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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1998-01-01 · No. 64 (1998) · p. Seite 22

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1998
Issue
No. 64 (1998)
Date
1998-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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22 Jüdisches Unternehmertum in Schlesien (Fortsetzung von Seite 21) Huldschinsky auch die 1870 durch Rudolf Pringsheim gegründete Ferrum Aktiengesellschaft umfaßte. Generalkonsul Eugen Landau war eine der vielseitigsten jüdischen Unternehmerpersönlichkeiten. 1852 zu Breslau in die Bankiersfamilie Landau geboren, absolvierte er zunächst Lehrjahre im väterlichen Breslauer Bankhaus, dann bei dem Bankunternehmen C. Müller & Co., damals Berliner Filiale der Mitteldeutschen Kreditbank, sowie bei dem Bankhaus L. Behrens & Söhne in Hamburg. Nach dem Studium an den Universitäten Berlin und Bern trat er als Prokurist in die väterliche Firma ein, deren Teilhaber er später wurde. Die ersten Kontakte zur Wirtschaft hatte Eugen Landau bereits 1873 geknüpft. In jenem Jahr nämlich war er, mithin als 21jähriger, zum Direktor der Rechte-Oder-Ufer- Bahngesellschaft bestellt worden, d.h. desjenigen Unternehmens, das am 1. Dezember 1856 die Konzession zum Bau einer Eisenbahn von Oppeln über Vossowska nach Tarnowitz erhalten hatte und das durch Bestätigungsurkunde vom 13.November 1865 die Bezeichnung Rechte-Oder-Ufer- Bahngesellschaft erhielt. C.Wollheim war einer der bedeutendsten Händler mit oberschlesischer Steinkohle. Die Entwicklung seines Kohlenhandels ist in engem Zusammenhang mit der des Kohlengroßhändlers Emanuel Friedländler zu sehen, der die erste Kohlengroßhandlung, die Firma Emanuel Friedländer & Co., im oberschlesischen Beuthen gründete. Caesär Wollheim begann nämlich seine Tätigkeit als Repräsentant Friedländers in Berlin, wo er sich eingehende Kenntnisse von den dortigen Marktverhältnissen erwarb. Darauf gründete er eine eigene Firma, die sich unter der Betreuung durch Eduard Arnhold zu einer der Maßstäbe setzenden Kohlengroßhandlungen entwickelte Als Caesar Wollheim 1883 starb, wurde Amhold, der übrigens zu einem Vertrauten Kaiser Wilhelms II. avancieren sollte, Inhaber und Leiter des Wollheimschen Handelsunternehmens. Daneben wirkte er im Aktionärsausschuß des Berliner Kassen- Vereins, den außer ihm nur Bankiers bildeten. Überraschen kann dieser Tatbestand nicht, denn Arnhold war ein versierter Kenner des Geldgeschäfts, was die Hinweise auf seinen Werdegang deutlich machen, wenn auch nicht der Art wie sein Bruder Max, der 1864 in Dresden das Bankhaus Gebr. Arnhold gründete, das 1918 auch in Berlin das aktive Bankgeschäft aufnahm. Die Firmen Emanuel Friedländers und Caesar Wollheims waren die unbestrittenen Beherrscher zumal des schlesischen Steinkohlenhandels, nachdem die Kohle infolge der industriellen Entwickelung sowie des Baus der Eisenbahnen, beide Steinkohlegroßverbraucher, aber auch wegen ihrer zunehmenden Verwendung in den Haushalten, eine immense Nachfrage erlebte. Der 1814 als Sohn eines Kaufmanns geborene Caesar Wollheim ging etwa 1840 von Laurahütte nach Berlin, wo er sich zunächst im Warenhandel engagierte, und zwar erfolgreich. Nach dem der Bedarf Berlins an Steinkohle 1852 auf 1 Million t pro Jahr geschätzt worden war, wandte er sich dem Kohlengroßhandel zu. Seine Entscheidung hat man klug und weitsichtig insofern zu nennen, da die Schätzungen von 1852 davon ausgingen, daß "der Verbrauch an schlesischen Kohlen ungemein ansteigen werde". Ob er oder Emanuel Friedländer der bedeutendste Händler mit