Richtungen. Sie bereisten acht Länder, einschliesslich USA, und führten Gespräche mit 105 Rettern. Und die Fotos sprechen nicht weniger als die Texte: Selten hat die Magie der Kamera soviel Humanität enthüllt wie in diesen Porträts (und, man muss hinzufügen, ein Verlag der Produktion soviel Sorgfalt gewidmet). Ich wußte, daß die Sache gefährlich war, erklärt ein Holländer, Bert Bochove, der mit seiner Frau eine Drogerie betrieb: "Jeden Tag konnte etwas schief gehen. Aber Furcht spürte ich nie". Seine Rettungsaktionen begannen 1942, als die Lage der Juden in den Niederlanden äußerst gefährlich wurde. Zuerst versteckte er die jüdische Freundin seiner Frau, dann deren Mann und Schwester, und da sich seine Hilfsbereitschaft herumsprach, wuchs die Zahl der Versteckten schließlich auf 37 an, und Bochove musste für sie besondere Räumlichkeiten hinter seinem Haus erstellen. Eines Tages hörten die Deutschen von der Sache, und er mußte seine Schützlinge anderswo unterbringen. Geld für ihren Unterhalt kam, so erinnert er sich, von der holländischen Untergrundbewegung. Ein anderer Holländer, John Weidner, hatte während des zweiten Weltkriegs ein Textilgeschäft in Lyon. Er und seine Freunde - vereint in einer Organisation die sich "Dutch-Paris" nannte - holten viele der von der Petain-Regierung festgenommenen Juden aus den Lagern und führten sie in die Schweiz. Über 800 Juden und rund 100 Alliierte wurden in die Freiheit eskortiert. Weidner musste seinen Namen dreimal ändern, denn er stand hoch auf der Getapo- Fahndungsliste. Einer seiner Schützlinge, Mitglied der holländischen Untergrundbewegung, den er nach Spanien geleitete und der von dort nach London gelangte, wurde dann Justizminister der holländischen Exilregierung. Natürlich gab es unerwartete Zwischenfälle: "Eines Tags hatten wir es mit einem Ehepaar zu tun. Die Frau sagte: Wir haben nichts, wir sind arme Leute". Da kamen wir über die Grenze, und die Leute haben einen Laib Brot, und die Schweizer fragen: "Was ist das?" Die Leute sagen, das ist Brot. Da greift einer der Schweizer danach und schneidet den Laib mitten durch - und heraus kommt ein Goldklumpen. Er wurde konfisziert". Aber Weidner denkt auch an den schrecklichen Tag, an dem ein Mitglied seiner Organisation von der Gestapo verhafter wurde. Dabei fiel den Nazis ein Gesamtverzeichnis der Mitglieder in die Hände, darunter der Name seiner Schwester. Die Hälfte der Mitgliedschaft, insgesamt 150, wurde verhaftet. Unter den 40, die nicht zurückkehrten, befand sich auch seine Schwester. Sie starb in Ravensbrück. Ob legal oder illegal - jeder Weg, der zum Ziel führen konnte, wurden von den Rettern eingesclhagen. Fritz Heine, der exilierte (Fortsetzung äuf Seite 20) Wenn ich heute einen Nachruf nach unserem Arje-Lutz Gradenwitz schreiben soll, ist das schwer vorstellbar, daß dieser immer so aktive, dynamische Mensch nicht mehr unter uns weilt.Noch in den letzten Wochen seines so ausgefüllten Lebens, verstand er es seine Erfahrung auf den Gebiete der Erziehung und Beratung von Eltern problematischer Kinder und Jugendlichen, anderen weiterzugeben. Viele Jahre arbeitete er im Wohlfartsministerium.Seine Sorge für die vom Schicksal nicht begünstigten Kinder und Jugendlichen war für ihn nicht nur Beruf sondern Berufung. Vielen brachte er Rat und Hilfe. Über alle diese Probleme schreibt er in seinem Buch "Über das Ringen der Jugend". Arje Gradenwitz wurde in Breslau in eine thoratreue Familie geboren .Von der Seite der Mutter war er der Enkel des berühmten Posner Rabbiner Dr. Feilchenfeld. Wie so viele religiöse Jugendliche aus Deutschland in den zwanziger Arje (Lutz) Gradenwitz s.A und Anfangs der dreissiger Jahre, welche nach Abschluss ihrer Gymnasialbildung ihr jüdisches Wissen vertiefen wollten, ging auch er an die berühmte Jeschiwa nach Mir. Arje Gradenwitz verkörperte in seiner Persönlichkeit alle die positiven Eigenschaften der Breslauer Einheitsgemeinde: Thoratreues Judentum einerseits und Toleranz anderen gegenüber andererseits und hilfsbereit für jeden. Trotz seiner körperlichen Schwäche, galt seine grösste Sorge seiner lieben Frau, die Tochter unseres unvergeßlichen Dr. Wilhelm Seew Freyhan, bei der er täglich viele Stunden verbrachte. Seine Söhne erzog er zu echten frommen Juden, welche alle zum Wohle der Gemeinschaft,in ihrer Gemeinde oder Jeschiwa, wirken. Seinen Enkeln war er ein wunderbarer Großvater und Freund. Immer aufmerksam an Geburtstagen oder anderen Feierlichkeiten, mit Besuchen und Geschenken, dies mit großer Freude. Er fehlt seiner Familie und uns Allen. Möge er ein Fürsprecher sein für uns und das ganze Volk Israel. R.P.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.