Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1998
- Issue
- No. 65 (1998)
- Date
- 1998-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 1502)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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4 Jüdisches Leben in Breslau 1938 - 1941 (Fortsetzung von Seite 3) Holzkisten und danch die Möbel zum Heizen benutzen müsste. Drei Tage später schrieb er, dass er an Lieferungstagen für die "arische" Bevölkerung, Kohle von den Strassen aufklauben konnte. Eineinhalb Jahre später am 14. September 1941 bekamen die Cohns fünf Zentner Kohle. Sie konnten diesen Vorrat wahrscheinlich nicht voll nutzniessen, denn kurz danach kamen Leute um sich ihre Wohnung anzusehen, und Cohn sprach seine Befürchtung aus, dass sie weg müssen. Es ist warscheinlich, dass er und seine Familie nicht lange nach diesem Ereignis deportiert wurden. Willy Cohn notierte jede neue Diskrimination und Verfolgung seit 1940 in seinem Tagebuch. 30. Januar I940: Juden müssen Reiseerlaubnis einhohlen. 27. März I940: Friseurbedienung ist nur bis neun Uhr morgens gestattet. 14. Juni 1940 Ausländische Post muss persönlich ins Postamt gebracht werden. 20. Juni I940 Es ist Juden verboten auf öffentlichen Bänken zu sitzen.(Nur drei Monate vorher, am 1. April bemerkte Cohn, dass es am Strand noch ein paar Bänke gibt, wo Juden sich ausruhen können.) 29. Juli I940: Es gibt kein Obst für Juden. 2. November I940: Ein Kreisler wurde auf die Polizei befohlen, nachdem er denunziert worden war, dass er Cohn's Frau Obst verkauft hat. Plötzlich wurden die banalsten Sachen wichtig und bemerkenswert genug um im Tagebuch vermerkt zu werden. Man kann fast Cohn's Freude fühlen, als er Bänke entdeckte, wo es Juden erlaubt war am Strand zu sitzen und seine Enttäuschung drei Monate später, als das auch verboten wurde. Manche diskriminiesenden Massnahmen gingen von den Lokalbehörden aus. In Breslau, zum Beispiel, war der Verkauf von Obst an Juden verboten, während in Hamburg Juden es noch kaufen konnten. Die Leute versuchten sich zu arrangieren aber fürchteten sich dauernd vor der Zukunft. Im Juni 1941 wurde das Beate Guttmann-Heim für Armeezwecke beschlagnahmt und die Einwohner nach Tormersdorf in Schlesien übersiedelt, wo sie in verfallenen Gebäuden einquartiert wurden, die früher als Irrenhäuser benutzt wurden. Im späten August 1941-griff eine Gruppe der Hitlerjugend das Gemeinschaftsgebäude an und brach alle Fensterscheiben. Cohn nahm an, dass sich der Antisemitismus im Verhältnis zu den Verlusten an der Front steigern würde. Die Reaktionen waren unterschiedlich, als Juden den gelbenen Stern am 19. September 1941 tragen mussten. Der Oberarzt des jüdischen Krankenhauses, Dr. Siegmund Hadda erinnerte sich an mündliche Beschimpfungen, während Cohn in seinem Tagebuch vermerkte, dass der Stern die Nichtjuden nicht zu beeindrucken schien und sie vielleicht sogar etwas verlegen machte. Cohn dokumentiert diese Ereignisse in einer nüchteren Weise, die sie sehr glaubwürdig machen. Es ist sehr einfach, den Einfluss von Gerüchten auf sein - und auch anderer Leute - Verhalten zu bemerken. Im Oktober 1940 wurden ungefähr 6500 Juden aus Baden und dem Palatinat ins unbesetzte Frankreich deportiert und im Gurs Konzentrationslager eingekerkert. Bald danach schrieb Cohn über das Vorbereiten von Koffern im Falle einer möglichen Ausweisung. Er hatte auch eine sehr individuelle Einstellung bestimmten Problemen gegenüber: Als er von dem bevorstehenden Gesetz des Tragens des gelben Sterns hörte, schrieb er, dass der Bibliothekar der Dombibliothek ihm versicherte, er könnte