Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1998
- Issue
- No. 65 (1998)
- Date
- 1998-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 1509)
- Language
- German
- Belongs to
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1 11 EINE BEINAHE STÄDTISCHE VERWALTUNG WAAD HADAR HACARMEL 1922 - 1959 von Heinz-Werner Goldstein In der Entwicklung Haifas spielte der Waad Hadar Hacarmel eine wichtige Rolle, um eine bis dahin schlafende Kleinstadt nach dem ersten Weltkrieg zu einer modernen Handels- Hafen- und Industriestadt zu machen. Der Hadar Hacarmel, die Pracht des Carmeis, war in jener Epoche das bevorzugte Wohnviertel der jüdischen Einwohner Haifas, an den Berghängen gelegen, zwischen der unteren Stadt und den Höhen des Carmeis mit den sich langsam entwickelnden Wohngegenden. Es waren mehrere Ereignisse, die der Entwicklung der Stadt als Katalisator dienten, wobei es schwer zu sagen ist, welche den stärksten Einfluss ausübte. Es war im Jahre 1868, als die Templersekte in Würthemberg beschloss, im "Heiligen Lande1' zu leben. Die Gruppe, ungefähr 600 Personen, Bauern und Handwerker, siedelten sich ausserhalb der Kleinstadt an, die alleine durch ihre Zahl, Einfluss ausübten. Eine Statistik aus dem Jahre 1881 beziffert die Zahl der Einwohner Haifas mit 6000. Die Teilstrecke den Hedjas Bahn, Haifa-Bet Scha'an wurde 1904 in Betrieb genommen und das Grundstück für die geplante Technische Hochschule im Jahre 1909 erworben. Anfang des Jahrhunderts schrieb Herzl - diesmal als Romancier - den Zukunftsroman "Altneuland", in dem er der Stadt Haifa, die er nie besucht hatte, grosse Zukunftspläne prophezeite.... Die ersten Landkäufe um den Bauplatz des Technions begannen im Jahre 1912 durch Jehoschua Hankin und Samuel Pewsner. Im März 1914 besuchte Rothschild die Stadt. Die Gattin, Adelaide, spendete 15000 Francs für die Errichtung eines Krankenhauses. Der Fond wurde Dr. Elias Auerbach zu Verwaltung übergeben, Schabtai Levi, ein späterer Bürgermeister der Stadt, erwarb Ende April 1914 den Boden, der im Juni im Grundbuch eingetragen wurde, Ing. Josef Treidel entwarf die Baupläne. Der Weltkrieg unterbricht die Entwicklung. Hermann Struck, ein seinerzeit bekannter Maler und Kupferstecher, lässt sich schon im Jahre 1922 durch den Architekten Alexander Bärwald, dem Erbauer des Technions, auf den unbebauten und unbewohnten Hängen ein Wohnhaus errichten. Es waren schon 200 Einwohner, die am 15. Schwat, Februar 1922, eine "Agudat Hadar Hacarmel" gründeten, einen Verband in Form einer Genossenschaft, die sich einen "Waad" wählten mit einem Vorstand, der für die Geschäftsführung verantwortlich zeichnete, den "Waad Hadar Hacarmel", der zwei Jahrzehnte später, 1942, in der Geschichte der "Fünften Alija, der Einwanderungsgruppe der dreissiger Jahre, insofern eine Rolle spielte, da zu den Wahlen zu diesem "Waad" die Gruppe der "Neuen Einwanderer", "Alija Chadascha", gegründet wurde, deren Parolen bald auf das Land übersprangen, und die nach der Staatsgründung als "Progressive", dann als "Unabhängige Liberale" das politische Leben einige Jahren mitbestimmten. Bald nach der Gründung stellte sich heraus, dass der "Waad" mehr Aufgaben zu übernehmen hatte, als nur eine Cooperative für die Trinkwasserversorgung zu sein. An den Wahlen konnten nur die Wohnungsinhaber teilnehmen, die eine Wasseruhr auf ihren Namen hatten und nicht die seinerzeit vielen Untermieter. In dem Faltblatt, das der "Waad" im Februar 1 959 veröffentlichte zeigt man die Abschlussbilanz, nachdem die Aufgaben, aber auch die Anlagen und der Grundbesitz durch die Stadt übernommen wurden. Es wurden nicht nur die Strassen aufgezählt, die durch die lokale Gruppe asphaltiert und unterhalten wurden, der Waad errichtete als sicherlich erste lokale Gemeinschaft kurz