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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1998-01-01 · No. 64 (1998) · p. Seite 20

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20 Jüdisches Unternehmertum in Schlesien (Fortsetzung von Seite 19) Ost-Oberschlesiens an Polen 1921 umfaßte der jüdische Bevölkerungsteil Schlesiens noch 40.022 Personen (1925). In diesen Zahlen kommt überzeugend die Attraktivität zum Ausdruck, die Schlesien als Industrie- und Handelsstandort ausübte. Dabei kam dem oberschlesischen Revier und Breslau eine besondere Bedeutung zu. Dementsprechend lebten in Breslau 1849 7.384,1871 13.916 und 1880 17.543 Juden. Die Rolle, die Posener Juden im jüdischen Leben der schlesischen Hauptstadt spielten, verdeutlicht die Tatsache, daß Abraham Berliner, Heinrich Graetz, Israel Lewy, Markus Brann, Leo Baeck, Ismar Elbogen, Moritz Lazarus, Rudolf Mosse und Lesser Ury von dort kamen. Der relativ hohe Anteil von Juden auch am Wirtschaftsleben Schlesiens kann daher nicht verwundern, was die bisherigen Ausführungen klar erkennen lassen. Es kann nicht übersehen werden, daß Oberschlesien und Breslau als Schwerpunkte des schlesischen Wirtschafstlebens, aber auch des jüdischen Gesellschaftslebens, nicht nur die meisten, sondern auch die bedeutendsten Wirtschaftsführer hervorgebracht hat. Unbestritten ist, das Fritz Friedländer zu den bedeutendsten I nd ustriemag naten Oberschlesiens und darüber hinaus Deutschlands und Europas gehört. Fritz Friedländer war der Gründer eines Konzerns, der Kohle und, auf ihr aufbauend, die Kohlechemie umfaßte. Hervorgegangen war der Konzern aus der Kohlegroßhandlung Emanuel Friedländer & Co., die Fritz' Vater Emanuel gegründet hatte. Die Kohleveredelung erfolgte auf den Anlagen der "Oberschlesische(n) Kokswerke und Chemischen Fabriken" in Gleiwitz, die 1884 gegründet worden waren. Was die Kohlegewinnung durch Friedländer betraf, so erfolgte sie in erheblichem Umfang im Rybniker Revier auf den Gruben "Emma", "Johann-Jakob" und "Anna". Zusammengefaßt waren die Gruben in der "Rybniker Steinkohlengewerkschaft". Der Abbau wurde auf der Basis neuester technischer Erkenntnisse unter Berücksichtigung sozialer Grundsätze vorgenommen. Das Ausmaß des durch Fritz Friedländer geschaffenen Industrieimperiums verdeutlichen die folgenden Feststellungen: "Oberkoks" vermochte sich nach allen Seiten auszudehnen. Spezielle Bedeutung erlangten die in Hamburg errichteten Norddeutschen Kohle- und Kraftwerke. Friedländer diente dieses Unternehmen dazu, britische Kohle nach Deutschland zu importieren, um daraus Koks und Kohlenebenprodukte herzustellen. Im Jahre 1888 begann er damit, sich über die Reichsgrenze hinweg nach Osten auszudehnen. Mit Unterstützung der Berliner Handelsgesellschaft, deren Verwaltungsrat er angehörte, gründete er mit einem Aktienkapital in Höhe von 2 Millionen Mark die "Russische Montan-Industrie A.-G.". Ihr, die für die Eisenindustrie in Rußland Koksöfen baute, folgte 1900 der Auf- und Ausbau der "Russische(n) Eisenindustrie A.-G.". Beteiligt waren an ihr neben Fritz Friedländer Georg Caro, Carl Fürstenberg, Gerson Bleichröder und Walther Rathenau. Begleitet waren die unternehmerischen Initiativen in Rußland von weiteren Aktivitäten in Deutschland. Sie fanden ihren Ausdruck in der Gründung der "Braunkohlen- und Brikett-Industrie-A.