Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1998
- Issue
- No. 64 (1998)
- Date
- 1998-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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21 Jüdisches Unternehmertum in Schlesien (Fortsetzung von Seite 20) zu den großen Gestaltern der Eisenindustrie Oberschlesiens, sondern war ebenfalls Mitgestalter von bedeutenden Verbandsgründungen. So war er einer der Initiatoren des Verbandes Oberschlesischer Walzwerke und des Deutschen Walzwerks- Verbandes, in dem neben den Walzwerken Oberschlesiens auch die Mittel-, West- und Süddeutschlands zusammengeschlossen waren. Während Oscar Caro seine Aktivitäten vor allem in Oberschlesien entfaltete, waren die Georgs in erster Linie auf das Eisenhandelsgeschäft zu Breslau gerichtet, dabei tatkräftig unterstützt durch Leo Lustig, den Oscar und Georg Caro als Sozius in die M.I.Caro & Sohn aufgenommen hatten. Leo Lustig wurde durch sie beauftragt, die oberschlesische Eisenindustrie zur Sicherstellung des Absatzes um eine leistungsfähige Handelsorganisation zu ergänzen. Lustig erledigte diesen Auftrag mit Bravour. Er stand dem 1337 gegründeten "Schlesische(n) Handelsverein" vor. In ihm waren fast alle maßgebenden Großhandelsunternehmen Ost- und Mitteldeutschlands vereinigt, insofern sie überwiegend oberschlesische Walzwerkserzeugnisse vertrieben. Dank seiner Tätigkeit sah man sich seitens des Großhandels zum erstenmal in die Lage versetzt, nicht nur den Absatz zu regeln, sondern auch die einzelnen P ro d u z e n t e n g r u p p e n zusammenzuführen. In dieser Tatsache dokumentiert sich eine außergewöhnliche Leistung Leo Lustigs. Einen wichtigen Einschnitt in seiner unternehmerischen Tätigkeit markiert das Jahr 1910, denn vor allem dank seiner Bemühungen konnten damals der "Schlesische Handelsverein" und die Ravene-A.G. zusammengeschlossen werden. Leo Lustig avancierte dadurch zu einem der Spitzenmanager des Eisengroßhandels. Ebenfalls 1910 wurde er zum Leiter der Deutschen Eisenhandels-A.G., des größten Eisenhandelskonzerns Deutschlands, berufen. Mehr als 20 Jahre, die überwiegend turbulent verliefen, stand er an seiner Spitze. Turbulent waren die zwei Jahrzehnte insofern, als nach nur vier Jahren einer ruhigen Entwicklung der 1. Weltkrieg ausbrach, dem die Inflationszeit und nach einer relativ günstigen Phase im Anschluß an die Inflation die Weltwirtschaftskrise folgte. Als er 1930, im 70. Lebensjahr stehend, von seinem Posten als Generaldirektor der Deutschen Eisenhandels A.G. zurücktrat, wirkte er als Vorsitzender des Aufsichtsrats weiterhin für das Unternehmen, was in der Zeit, da die Weltwirtschaftskrise ihrem Höhepunkt zusteuerte, diesem nur zum Vorteil sein konnte. Doch nur zwei Jahre später, 1932, ehe die Krise überwunden war, starb Leo Lustig. Inwieweit ihm, dem gebürtigen Breslauer, der Handel mit Osteuropa, der jahrhundertelang durch die schlesische Metropole vermittelt wurde, am Herzen lag, geht nicht zuletzt daraus hervor, daß das an der Universität Breslau errichtete Osteuropa-Institut zur Förderung der Handelsbeziehungen mit den östlichen Ländern wesentlich den Bemühungen Leo Lustigs zu verdanken war. Die Anerkennung seiner Verdienste fand ihren Ausdruck in der Verleihung des Titels eines Kommerzienrats durch den Kaiser und des Doktor ehrenhalber durch die Universität Breslau. Zu den effektivsten, gleichwohl nur wenig bekannt gewordenen Unternehmerfamilien Oberschlesiens jüdischer Herkunft gehören die Huldschinskys. Im Jahre 1866 war durch Salomon Huldschinsky gemeinsam mit Albert Hahn das Röhrenwerk