Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1998
- Issue
- No. 65 (1998)
- Date
- 1998-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 1508)
- Language
- German
- Belongs to
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TORMERSDORF-GRUSSAU-RIEBNIG Durchgangslager der'Juden Niederschlesiens in den Jahren 1941 -1943. von Alfred Conieczny Nachdem durch Gesetz vom 30. April 1939 der Mieterschutz der Juden im Dritten Reich aufgehoben wurde, begann in ganz Deutschland eine eigenartige Ghettoisierung der jüdischen Bevölkerung. Im Herbst 1940 erstreckte sich diese Maßnahme auch auf Niederschlesien und hier vor allem auf die Provinzhauptstadt Breslau. Die Synagogengemeinde Breslau, die zu dieser Zeit noch ca. 10 tausend Mitglieder zählte, wurde durch die NS Behörden zunächst zur Umquartierung zahlreicher Familien in sogenannte Judenhäuser gezwungen, um diese aus dem Stadtzentrum zu entfernen und zugleich Wohnungen für deutsche Bürger frei zu machen. Diese Lösung fanden NSDAP Gauleitung, Gestapo und Grundstücksverwaltung der Stadt Breslau schon nach wenigen Monaten als unzureichend. Im Mai-Juni 1941 verfügte die Verwaltung die Beschlagnahme zahlreicher jüdischer Grundstücke; eingereichte Beschwerden der Synagogengemeinde wurden vom Regierungspräsidenten abgelehnt. Die N S D A P - G a u I e i t u n g ging im Zusammenwirkung mit der Gestapo zu einer breit angelegten Ausweisungsaktion vieler jüdischer Familien aus Breslau und anderer Städte Niederschlesiens über. Für die Betroffenen bedeutete dies eine Zwangsumsiedlung in sogenannte jüdische Wohngemeinschaften, die als zeitweilige Aufenthaltslager vor der baldigen Abschiebung in die Vernichtungslager anzusehen sind. In Niederschlesien wurden drei derartige Lager errichtet und zwar in der durch die Gestapo beschlagnahmten Brüdergemeinde Zoar in Tormersdorf in der Oberlausitz, im ebenfalls beschlagnahmten Zisterzienserkloster Grüssau bei Landeshut und im ehemaligen RAD-Lager in Riebnig bei Brieg. Nach Tormersdorf wurden Anfang Juli 1941 zunächst die Insassen des Breslauer Beate Guttmann Heimes überführt. Ihnen folgten nach drei Juden-Wohnungsaktionen in Breslau vom 31. Juli, 16.August und 6. September 1941 zahlreiche Familien aus Schlesiens Hauptstadt, später auch aus anderen Städten, wie Glogau, Görlitz, Lauban. Insgesamt wurden nach Torrrfersdorf ca. 550-600 Personen umgesiedelt, von denen 527 dem Namen nach ermittelt werden konnten. Nach Grüssau gelangten die ersten Breslauer Juden am 5. Okober 1941. Weitere Transporte trafen hier bis zumindest November 1942 ein. Die Gesamtzahl der Lagerinsassen kann mit ca. 960 angenommen werden: Personalien konnten lediglich von 796 festgestellt werden. Das Lager Riebnig wurde Anfang 1941 in Betrieb genommen. Bis März 1943 wurden hier zumindest 517 Personen eingewiesen. Insgesamt fanden ca. 2000 niederschlesische Juden in den Wohngemeinschaften eine vorübergehende zwangsweise Unterbringung. Die Wohngemeinschaften wurden als Zweigstellen der Breslauer Synagogengemeinde angesehen, an deren Spitze ein unter ständiger Kontrolle der Gestapo stehender Lagerleiter stand. Diesem wurden Verwaltungskräfte, Lagerärzte, Pfleger u.