Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1998-01-01 · No. 64 (1998) · p. Seite 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1998
Issue
No. 64 (1998)
Date
1998-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/7506414-7411833-7491688--285-7411850
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

17 DER MAHARADSCHA AUS GERMANY (Fortsetzung von Seite 16) Fluesse zaehlen unter den Maechtigsten der Erde, nur zu vergleichen mit dem gelben Fluss, dem Amazonas und dem Missisippi. Die Bergregionen erinnern an Suedseevegetation. Ich komme gerade aus den Teagardens, die im Nordosten des Landes an die beruehmten indischen anschliessen. Die Bangladeschis sind dort die Herren. Die Arbeit erledigen Maenner und Frauen aus Indien, die dort von den Briten angesiedelt und wie Leibeigene gehalten wurden. Da sie angbeblich mit dem Wort Botschafter nichts anzufangen wussten, wurde ich ihnen ohne mein mein Wissen als "Maharadscha aus Germany" vorgestellt, mit groesstem Erfolg. Sie kamen alle, um mir die Fuesse zu kuessen, was ich, obwohl hoechst betreten, nicht abwehren durfte, ohne sie zu beleidigen. Am Abend wurde dann zu meinen Ehren getanzt. Dazu kamen einige schon angheitert: als Hindus duerfen sie Alkohol trinken und tun dies auch ausgiebig, angeblich von den Englaendern einst dazu sogar ermuntert. Sie stellen sich selbst Reiswein her. Apropos Alkohol: auch viele der Moslems schaetzen einen guten (lieber noch: scharfen) Tropfen und machen daraus auch keinen Hehl. Diplomaten sind nicht zuletzt deshalb beliebt, weil sie, trotz eines allgmeinen Verbots, Alkohol einfuehren koennen. Bangladesch, Ostbengalen, war urspruenglich wohl buddhistisch, dann hinduistisch. Es hat sich unter der Herrschaft der Mogulen bereitwillig dem Islam ergeben, da dieser das Kastenwesen abschaffte. Eine religioese Toleranz ist bewahrt, die allerdings auf unterer Ebene anders praktiziert wird als in der Stadt. Sie kann bei bestimmten Ereignissen (etwa Muslimunterdrueckung in Indien) in Hass umschlagen. Man kann sich vorstellen, dass dieses Land Reisenden frueher als Paradies erschien. Selbst mit den oft orkanhaft hereinbrechenden Naturgewalten hatte man sich arrangiert: einerseits mit Fatalismus (aber gepaart mit Lebensmut), zum anderen dadurch, dass man die marginalen, von Sturmflut und Fluessen bedrohten Gebiete nicht besiedelte. Selbst in den siebziger Jahren gab es erst halb soviel Menschen hier wie jetzt, und es ist die Menschenflut, die das eigentliche Problem schafft. Gottseidank geht die Regierung in aufgeklaerter Weise, mit unserer Hilfe und mit Erfolg dagegen an. Gegen Armut und Analphabetismus tuen viele etwas. Die Geber und Hilfsorganisationen reichen sich die Hand. Das Land kann garnicht alles verkraften. Weltweit nachgeahmte Modelle sind aber hier auch in Eigenregie von den doch zahlreich vorhandenen Menschen .entwickelt worden, die sich engagieren. So werden z. B. Kinder bezahlt, damit ihre Eltern sie in die Schule gehen lassen (statt zu arbeiten) und ein Prof. Junus hat die Idee gehabt, dass auch Arme Kredite brauchen und sie zurueckzahlen werden. Er hat Millionen von Haushalten mit der notwendigsten Ausstattung zum Erwerb - und damit mit Hoffnung-versorgt. Seine Bank ist inzwischen ein Milliarden $ Unternehmen. Er wird in ueber 30 Laendern nachgeahmt. Gerade diese Woche.hat ihn die spanische Koenigin besucht. Frueher war schon Mrs Clinton hier. Es gibt unendliche Armut in diesem Lande. (Fortsetzung von Seite 8) der Verwaltung verwandt, der Rest für die oben geschilderte Verwendung nach dem Kriege reserviert. Die letzten Arisierungsmaßnahmen, die ich in Breslau feststellen konnte, beziehen sich auf das Jahr 1943. Damals haben die Breslauer Verwaltungsbehörden die Liquidierung der letzten jüdischen Werkstätten und Dienstleistungseinrichtungen befohlen. Im Jahre 1941 haben noch ca. 50 derartige Betriebe gewirkt, Mitte 1943, am Vortag der endgültigen Auflösung der Synagogengemeinde Breslau, nur noch sehr wenige. Gerade damals wurden Ich werde oft gefragt: Wie haeltst du das aus? Ich lebe privilegiert und werde von der Armut nicht direkt beruehrt. 50 Botschaften am Ort (z. T. bis 400 Personen stark), die vielen auslaendischen Helfer, eine Reihe von Clubs fuer Auslaender, Tennis, Golf koennen einen vergessen machen, wo man lebt. Die taegliche Arbeit wird einem von Butlern, Fahrer, Gaertnern abgenommen. Von hier aus kann man das uebrige Asien bereisen. Man kann die Augen verschliessen. Aber man muss nicht. Denn eines habe ich mit Erstaunen gesehen: trotz Armut gibt es hier eigentlich wenig A g g r e s s i v i t a e t und viel Lebensfreude. Ich stelle auf die obige Frage oft zur Verwunderung des Fragenden fest: ich sehe hier mehr lachende Gesichter als in Deutschland. Der Autor dieses Artikels ist der deutsche Botschafter in Bangladesch und ehemaliger deutscher Generalkonsul in Wroclaw (Breslau). als die letzten davon die Steppdeckennäherei der Cecilie Bild, der Putzdienst der Ernestine Brock, die Sockenstopferei und ähnliche Einrichtungen der Cecilie Neumann, der Nancy Kaiser und der Irmtraud Silbermann, die auch Krankenpflegerin war, arisiert. Es waren die allerletzen Dienstleistungsbetriebe der jüdischen Bürger von Breslau. Sie wurden im Zusammenhang mit dem Abschluß der Massendeportationen nach Auschwitz und Theresienstadt Mitte 1943 geschlossen. (Aus: "Geschichte der Juden in Schlesien im 19. und 20. Jahrhundert", Stiftung Schlesien, Münster) Die "Arisierung" des jüdischen Vermögens in Schlesien 1933-1945

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.