Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1998
- Issue
- No. 65 (1998)
- Date
- 1998-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 1513)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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15 Jüdisches Leben in Breslau 1938 - 1941 (Fortsetzung von Seite 14) Aufsicht der Reichsvereinigung einzuführen, was das Ende der unterschiedlichen religiösen Orientierung in der Erziehung bedeutete, ihr neuer Name war, Jüdische höhere Schule, aber die Änderung war nur dem Namen nach und nicht im Niveau und Standard der Erziehung. Die Schule am Rhedigerplatz gab immer noch Volksschul- und Gymnasialausbildung. In der Schule war eine Synagoge und ein Physiklaboratorium und im Keller und auf dem Dachboden waren Klassenräume und Werkstätten für Handwerksunterricht für junge Leute und Erwachsene, die an Handwerksunterricht interessiert waren. In den ersten Monaten des Jahres 1939 waren immer noch 579 jüdische Kinder im Schulalter in Breslau, achtzig von ihnen waren in der höheren Schule, fünfzehn bestanden ihre Reifeprüfung. Die Zahl jüdischer Schulkinder blieb ziemlich konstant, wegen der Neuankömmlinge aus ländlichen Gebieten, die die Plätze derjenigen einnahmen, die auswanderten. Im Oktober 1941, kurz vor der ersten Deportierung von Juden aus Deutschland, waren immer noch 512 Schulkinder und einundzwanzig Lehrer in siebzehn Klassen in Breslau. Im späten 1940 wurde das Schulgebäude am Rhedigerplatz beschlagnahmt und eine Zweigstelle der Hitlerjugend wurde dort eröffnet. Die Schüler hatten vierundzwanzig Stunden um die Klassenräume zu entleeren und so transferierten sie Möbel, Bücher und Material auf Handkarren in Klassenräume, die im Freundehaus und im Gemeindehaus der Wallstrasse eingerichtet wurden. Wie in allen deutschen Städten (ausser Berlin) wurde höherer Schulunterricht für jüdische Schüler in Breslau am 9. April 1941 aufgehoben. Es scheint, dass es geplant war, die talentierteren Schüler in die letzte bestehende höhere Schule in Berlin zu transferieren, aber es gibt keine Information, wie gross ihre Anzahl war, und ob der Plan überhaupt ausgeführt wurde. Jüdische Schulen in Breslau waren mehr als Studienlokale. Es bestand ein Gefühl der Gemeinschaft und Freundschaft zwischen den Lehrern, den Schülern und ihren Familien. Im September 1939 zum Beispiel wurden die Eltern mit Musik und Kunstvorstellungen der Schüler am Rhedigerplatz unterhalten. Rabbiner Hoffmann sprach bei dieser Gelegenheit über die Wichtigkeit der Gemeinschaft in diesen Zeiten, und die Eltern sprachen den Lehrern ihren Dank aus für die geschickte Anleitung der Kinder. Ein ehemaliger Schüler schrieb im Jahre 1972 über die freundschaftliche Beziehung zwischen Lehrern und Schülern. Die Lehrer versuchten, den Kindern die Möglichkeit zu geben, etwas von der Freude des Lebens zu gemessen., und die Schule wurde... "eine Oase der Toleranz, Humanität und Hilfsbereitschaft. Sie wurde gegründet um das Jüdische im Menschen zu betonen. In den Jahren ihrer Reife... hat sie das Menschliche in den Juden Breslaus zu einem einmaligen Erlebnis gestaltet." Unter den 1500 Juden, die in den Sommer und Herbstmonaten des Jahres 1941 nach Dörfern im ländlichen Schlesien verschleppt wurden, befanden sich ungefähr 100 Kinder im Alter von sechs bis sechzehn Jahren. Das jüdische Waisenhaus der Breslauer Gemeinde war schon im September 1940 evakuiert worden, einige der Kinder wurden auf dem Dach des Beate Guttmann Heims untergebracht, andere in der Krankenabteilung