ä. beigegeben. Den Aufenthalt der Insassen und deren Versorgung regelten besondere Lagerordnungen, die u.a. auch ein striktes Ausgehverbot vorsahen. Bei der Zwangsumquartierung wurde in gewissem Maße die Mitnahme von Möbelstücken, Einrichtungsgegenständen, Betten und Kleidung erlaubt. Die Transport- und Aufenthaltskosten fielen dabei den Betroffenen zur Last: zusätzlich zahlte die Synagogengemeinde der Breslauer Bevor wir uns dem Thema widmen, die Aufzeichnungen, die Geschichte der 44 Klein- und Kleinstgemeinden, mit Ausnahme der Regierungshaupstadt Stolp, wo noch bis zuletzt ein Rabbiner amtierte, müßen einige Erklärungen vorweggeschickt werden: Hinterpommern, der Teil depehemaligen Provinz Pommern östlich der Oder, war auch für die Juden Deutschlands ein kaum beachteter Begriff, vielleicht mit Ausnahme Kolbergs, das See- und Solbad, das von den Juden Berlins gerne besucht wurde, aber wer achtete schon auf den Namen der an der Eisenbahnstrecke liegenden Orte. Die Zusammenstellung, die Gerhard Salinger, der schon 1991 eine längere Untersuchung über seine Heimatstadt Stolp im Eigenverlag veröffentlichte, erschien als Sonderdruck der Zeitschrift -"Haskala", Wissenschaftliche Abhandlungen, vom Moses Mendelsohn-Zentrum für europäisch-jüdische Grundstücksverwaltung eine monatliche Entschädigung in Höhe von 10 RM pro Person. Die Insassen waren vorwiegend ältere Personen (ca. 63% von ihnen hatten bereits das 60. Lebensjahr überschritten), die für einen Arbeitseinsatz nicht mehr in Frage kamen und somit als Belastung der Sozialfürsorge und Grundstücksverwaltung angesehen wurden. Die festgestellte Altersstruktur der Insassen ließ eine organisierte Beschäftigung außerhalb der Lager nur in begrenztem Ausmaß zu; die erarbeiteten Löhne wurden dabei den Zweigstellen und nicht den Arbeitern übermittelt. Die Lebensbedingungen waren in allen drei Lagern äußerst schlecht - die Wohnungen überfüllt und in den Wintermonaten nicht beheitzt, die Versorgung unzureichend, dazu kamen psychische Belastungen. Dies führte zu vielen Erkrankungen und auch Todesfällen. Allmählich wurden auch die niederschlesischen Wohngemeinschaften in die "Endlösung der Judenfrage" einbezogen, was die Abschiebung der Insassen in die Vernichtungslager bedeutete. Bei fast 1700 Personen gelang es das jeweilige Deportationsziel festzustellen - 1050 wurden nach Theresienstadt, 546 "nach dem Osten" und 98 nach Auschwitz evakuiert. Die Befreiung bei Kriegsende erlebten lediglich 24 der nach Theresienstadt überstellten Juden. Studien und dem Salomon Ludwig Steinheim- Institut für deutsch-jüdische Geschichte, Band 15 (p. 37-75), Georg Olms Velag, Hildesheim, Zürich, New York. Rückblickend gesehen war es eine wechselvolle Geschichte der Landsjudenschaften, kleine Gruppen in noch kleineren Orten, Landstädten, von denen nicht viel überliefert wurde. In fast allen Orten konnte sich die Zahl der jüdischen Einwohner seit dem ersten Drittel des 19. Jarh. vergrössern, aber mit dem Ausgang des vergangenen Jarh. begann die Abwanderung, in einem der Orte zur Schließung der Syngoge nach dem 1. Weltkrieg in den frühen zwanziger Jahren, in anderen fand kein regelmäßiger Gottesdienst statt. \Da wir das Bad Kolberg erwähnt haben, soll die Geschichte der Juden auch erwähnt werden. Juden werden erstmalig 1408 erwähnt bis 1510, dann erst wieder seit 1840. Von 1860 wirkten (Fortsetzung auf Seite 11) GERHARD SALINGER: JÜDISCHE GEMEINDEN IN HINTERPOMMERN