seine Forschungsarbeit dort weiterführen. Er zeigte einen Galgenhumor als er den gelben Stern "Orden pour le semite" nannte. Cohn, und wahrscheinlich auch andere, klammerten sich an jedes Zeichen und Gerücht über eine mögliche Änderung zum Besseren. Gegen Ende September 1941 schreibt er über die feindlichen Graffiti gegen Hitler in öffentlichen Toiletten, und dass er es “symptomatisch" fand. Er erwähnte auch verschiedene Gerüchte über Revolte aber" es wird noch eine Menge Terror geben, bevor dieses Regime verschwindet". Die wirtschaftliche Situation der Juden in Breslau war der der Juden anderswo in Deutschland ähnlich. Cohn vermerkte, dass sein Bankkonto gesperrt war, gemäss eines Gesetzes, das die freie Verfügung von Geldern beschränkt, die von Juden eingezahlt worden waren. Die Überführung jüdischen Besitzes in arische Hände (Arisierung), die in ganz Deutschland durchgeführt wurde, und die nach dem November Pogrom beschleunigt wurde, ' wurde von den lokalen Behörden oder in manchen Orten von einer besonderen Organisation bewerkstelligt. Es bestehen keine Unterlagen, die es vermuten lassen, dass solch eine Organisation in Breslau bestandt. Der gesteigerte diskriminierende Steuereintrieb bis zur endgültigen Beschlagnahmung und Deportation war besonders hart für Einzelne zu ertragen. Es wurde klar, dass die Behörden jüdischen Besitzt als einkassierbare Gelder betrachteten. Zusätzlich zu den Regierungs- und Ortssteuern mussten die Juden Gemeindesteuern zahlen, die für die Unterhaltung der Dienstleistungen der jüdischen Gemeinde lebenswichtig waren. Früher kassierte der Staat diese Steuern ein, zu einer Rate von 15%, aber seit dem 28. März 1938, als die jüdischen Gemeinden ihren Status als öffentliche Körperschaften verloren, mussten die jüdischen Behörden Steuern selber eintreiben und hatten keinen Zugang zu den Einschätzungen des Finanzamts. Die eigene Einschätzung der Gemeinde verursachte Reibereien und Streit. Das jüdische Nachrichtenblatt veröffentlichte zuweilen Hilfsappelle zum Zahlen der Gemeindesteuern und bat um Spenden für verschiedene Zwecke. Anfangs 1939 prüfte die Gestapo die finanziellen Angelegenheiten und fand einen reichen Juden, dessen Steuereinschätzung zu niedrig war im Vergleich zum Wert seines Besitzes. Er wurde verhaftet und erst freigelassen, nachdem er eine höhere Steuer bezahlt hatte. Das war als Warnung zur vollen Steuerzahlung für Juden gedacht. .Gemäss des jüdischen Nachrichtenblatts vom Februar 1939 mussten jüdische Emigranten Synagogensteuern zusätzlich zu allen anderen Zahlungen leisten und eine zusätzliche Reichsfluchtsteuer von 10 % für die Auswanderung. Ende 1940 wurde den Juden befohlen zusätzlich 15% ihres Einkommens zu bezahlen, dieselbe Steuer, die auch polnische Zwangsarbeiter zu bezahlen hatten. Diese enorme Besteuerung verschlang den letzten Rest jüdischen Kapitals und die meisten Juden verarmten volkommen. Schon im Jahre 1939 schrieb Dr. Mark Wischnitzer, ein Abgeordneter des American Jewish Joint Distribution Committee in seinem Bericht "Nachdem alle die Obligationen und Steuern bezahlt worden sind, verbleiben die Emigranten volkommen verarmt und diejenigen, die ohne Unterhalt und ohne Arbeit sind, verfallen den privaten Wohlfahrtsinstitutionen. Während des Juni 1939 wurde den 200 reichsten Mitgliedern der Gemeinde befohlen, 20% ihres Kapitals zu zahlen, um für die Emigrationskosten der Armen beizutragen. 1,5 Millionen Reichsmark wurden auf diesem Wege einkassiert. Andere Quellen behaupten, dass sie nur 10% bezahlen mussten, aber wie immer die genaue Summe sein mochte, bemerkte (Fortsetzung auf Seite 5)