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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1998-01-01 · No. 65 (1998) · p. Seite 3

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1998
Issue
No. 65 (1998)
Date
1998-01-01
Page
Seite 3 (sequence 1501)
Language
German
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3 Jüdisches Leben in Breslau 1938 - 1941 (Fortsetzung von Seite 2) Feiern von enormer Wichtigkeit. Cohn erwähnte in seinem Tagebuch, mit offensichtlicher Freude, wie vier Kinder seine kleine Tochter zu ihrem Geburtstag besuchten, und dass auch Aufwartung geboten wurde, was eine ungewöhnliche Situation zu jener Zeit war. Später im Jahre 1939 erzählte eine jüdische Besucherin aus Berlin ihren Bekannten, dass man noch immer jüdische Damen auf dem vornehmen Kurfürstendamm mit "make-up" sehen konnte. Ein Jahr später bemerkte jemand, dass die Juden in Breslau auf den ersten Blick kaum wiedererkennbar waren - sie waren mager und bleich und trugen abgenutzte Kleider. Am Jom Kippur 1939 wurde jüdischer Gottesdienst nur für Jugendliche in der Rhedigerplatz Schule erlaubt, während ein Gottesdienst für 150 Lehrer und Beamte der jüdischen Gemeinde im Repräsentanten-Saal des Gemeindehauses abgehalten wurde. Besitzern von Radioapparaten wurde befohlen, sie am selben Tag abzuliefern, keine einfache Aufgabe bei Berücksichtigung des Gewichts der Radioapparate zu jener Zeit. Die Beamten an den Sammelstellen benahmen sich grob und Hessen die Leute warten. Einen hörte man sagen, dass er sich übel fühlte, lediglich Juden anzuschauen. Cohn schrieb in seinem Tagebuch über die antisemitische Atmosphäre auf den Strassen und wie er und seine Frau mit Schimpfworten angeschrieen wurden. Bei anderen Gelegenheiten notierte er andere Eindrücke wie zum Beispiel das anständige Verhalten von manchen der Beamten und das Fehlen antisemitischer Beleidigungen von seitens Nachbarn in den Luftschutzkellern im Spätsommer 1940. Normales Benehmen unter anderen Umständen war damals schon bemerkenswert geworden. Die Bevölkerung von Breslau zeigte unterschiedliche Einstellungen gegenüber der jüdischen Bevölkerung. Es gab auch bestimmt anständige Bürger, aber die nationalsozialistische antisemitische Art des Benehmens wiegte vor. Willy Cohns Tagebuch gibt uns eine besondere Aussage und Einsicht in die allgemeine Atmosphäre. Cohn, ein Historiker und ehemaliger erfahrener Lehrer, hatte bis auf die ganz letzten Tage vor seiner Deportation enge Kontakte mit Forschern und Gelehrten in der katholischen Kirche in Breslau, deren Geistliche und Beamte ihm freundlich gegenüber standen. Er erwähnte den Empfangsbeamten in der Dom-Bibliothek, der ihm und seiner Familie von Zeit zu Zeit zusätzliche Lebensmittel lieferte, die anderweits für Juden nicht zur Verfügung standen. Ein älterer Friseur, ein Mitglied der NSDAP rasierte Cohn gewöhnlich, bis er zum örtlichen Parteihauptquartier im Mai 1941 befohlen wurde und gerügt wurde für freundliches Benehmen gegenüber Juden. Ein junges jüdisches Mädchen erinnerte sich an ihre Zwangsarbeit des Schneeschaufelns von den Strassen und an das anständige Verhalten des Aufsehers, der ihr erlaubte, sich von Zeit zu Zeit an einem Ofen zu erwärmen. Dass diese kleinen freundlichen Gesten bemerkt wurden, bestätigt, dass sie die Ausnahmen waren. Nach dem 16. September 1939 war es Juden verboten, Taxis zu benutzen, und Cohn konnte am Begräbnis seiner Mutter nicht teilnehmen, die am Tage zuvor verstorben war. Polnische Juden, die im Oktober 1938 nicht ausgewiesen worden waren, oder denen es erlaubt wurde nach Deutschland zurückzukehren, wurden verhafted und am 5. Oktober nach Polen deportiert. Am 21. Oktober wurde Juden befohlen, ihre