Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1998
- Issue
- No. 65 (1998)
- Date
- 1998-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 1510)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Firmendämmerung Deutsche Unternehmen öffnen ihre Archive Die Bestände seien im Hagel alliierter Bomberverbände vernichtel worden. Die Rote Armee habe bei der Besetzung Ost - und Mitteldeutschlands die Archive beschlagnahmt. Die meisten Dokumente hätten das Ende des Zweiten Weltkrieges nicht überstanden. Viereinhalb Jahrzehnte wurden Öffentlichkeit und Forschung mit solchen Scheinargumenten „ abgespeist, damit nur ja nicht ans Tageslicht kam, wie tief große deutsche Konzerne in Naziregime verstrickt waren, wie schnell und freiwillig sie sich in die Dienste der braunen Herrscher gestellt haben - aus Opportunismus oder um noch größere Gewinne zu machen. Spätestens 1935 lief schließlich alles auf einen Krieg hinaus, und die dann winkenden Geschäfte wollte sich kaum jemand entgehen lassen. Einer der ersten Konzerne, die reinen Tisch zu machen begannen, war Volkswagen. Lange vor dem Ende der DDR hatte der Vorstand den deutschen Zeithistoriker Hans Mommsen beauftragt, die Geschichte des Wolfsburger Giganten aufzuschreiben - unbehindert vom Auftraggeber. Hier wollte nun die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte e.V. nachfassen. Deshalb lud sie kürzlich zu einer großen Tagung nach Frankfurt am Main ein-allerdings nicht in das schwerst belastete IG-Farbenhaus, sondern in den "Pölzig-Bau" - genannt nach dem Architekten des Gebäudes und deshalb äußerlich unverdächtig. Daß VW in Frankfurt vertreten war, wunderte niemanden. Man hat schließlich seine Hausaufgaben gemacht (Hans Mommsen: "Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im, Dritten Reich'", Econ Verlag). Der Versicherungsgigant Allianz hatte gleichfalls Repräsentanten geschickt. Auch das nicht verwunderlich. Schließlich steht Allianz seit kurzem im Fadenkreuz US-amerikanischer Anwälte. Sie bereiten ähnliche Klagen gegen deutsche Versicherungsunternehmen vor wie jene, die seit dem 31. Juli 1997 von einem Grericht in New York gegen drei Schweizer Banken geprüft werden. Allianz hat sogar mittlerweile eine weltweit funktionierende kostenlose Hotline eingerichtet, um Entschädigungsansprüche von Holocaust- Überlebenden und deren Nachkommen entgegenzunehmen. Auch Mercedes-Benz, Fiag, Strabag sowie andere und sogar die Deutsche Bank waren in Frankfurt vertreten. Bei dieser Großbank tut sich derzeit einiges. Historiker untersuchen seit kurzem die Rolle der Deutschen Bank in der NS-Zeit. Vorstandsmitglied Bernhard Walter sagte jetzt in einem Gespräch mit "TRIBÜNE-Zeitschrift zum Verständnis des Judentums" zur Geschichte dieser Bank zwischen 1933 und 1945: "Wir stellen uns ihr durchaus und verleugnen sie nicht. Jeder in unserem Hause muß zu diesem Kapitel stehen, auch wenn er der Nachkriegsgeneration angehört." Am Ende der Tagung meldeten sich beim Veranstalter mehr als 20 Firmen, die sofort ihre Archive öffnen wollen, um diese zwölf Jahre untersuchen zu lassen. Zu diesen Unternehmen gehört auch Degussa, die größte Edelmetall-Scheideanstalt Europas. Michael Jansen, der Generalbevollmächtigte von Degussa, kündigte an, zusammen mit dem Jüdischen Weltkongreß den Verbleib jüdischen Besitzes klären