S. Huldschinsky & Co. auf einem Gelände an der Kronprinzenstraße in Gleiwitz gegründet worden. Vom Jahre 1867 an produzierte es als erste Anlage Oberschlesiens stumpfgeschweißte schmiedeeiserne Rohre und Fittings. Nachdem Hahn 1 870 aus dem Unternehmen ausgeschieden war, wurde es von Salomon Huldschinsky allein weitergeführt. Anfangs 80er Jahre traten Edwin und Oskar, die Söhne des Gründers, in die Firma ein. Als ihr Vater bald darauf starb, firmierte sie als S.Huldschinsky & Söhne. Zu ihrer treibenden Kraft wurde Oskar Huldschinsky. Unterstützung fand er bei seinem Cousin Bendix Meyer, einem außerordentlich begabten Techniker und talentierten Betriebsdirektor. Wenngleich Bendix Meyer wegen Meinungsverschiedenheiten mit Oskar Huldschinsky 1893 aus dem Unternehmen ausschied, so fungierte er doch weiterhin als sein technischer Berater. Nachdem Edwin sich 1894 aus der Firma zurückgezogen hatte, wurde Oskar ihr alleiniger Inhaber. Noch im gleichen Jahr wandelte er sie in eine Aktiengesellschaft um. Verbunden war mit der Umwandlung der Huldschinsky-Werke in eine Aktiengesellschaft ihr weiterer Ausbau, wodurch man sich einmal vom Bezug der Rohrstreifen von fremden Werken unabhängig zu machen beabsichtigte, sodann durch Weiterverarbeitung und Veredelung des Eisens ein weitumfassendes Erzeugungsprogramm zu gewinnen trachtete. Im Jahre 1898 erfolgte eine Erhöhung des Aktienkapitals der Huldschinsky'schen Hüttenwerke Aktiengesellschaft von drei auf zwanzig Millionen Mark. Dadurch wurden die finanziellen Voraussetzungen für die geplante Erweiterung der Produktionsanlagen geschaffen. Unermüdlich wurde an der Verfeinerung der Stahlproduktion bei Huldschinsky gearbeitet. Im Jahre 1900 kam es zur Errichtung einer 3000 t-Schmiedepresse, die zur Herstellung ganz schwerer Schmiedestücke eingesetzt wurde. 1901 installierte man eine automatische Schweißanlage sowie ein Bandagewerk. Im gleichen Jahr konnte eine neue Abteilung für die Produktion von Eisenbahnmaterial ihren Betrieb aufnehmen. Die Huldschinsky'sche Hüttenwerke AG umfaßte um 1 904 das wohl vielfältigste Produktionsprogramm sämtlicher Unternehmen Oberschlesiens. Daher mußten umfangreiche Mengen Rohstahl für die Weiterverarbeitung von fremden Werken angekauft werden. Dies führte zu der Erwägung, entweder ein neues, großes eigenes Stahlwerk zu errichten, oder aber sich mit einem schon bestehenden Stahlproduktionsbetrieb, das Rohstahl in ausreichender Menge zu Verfügung stellen konnte, zusammenzuschließen. Weil auf dem Gelände der Huldschinskywerke kein Platz für den Bau eines leistungsfähigen Stahlwerks verfügbar war, wurde - so die offizielle Version - der Vorschlag des Vorstandsmitglieds der Oberschlesischen Eisenbahnbedarfs AG, Rudolf Hegenscheidt, sehr positiv aufgenommen, Huldschinsky "Oberbedarf" anzugliedern. Im Zusammenschluß der beiden Unternehmen erkannte man nämlich eine Ergänzung, die notwendig und sinnvoll erschien da der neue Konzern von erheblicher Wirtschaftskraft sein werde. Mit "Billigung und Gutheißung" der Generalversammlungen der beiden Gesellschaften wurde die Vereinigung von Huldschinsky und "Oberbedarf" am 25. Januar 1905 vollzogen. Bis zum Ausbruch des 1.Weltkriegs 1914 erlebten die Huldschinskywerke als ein Bestandteil von ''Oberbedarf" eine Erweiterung von erheblichem Unfang. Im Frühjahr 1918 belief sich die Belegschaft der im Verband von "Oberbedarf" auf den Huldschinsky'schen Produktionsbetrieben Beschäftigten auf mehr als 9.000. Hingewiesen sei darauf, daß die Oberschlesische Eisenbahnbedarfs-A.G. außer (Fortsetzung auf Seite 22)