alten Rationskarten vorzuweisen, und diejenigen, deren Karten ohne die obligatorischen Namen ‘Israel* oder ‘Sarah* waren, wurden mit 150 Reichsmark bestraft. Die Gemeinde musste diese Strafe für die Armen zahlen. Die Meisten der "Sünder" waren alte Leute, die vergessen hatten, ihren neuen Namen einzutragen und sie wurden mit 30 Reichsmark bestraft.. Drei Monate später, als die Gestapo diesen Vorgang wiederholte, wurde eine alte siebzigjährige Dame geschnappt und mit einer Strafe von 300 Reichsmark oder Deportation nach Dachau bedroht. Nachdem sie es unterlassen hatte, die Strafe der Gemeinde rechtzeitig mitzuteilen, versuchte sie Selbstmord zu verüben. Erst dann lernten die Gemeindebeamten von der Aktion der Gestapo und zahlten die Strafe. Ungenügende Nahrungsmittel waren ein Problem für jeden aber besonders für die Juden, da ihnen ein Teil der regulären Rationen verweigert wurde. In Breslau gab es eine Reihe von Lebensmittelgeschäften, Fleischern und Molkereien, wo Juden einkaufen konnten, aber nur zu bestimmten Stunden. Im September 1939 war es ihnen erlaubt, Lebensmittel zwischen elf und zwölf Uhr dreissig morgens und Fleisch zwischen fünf und sechs am Abend einzukaufen. Demonstranten vor den Fleischerläden schrieen "Juden brauchen kein Fleisch. Chaserfleisch nur für Deutsche und nicht für Juden". Von Zeit zu Zeit erwähnte Cohn in seinem Tagebuch die Schwierigkeit Nahrungsmittel zu bekommen.. Er kaufte Süssigkeiten für seine kleine Tochter an einem Automat, denn sie wurden in Geschäften an Juden nicht mehr verkauft. Zwei junge Damen, die Auschwitz überlebten, erinnerten sich nachher an den Mangel an Nahrungsmitteln in Breslau vor ihrer Deportation. In der Tat waren die besonderen Probleme, die Juden im Rahmen des allgemeinen Mangels an Produkten während des Krieges hatten um Nahrungsmittel zu bekommen, ein Anzeichen für die ernsten Probleme, die sie hatten, um überhaupt das Notwendigste zum Leben zu bekommen. Nahrungsmittel mussten so oder so beschafft werden, und Leute, denen es unmöglich war, sie selber zu beschaffen, mussten Verwandte oder Freunde bitten, für sie einkaufen zu gehen oder sie mussten Arbeitslose bezahlen, um es für sie zu tun. Die meisten Berichte oder Erinnerungen, die die Arbeitsbedingungen und das Verhalten der Nichtjuden beschreiben, betonen den Mangel an Lebensmitteln mehr als das feindliche Verhalten der "arischen" Mitarbeiter. Es gab auch Fälle, in denen freundliche Leute sei es Nachbarn oder Kollegen oder auch einfache Passanten Juden ein Stück Brot oder einen Apfel schenkten. Das waren Ausnahmen, die aber die allgemeinen Bedingungen nicht bessern konnten. Gegen Ende 1939 wurden Juden die Rationskarten für Kleidung und gleich danach auch für Stoffe, Schuhe und Schuhsohlen entzogen. Diese mussten vom Gemeindebekleidungswarenhaus bezogen werden oder gebraucht gekauft werden. Es wurde ihnen erlaubt, Nähmaterial für zwanzig Pfennig einmal in drei Monaten zu kaufen. Das Warenhaus wurde von Emigranten oder zurückgebliebenen Juden beliefert, die alle ihre Anzüge bis auf zwei abliefern mussten. Die nichtjüdischen Aufseher nahmen meist die besseren Stücke für sich. Man kann sich vorstellen, wie die Leute aussahen: hungrig, dünn und bekleidet mit einem der zwei Anzüge, die für Alltag so wie auch als Arbeitskleidung dienen mussten. Manchmal waren sie auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Der Mangel an Heizmaterial vergrösserte die Not., besonders in Breslau , wo der Winter enorm kalt ist. Cohn erwähnte in seinen Tagebüchern, dass Juden nicht immer ihre Kohlenration erhielten und am 15. Februar 1940 schrieb er, dass er bald (Fortsetzung auf Seite 4)

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