schlesischer Kohle war, muß dahingestellt bleiben. Unstrittig ist hingegen, daß sie die beiden führenden Händler mit dem Massengut Kohle waren mit Berlin als einem ihrer Geschäftsschwerpunkte, jedoch keineswegs dem einzigen. Wie die Mehrzahl der bereits genannten jüdischen Unternehmer, so war auch Caesar Wollheim weitgehend in die preußische Oberschicht integriert. Auffälligste Merkmale der Angehörigen dieser Schicht waren Rittergutsbesitz, Reserveoffizier in einem der feudalen Regimenter, Mitglied eines exklusiven Korps oder Klubs sowie Träger von mancherlei Titeln und Orden. Hingewiesen sei auch darauf, daß vor dem 1 .Weltkrieg eine nicht geringe Zahl arrivierter jüdischer Unternehmer ein beeindruckendes gesellschaftliches Leben entfaltete. Das bedeutendste und glänzendste Gesellschaftszentrum bildete der Kreis um den vielseitigen Unternehmer Eduard Arnhold und seine Frau. Berühmt war die Kunstsammlung des Geheimrats Arnhold, die im wesentlichen Meisterwerke der Renaissance und des Impressionismus umfaßte. Neben dem produzierenden Gewerbe und dem Handel gehörte das Bankwesen zu denjenigen Betätigungsfeldern, auf denen schlesische Juden sich besonders intensiv und erfolgreich engagierten. Hierzu boten sich seit Beginn der Industrialisierung Schlesiens hervorragende Mögichkeiten, da der Kapitalbedarf der Unternehmer, aber auch die Ausgaben für die Gestaltung der Infrastruktur, enorm waren. Übersehen werden aber dürfen auch nicht die Leistungen der bedeutenden Münz- und Hofjuden vor dem Industrialisierungprozeß, vor allem die im Dienste Friedrichs d.Gr. wirkenden. An der Gestaltung der vorindustriellen Phase Schlesiens bzw. der Zeit von etwa 1740/63 bis 1825/30 hatten sie hervorragenden Anteil. Für die schlesischen Privatbanken war zunächst charakteristisch, daß sie ihre Aktivitäten vor allem auf das Warenkommissions- und Speditionsgeschäft konzentrieten. Angesichts der Rolle, die der Leinwand- und Wollmarkt in Schlesien spielten, kam dem Handel mit diesen Produkten große Bedeutung zu. Dabei stand Breslau als Hauptumschlagplatz für Leinen und Wolle im Vordergrund. Daher begann das 1819 in der schlesischen Hauptstadt aearündete iüdische Bankhaus E. Heimann - sein Gründer war der gebürtige Breslauer Ernst Heimann (1798- 1867) - seine Tätigkeit mit Geld- und Wechsel- sowie mit Textil- und Zinkgeschäften. Ein wesentlicher Teil seiner Aktivitäten resultierte aus dem Effektenkommissionsgeschäft. Zu einer wesentlichen Erweiterung des Bankgeschäfts führte der Eisenbahnbau, da Heimann an der Finanzierung von Eisenbahngesellschaften in beträchtlichem Umfang beteiligt war. Sie erfolgte unter der Leitung von Ernst Heimanns Sohn Heinrich (1821-1902), eine der maßgebenden Persönlichkeiten des Breslauer Wirtschaftslebens im 19. Jahrhundert. Zunächst beteiligte er sich an der Finanzierung der Oberschlesischen Eisenbahn, deren Entstehung er von ihren Anfängen an begleitete. Auch der bedeutenden Niederschlesisch-Märkischen Bahn galt sein finanzielles Engagement. Heinrich Heimanns Aktivitäten als Bankier verdeutlicht auch die Tatsache, daß er Österreichische Bankaktien an der Breslauer Börse einführte und den Breslauer Börse- und Aktienverein gründete. Außerdem war er an der Gründung bedeutender Industrieunternehmen beteiligt, darunter die "Vereinigte Königs- und Laurahütte A.G." sowie die "Hohenlohe A.G." im oberschlesischen Revier. Eine bedeutende Erweiterung erfuhr das Bankhaus nach der Jahrhundertwende, denn 1910 gliederte es sich an das ebenfalls in Breslau ansässige Bankhaus Dobersch & (Fortsetzung auf Seite 23)

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