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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1998-01-01 · No. 64 (1998) · p. Seite 19

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1998
Issue
No. 64 (1998)
Date
1998-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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Jüdisches Unternehmertum in Schlesien (Fortsetzung von Seite 18) sich die schlesischen Textilhersteller außerstande, ihre Betriebe mit mechanischen Webstühlen auszurüsten. Wenn der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands im 19.Jahrhundert trotz dieser Schwierigkeiten eines der größten und bedeutendsten Textilproduktionszentren innerhalb seiner Grenzen in Schlesien entstehen ließ, so war dies maßgeblich den unternehmerischen Initiativen ebenso versierter und engagierter wie risikobereiter Unternehmerpersönlichkeiten zuzurechnen. Hier ist neben Männern wie Sadebeck und Milde, die die Unternehmen Dierig, Fränckel und Kramsta emporbrachten, Salomon Kauffmann zu nennen, der die Firma Meyer Kauffmann zusammen mit seinen Brüdern Julius, Robert und Wilhelm zu einem Großunternehmen entwickelte. Am 6. Januar 1824 hatte der aus Frankfurt/Oder stammende Geschäftsmann Meyer Kauffmann den Bürgerbrief der Stadt Schweidnitz erhalten. Dort betrieb er zunächst in dem am Ring gelegenen Haus "Zur Waage" ein Einzelhandelsgeschäft in Weißwaren, Uhrmacherartikeln sowie Galanterie- und Kurzwaren. Erwähnenswert erscheint, daß der am 11.Dezember 1824 geborene älteste Sohn der Kauffmanns, Salomon, sich später mit Dankbarkeit seiner Lehrer und gerne seiner Mitschüler erinnerte, Söhnen aus Offiziers- und Beamtenfamilien, "unter denen es damals keine konfessionellen Reibungen gab". 1839 trat Salomon in das väterliche Geschäft ein. Als die Kauffmanns am 1.Oktober 1841 eine Kommandite in Breslau einrichteten, übernahm Salomon ihre Leitung. Die Geschäftsentwicklung der Firma Kauffmann im Verlauf des 19. Jahrhunderts mögen die folgenden Fakten verdeutlichen: Um den Betrieb auszudehnen, wurde ein Kredit in Höhe von 5.000 Talern aufgenommen. Er ermöglichte es, die Mißernte des Jahres 1847 sowie den Notstand in Oberschlesien, der seinen wohl schlimmsten Ausdruck in der Hungertyphusepidemie fand zu überwinden. Die ebenso komplizierte wie schwierige Lage auch noch zu Beginn der 50er Jahre lassen die folgenden Tatsachen deutlich werden: Anläßlich einer Reise zur Weltausstellung in London im Jahre 1851, wo das Unternehmen Produkte seiner Jaquardweberei ausgestellt hatte - sie waren auf Handwebstühlen in Produktionsanlagen der Firma zu Wüstewaltersdorf hergestellt worden -, hatte Salomon Kauffmann nicht nur die Überlegenheit der britischen Produkte, sondern auch die Art ihrer Fertigung mit modernen Maschinen anerkennen müssen. Das hatte ihn veranlaßt, zunächst die originelleren britischen Waren zu imitieren, sodann zur mechanischen Weberei überzugehen. Bereits Ende 1852 konnte die erste mechanische Weberei auf der Gottschaikschen Bleiche zu Bannhausen in Betrieb genommen werden. Meyer Kauffmann schied 1853 aus der Firma aus. Die Jahre der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts waren durch eine zwar langsame, aber stetige Aufwärtsentwicklung der Firma geprägt. Mit Sorge betrachtete man bei Kauffmann die Einverleibung Elsaß- Lothringens in den deutschen Staatsverband im Anschluß an den deutsch-franzözischen Krieg, denn dadurch wurde das im Elsaß ansässige Textilproduktionszentrum, eines der wichtigsten Frankreichs und darüber hinaus Europas, zu einem noch schärferen Konkurrenten der schlesischen Textilindustrie als es dies bisher schon gewesen war. Der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands seit dem deutsch-französischen Krieg jedoch, der positive Auswirkungen bis in die breiten Volksschichten .hinein zeigte und damit die Absatzchancen in erheblichem Umfang vergrößerte, gab der deutschen Textilindustrie in ihrer Gesamtheit erheblichen Auftrieb. Zu den wesentlichen Merkmalen dieser Epoche gehört die Industrialisierung Deutschlands. Wie rasant sie sich vollzog, wird daran erkennbar, daß das deutsche Kaiserreich das bei seiner Gründung 1871 noch weitgehend ein Agrarstaat war, sich an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, also nur knapp drei Dezennien später, anschickte, die erste Industriemacht der Erde zu werden und damit Großbritannien aus dieser Position, die es etwa 150 Jahre innegehabt hatte, zu verdrängen. Der Ruf deutscher Produkte und Industrieerzeugnisse war inzwischen quantitativ und qualitativ den durch die britische Konkurrenz produzierten Waren überlegen. Daher war bereits durch die Merchandise Marks Act von 1887 das "Made in Germany" für die nach den britischen Inseln eingeführten deutschen Waren vorgeschrieben worden. Vor dem Hintergrund dieses Prozesses sowie Stimungslage hat man auch den weiteren Ausbau des Unternehmens Kauffmann zu sehen: 1888 wurde die Firma N. Reichenheim in Wüstegiersdorf, die 1845 gegründet worden war, erworben. Zwischen 1890 und 1900 konnte Kauffmann zu einer der größten Unternehmungen der schlesichen Textilindustrie und einem angesehenen Gliede der erstarkten Industrie heranwachsen. Salomon Kauffmann, dem schwere Schicksalsschläge nicht erspart blieben - vor allem trafen ihn der frühe Tod einer Tochter und des einzigen Sohnes sowie der beiden in der Firma mitarbeitenden Brüder Julius und Robert schwer -, hat mit seinem Können und seiner Kraft nicht nur seiner eigenen Firma einen eindrucksvollen Aufschwung ermöglicht, sondern auch durch seine Mitgliedschaft im Vorstand des Breslauer Börsen-Aktien-Vereins, im Aufsichtsrat der Firma Kramsta und der Laubaner Tonwerke der gesamten schlesischen Wirtschaft wichtige Impulse zu geben vermocht. Für den am 21. August 1901 verstorbenen Salomon Kauffmann galt zeitlebens als Motto, was sich in einem seiner Briefe verzeichnetfindet: "Dem Menschen ist die Hiesenautgaoe geworden, uns selbst und das, was uns umgibt, die Natur, immer mehr zu erforschen und jedem einzelnen die Pflicht, nach seinen Kräften, so groß oder so klein dieselben sein mögen, an dem Glück seiner Mitmenschen mitzuarbeiten und aller selbstsüchtigen Gefühle Herr zu werden". Man darf davon ausgehen, daß nicht wenige jüdische Unternehmer von den gleichen Auffassungen her für ihr Wirken und den daraus sich ergebenden Erfolgen, aber auch Möglichkeiten, motiviert wurden, für die das Emanzipations-Edikt von 1812 eine wichtige Voraussetzung geschaffen hatte. Übersehen werden darf aber auch nicht die räumliche Nähe zur Provinz Posen bzw. die hierher auf Schlesiens Juden wirkenden Einflüsse. Die dortigen Juden nämlich bildeten ihrer alten geistigen Tradition wegen ein besonderes Element innerhalb der deutschen Judenheit, resultierend aus dem ebenso starken wie kontinuierlichen Einfluß der talmudischen Tradition in der Provinz Posen, der zumindest bis 1850 währte. Das erscheint um so erstaunlicher, wenn man feststellt, daß die jüdische Bevölkerung Posens 1850 75.000 Personen umfaßte und von diesem Zeitpunkt an auf nur noch 25.000 im Jahre 1910 fiel, wogegen sie in Schlesien ihren höchsten Stand 1880 mit 52.682 Peronen ereichte, um von diesem Zeitpunkt an zwar zurückzugehen, jedoch nicht wesentlich, denn im Jahre 1910 waren es 44.985. Selbst nach der Abtretung (Fortsetzung auf Seite 20)

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