zu wollen. Degussa ist eines jener Unternehmen, die es jahrzehntelang den berühmten drei Affen nachgemacht haben: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Dabei spricht einiges dafür, daß Degussa Zahngold und Eheringe von Juden eingeschmolzen sowie Gold und Silber aus jüdischem Besitz gekauft hat. Degussa soll auch eng mit der Verwaltung des Ghettos von Lodz zusammengearbeitet haben - dem größten Ghetto, das es während der NS-Zeit überhaupt gab mit ungezählten Fabriken im Dienst der Wehrmacht und der deutschen Zivilverwaltung. Wer jetzt seine Archive öffnet, tut dies zwar freiwillig, aber dennoch kaum ohne moralischen Druck. Der kommt aus England und den USA und richtete sich ursprünglich gegen Schweizer Banken. Aus in London entdeckten Akten ging hervor, daß Banken in der Schweiz mit Vermögen von Holocaust-Opfern riesige Gewinne gemacht zu haben schienen. "Namenlose Konten" waren offenbar schlicht in den Besitz der Institute übergegangen. Weil Versuche eines Labour-Abgeordneten im Londoner Unterhaus, weitere Dokumente zu bekommen, am britischen Datenschutz scheiterten, wandte er sich an den US-Senat und fand in Senator D'Amato einen bereitwilligen Helfer. Sein Erfolg bei den Banken in der Eidgenossenschaft war anfangs freilich eher kümmerlich. Man könne, so hieß es in den Bankenmetropolen, keine "namenlosen Konten" finden. D'Amato ließ aber nicht locker. Er spürte Überlebende und deren Nachkommen auf die nach der Befreiung versucht hatten, in der Schweiz an eigenfes Vermögen oder das ihrer Eltern zu kommen. Vergeblich. Hin und wieder wurden sogar Totenscheine verlangt.Totenscheine aus NS- Vernichtungslager - ein Hohn. Weil alle Restitutionsversuche scheiterten, resignierten die Anspruchsberechtigten.Sie schöpften erst wieder Mut, als Schweizer Banken wegen ihrer Geschäfte mit Nazideutschland ins in - ternationale Gerede kamen. Die Vorwürfe gipfelten in der - u.U. sogar zutreffenden - Behauptung, die Schweiz habe den Zweiten Weltkrieg verlängert, weil Nazideutschland nur über die Schweiz unentbehrliche Rohstoffe wie etwa Wolfram erhalten habe. Nun geriet die Alpenrepublik ins Fadenkreuz. Die wenigen Überlebenden versuchten es noch einmal, Rechtsanwälte boten ihre Dienste an. Am 31 .Juli 1997 begann schließlich die Anhörung vor einem New Yorker Gericht. Um sich ein wenig von dem Druck zu befreien, hatten die Banken kurz zuvor weltweit in 27 Ländern eine lange Liste mit den Namen von 1 872 ausländischen Kontoinhabern veröffenticht. Die eilig und leichtfertig zusammengebastelte Liste geriet allerdings zu (Fortsetzung auf Seite 20) DIE "DEUTSCHE BANK" BEKENNT: "WIR HABEN MIT DEM GOLD DER OPFER DES HOLOCAUST GEHANDELT". Die "Deutsche Bank" veröffentlichte eine Bekanntmachung, auf Grund von aufgefundenen Dokumenten, dass die Bank im 2. Weltkrieg mit Gold ven Opfern des Holocaust handelte. Eine Kommission von Historikern kam zu dem Ergebnis, dass die "Deutsche Bank" im Laufe des 2. Weltkrieges von der "Reichsbank" 4.9 Tonnen Gold erwarb. Ein Teil dieses Goldes stammte von Juden welche in die Vernichtungslager verschickt wurden, so wie von Goldzähnen der ermordeten Opfer. Von dem Verkauf dieses Goldes verdiente die Bank 3.4 Million Dollar. Die Leitung der Bank sprach seine Reue über diese Verbrechen aus. ("Kol Israel" 31.7.98 und "Yediot Achronot" 2.8.98)