-G." im Jahre 1900, die sich unter dem Kürzel "Bubiag" zu einem der bedeutendsten Braun kohlen untern eh men Deutschlands entwickelte, besonders unter der Leitung Wolf Ziteimanns. Mit der Gründung der Bubiag wurde die Absicht verfolgt, die Braunkohlenförderung in den ostelbischen Regionen zu betreiben, vor allem auf der Grundlage der elektrizifierten Großraumförderung. Nachdem Friedländer auch in Österreich- Ungarn Kohlen- und Eisenstützpunkte erworben hatte, ließ er durch "Oberkoks" auch in den Vereinigten Staaten eine Tochtergesellschaft gründen. Fritz Friedländer, der nur 59 Jahre alt wurde - er starb im Kriegsjahr 1917-ist bedauerlicherweise dem Gedächtnis der Nachwelt kaum verhaftet geblieben. Friedländers Leistung als Konzerngründer und Konzernlenker fand im kaiserlichen Deutschland die entsprechende Resonanz und Anerkennung. Wilhelm II. verlieh ihm nicht nur den Titel eines Geheimen Kommerzienrats, sondern ebenfalls das erbliche Adelsprädikat. Darüber hinaus erfolgte seine Berufung in das Preußische Herrenhaus, die 1. Kammer im preußischen Landtag. Neben Fritz v.Friedländer-Fuld darf die Breslauer Familie Caro den entscheidenden Förderern der oberschlesischen Wirtschaft zugerechnet werden. Während Friedländer vor allem die Kohlechemie als Produktionszweig des Reviers initiierte und entwickelte, wurde durch die Caros insbesonders die Eisenindustrie dort gefördert. Schon seit 1807 hatten sie sich mit dem Verkauf von handelsüblichem Eisen befaßt. In jenem Jahr nämlich war durch Moritz I. Caro die Eisengroßhandlung M.I.Caro & Sohn zu Breslau gegründet worden. Sein 1819 geborener Sohn Robert, der das Unternehmen seines Vaters weiterführte, begann im Revolutionsjahr 1848 im sechs Kilometer von Gleiwitz entfernten Laband, das sich seit dem Bau der Eisenbahn Breslau-Oppeln-Laband- Gleiwitz-Schwientochlowitz zu einem Industrieort entwickelte, auf dem Grund und Boden eines alten Hammerwerks mit dem Bau einer Hütte, die er nach dem Namen seiner Frau Herminenhütte nannte. Robert Caros Werk wurde nach seinem Tod 1875 von seinen beiden Söhnen Oscar und Georg fortgeführt. Im Jahre 1883 erwarben sie die Hochofenanlage Julienhütte zu Bobrek, ferner die Moritzhütte. Mit den genannten Erwerbungen hatten sich die Caros im wichtigen und zukunftsträchtigen oberschlesischen Zentralrevier engagiert. In den Erwerbungen von Oscar und Georg Caro sowie ihrer Beteiligung an der Heinrich Kern & Co. erschöpften sich deren Aktivitäten nicht. In 1886 nämlich wurden die Julienhütte, die Herminenhütte sowie die Baildonhütte bei Kattowitz unter der Firmenbezeichnung "Oberschlesische Eisen-Industrie- Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb" vereinigt. Generaldirektor der Gesellschaft, die am 1. Januar 1887 ihren Betrieb aufnahm und ein bedeutendes Unternehmen des Reviers darstellte, wurde Oscar Caro. Zum gleichen Zeitpunkt wurde auch die Heinrich Kern & Co. mit dem Drahtwerk Hegenscheidt zur "Oberschlesischen Drahtindustrie A.G." vereinigt. Am 1. Januar 1889 schließlich schlossen sich die beiden Gesellschaften zur "Oberschlesische(n) Eisenindustrie A.G. für Eisenhüttenwesen und Bergbau" zusammen. Stärke und Bedeutung der nunmehrigen Firma werden deutlich, wenn man feststellt, daß sich ihr eine Reihe weiterer Produktionsbetriebe anschloß, so das Blechwalzwerk Silesia in Paruschowitz bei Rybnik sowie die Stahl- und Eisenwarenfabrik zu Königshuld bei Oppeln, die 1795 durch Friedrich d.Gr. gegründet worden war. Oscar Caro, der seit 1889 neben Rudolf Hegenscheidt Generaldirektor der "Oberschlesische(n) Eisenindustrie A.G. für Eisenhüttenwesen und Bergbau" gewesen war, trat 1905 von der Leitung des Unternehmens zurück, um den Vorsitz in dessen Aufsichtsrat zu übernehmen. Oscar Caro, der 1931 starb, gehört nicht nur (Fortsetzung auf Seite 21)

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