vor Beginn des Weltkriegs, 1939/40, eine moderne Markthalle, die durch die breiten Eingangstreppen und den fensterreichen Aussenwänden im Volksmund "Gemüseoper" genannt wurde.und bis heute ihre Aufgabe erfüllt. Das Kulturzentrum, Bet Pewsner, mit Vortragsräumen und einer gut ausgestattenen öffentlichen Bibliothek, wie eine 10 Dunam grosse Grünfläche, der "Gan Benjamin", heute noch der grösste Park in dem Bezirk. Der "Magen David Adom" erhielt eine Unterkunft für seine Dienste wie die "Freiwillige Feuerwehr" die seinerzeit durch Initiative der Kreise der "Fünften Alija" geschaffen wurde, ein öffentliches Badehaus, Kindergärten und Schulen, und Heime für Jugendbünde, um nur einige der aufgezählten Institutionen zu nennen. Das Wappen des Stadtviertels trägt im Kopf eine skizzenhafte Wiedergabe des Techniongebäudes, und das wird so als Auslöser für die Besiedlung des Gebietes angesehen, darunter in grosser Schrift mit gut lesbaren hebräischen Lettern "Hadar Hacarmel", dann ist das Schild diagonal geteilt, an der rechten Seite, angedeutete Häuser, die dunkle Querlinie durch angedeutete Bäume aufgehellt, darunter Meereswellen. Die Bewohner des seinerzeit grössten Stadtviertels erhielten fast alle städtischen Dienste durch diese Gruppe. Für die Einwanderer der dreissiger Jahre wie für die, die zu Beginn der fünfziger kamen, stellte der Hadar Hacarmel eine Art Auffangsbecken dar. Während der Bezirk 1932 noch - oder nur - 9000 Einwohner zählte, stieg die Zahl 1934 auf 15000 an, und bis 1938, die letzte vor dem Krieg angegebene Statistik, auf 32900, aber im Jahre 1957 waren es 65000, die in 1762 Häusern mit 25360 Zimmern lebten, dass im Durchschnitt 2,56 Personen in einem Raum wohnten, oft junge Familien mit Kind/Kindern, was auf eine grosse Bevölkerungsdichte hinweist wie auf die Bescheidenheit der Einwohner jener Tage. GERHARD SALINGER: HINTERPOMMERN (Fortsetzung von Seite 10) Rabbiner dort. Die Gemeinde erreichte ihren Höhepunkt um 1893 mit etwa 600 Mitgliedern, aber 1925 zählte sie um 270 Seelen.Ein jüdisches Kurhospital mit eigener Solquelle wird 1874 errichtet mit 12 Betten, durch ständige Erweiterung standen zuletzt 120 Betten zur Verfügung. Die Synagoge wurde in der Pogromnacht zerstört, die Leichenhalle des Friedhofs in einen Stall umgewandelt, und aus dem Kurhospital eine Kohlenhandlung. Die alphabetisch angeordnete Aufstellung beginnt mit Altdamm, wo 'Juden 1481,die Siedlungserlaubnis durch den Herzog Bogislaw X. erhielten, 22 in Pommern, darunter neun in Altdamm, 1492 wurden sie zur Auswanderung gezwungen, und erst 1849 werden wieder 77 angegebene 905 unter 6800 Einwohnern 53 Juden. Nach Zanow, kam die erste der jüdischen Familien 1736, dreißig Jahre später, waren es schon zwei, 1812 lebten dort 22 Personen, zwischen 1880 und 1925 lebten in Zanow fünf bis sieben jüdische Familien, für die eine naheliegende Gemeinde, Köslin, zuständig war. Heute haben die Orte andere Namen, die nach 1945 angesiedelte polnische Bevölkerung weiß nichts von den ehemaligen Einwohnern, die dort seit dem frühen 19. Jahrhundert lebten und einen Teil der Bevölkerung ausmachten. Man muss bewundern, daß es Gerhard Salinger, der heute in New York lebt, gelungen ist, die Berichte zusammenzustellen. Er bemüht sich, weiteres Material zu sammeln und seiner Heimatprovinz eine würdige Erinnerung zu widmen. Aber aus der Aufstellung können wir lernen, daß auch im Norden Deutschlands, in Hinterpommern, Juden lebten und ein jüdisches Leben, ein Gemeindeleben, wie sie es verstanden, führten, sehr oft ohne Rabbiner und ohne Lehrer und Kantor. Beim Durchblättern der Seiten des Sonderdrucks wird uns eine Halbprovinz im Rückspiegel vorgeführt, mit der sich die jüdische Geschichtsforschung eingentlich kaum beschäftigt hat, Hinterpommern. - hwg -