für Nervenkranke im Gemeindezentrum. Auf dem jüdischen Friedhof in Cosel wurde ein Stück freies Land als Spielplatz für jüdische Kinder reserviert, da es ihnen verboten war, in Parks zu spielen. Nach der Evakuierung setzten die Kinder ihren Unterricht im Lager in Tormersdorf in einem Klassenraum fort, aber es besteht keine weitere Information über ihr Schicksal oder das ihrer Lehrer. Sechsundzwanzig Schüler wurden durch einen Lehrer namens Singer in Grüssau unterrichtet und zehn Schüler durch einen anderen Lehrer namens Baruch Freier in Riebnig. Diese Klassen wurden offiziel als eine Zweigstelle der restlichen jüdischen Schule in Breslau angesehen, wie ein Bericht der Reichsvereinigung an den Erziehungsminister belegt .Späterhin wurden alle Evakuierten nach dem Osten versandt. Jüdische Erziehungsinstitutionen hörten nach dem 30. Juni 1942 in Breslau so wie überall in Deutschland auf zu existiern. Die Behörden sahen handwerkliche Unterrichtszentren für junge jüdische Leute als ein Mittel, die Emigration zu fördern. Der Abschluss bestimmter Kurse ermöglichte es, jungen Lehrlingen, Einreisevisen nach England zu beschaffen, wo sie ihren Unterricht fortsetzen konnten. Diese Institutionen setzten ihr Programm sogar nach Beginn des Krieges fort. Sie deckten auch örtliche Erfordernisse. - Kurse wurden in Breslau gegeben, die Freiwillige ausbildeten, um Menschen zu betreuen, die ans Haus gebunden waren, um ihre eigenen Bedürfnisse oder die ihrer Familien zu betreuen, oder um sich praktische Erfahrung in der Krankenpflege anzueignen. Nicht weit von Breslau war Eilgut, ein Hachscharah Zentrum für Erwachsene. Jüngere Leute wurden in Gross-Breesen unterrichtet, ein Gut, dass nicht zum Palästinaamt gehörte. Am 5. September 1941 wurden Vertreter der Reichsvereinigung durch den Gestapobeamten Richard Gutwasser davon unterrichtet, dass dieses Gut bald evakuiert werden wird. Jüdische Jugendliche wurden auch auf den Hachscharahzentren Schniebinchen und Winkel ausgebildet. Anfang des Jahres 1941 gaben Jugendaliyahgruppen Vorstellungen in jüdischen Erziehungsinstitutionen, um ihre Sache zu propagieren... in Breslau waren es Schüler der Jugendaliyah aus Schniebinchen, die eine Vorstellung gaben. Dieses Hachscharahzentrum wurde kurz danach auch geschlossen. Kulturbund, Presse und Veröffentlichungen Bis November 1938 war der Breslauer Jüdische Kulturbund mit einer Reihe von Veranstaltungen beschäftigt. Er hatte ein eignes Orchester, der Jüdische Musikverein Breslau. Örtliche jüdische Künstler gaben auch Vorstellungen. Die Theatergruppe wurde später ein Teil des jüdischen Theaters Hamburg, das in eine fahrende (Theater) Gruppe umgewandelt wurde. Die Tätigkeiten des Kulturbundes wurden durch das November Pogrom unterbrochen, aber am 28. desselben Monats wieder fortgesetzt. Alle Erwachsenenseminare wurden geschlossen und von da an war es der jüdischen Gemeinschaft nur erlaubt Femdsprachenkurse zu organisieren. Im Jahre 1939 hatte der Breslauer Kulturbund rund 2800 Mitglieder. Er organisierte Theaterveranstaltungen, die im Freundehaus stattfanden, und manchmal kamen auch Künstler aus Berlin. Meist wurde das Auditorium auch als Kino benutzt, und Filmvorstellungen waren allgemein gut besucht. Es gab auch Konzerte und leichte Unterhaltungsabende - meist in der Form eines "bunten Abends". Nachdem das Nachtausgehverbot für Juden eingeführt worden war, mussten diese als Unterhaltungsnachmittage geändert werden. Die Vorstellungen in Breslau wurden zeitweilig (Fortsetzung auf Seite 16)