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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1998-01-01 · No. 64 (1998) · p. Seite 15

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1998
Issue
No. 64 (1998)
Date
1998-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 Die neue Beschäftigung mit dem Dritten Reich in Deutschland (Aus einem Vortrag bei einem Treffen des Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier). Von Dr. Yehuda Ben-Avner. Vor einigen Jahren beschäftigte man sich in Deutschland viel mit der Thematik des Historikerstreits. Dieses Thema ist mehr oder weniger dem Vergessen anheimgefallen. Nun geschah es aber, dass einer oder mehrere der Historiker, die die Schoah als triviales Kriegsgeschehen ansahen und sie mit anderen Geschehen, speziell in der Stalinistischen Sowjetunion verglichen und auch ihr Ausmass bezweifelten, sich den Extremisten anschlossen, die die Schoah überhaupt ableugneten. So ist also der sogenannte Geschichtsrevisionismus stärker geworden. a Das betrifft natürlich vorwiegend eine Schicht von Intellektuellen. Deutschland hat aber andere Probleme, die weitere Bevölkerungsschichten betreffen. Als die "Wende" kam und mit ihr die Wiedervereinigung Deutschlands, waren bei uns die meisten sehr erregt und befürchteten einen gefährlichen Aufstieg Deutschlands zur Weltmacht. Ich war damals der Meinung, dass die Wiedervereinigung Deutschland auf lange Zeit wirtschaftlich und gesellschaftlich schwächen würde. Dass das richtig war, hat sich deutlich bewiesen. Der finanzielle (Fortsetzung von Seite 14) teueren Unterkunft. Unser Sinn hat uns nicht getäuscht, ein Jude sagt es klar, dass unsere Sprache verrate, dass wir keine Wiener sind, und jetzt kommen so viele aus dem Reich, die man in Wien nicht haben will. Hier hilft das Vorzeigen der Mitgliedskarte einer jüdischen Organisation, ein Zimmer zu finden.Ungewollt erhielten wir damals einen Anschauungsunterricht. In jenen Jahren bestanden in Österreich zwei Welten, das sozialdemokratische Wien und die reaktionären Landkreise, die zwei Jahre später 1934, blutig zusammenstossen, als der "Schutzbund“ der Sozialdemokraten vernichtet wird, die Wiener Stadtverwaltung abgesetzt. Damit wurden die Weichen gestellt, die das Schicksal Österreichs 1938 entscheiden. Schade ist nur, dass die Politiker, Intellektuelle, und alle die, die sich als klug und welterfahren bezeichneten, keine Rucksackwanderungen unternommen haben, und nicht merken konnten, dass es in jenen Tagen zwei Österreichs gegeben hat: politische, wirtschaftliche, kulturelle und intellektuelle Schichten der Stadt Wien mit den linken Wohlstand im Westen flaute sehr schnell ab und die Arbeitslosigkeit wuchs gefährlich an. In der vornazistischen Zeit hat sich klar bewiesen, dass Massenarbeitslosigkeit in Deutschland schwere Gefahren birgt. Wieder einmal strolchen junge Leute in den Strassen rum, teils weil sie nicht arbeiten wollen, teils weil sie keine Arbeit finden können. Man erinnert sich, dass Hitler das Thema der Arbeitslosigkeit gelöst hat. Die Frage war wie er das tat. Es ist verständlich, dass oppositionelle Gruppen, nach dem Scheitern des Sozialismus im Osten vorwiegend Rechte, aus diesem Kreise erhebliche Verstärkung fanden. Als es der Bundesrepublik noch sehr gut ging und ihr Arbeiter fehlten, lud sie solche aus anderen Ländern ein. Zum Teil haben sich die, und besonders die zweite Generation, in der deutschen Gesellschaft integriert. Aber da es jetzt viel Arbeitslose gibt, und da ein erheblicher Teil dieser zum Rechtsextremismus neigt, kam das Problem des Fremdenhasses auf, das oft sehr rabiate Formen annahm. Nun platzten aber hintereinander zwei Bomben in der deutschen Gesellschaft. Die erste war das Buch von Daniel Jonah Goldhagen, der Intelligenzlern, unter denen es viele Juden gab, und den reaktionären Landkreisen. Es war schliesslich die "Heimwehr", die die Basis vorbereitete, auf der das "Volk" 1938 den Anschluss vollziehen konnte. Für uns genügten die wenigen Stunden in Linz bei dem unvorgesehenen Aufenthalt, wie die Ankunft in Wien, einen politischen Anschauungsunterricht zu erhalten, von den unerwünschten Israeliten wie den unerwünschten Menschen, die nicht den Wiener Dialekt beherrschen,... und dabei handelte es sich in beiden Fällen "nur" um Juden, heute Israelis,... Nach der Rückkehr werden unsere Erfahrungen belächelt. Selbst die Funktionäre jüdischer und zionistischer Organisationen hatten noch 1932 nur Kontakte mit ihren Freunden in Wien, Juden und Sozialdemokraten, und anderen Intellektuellen,... Was haben schliesslich drei junge Juden, die in Deutschland "mosaischer Konfession" betitelt wurden, in einer österreichischen Provinzstadt verloren,...? die gesamte deutsche Gesellschaft des Ausrottungsantisemitismus schuldig sprach und behauptete, das gemäss der historischen Entwicklung ein solcher Antisemitismus nur in Deutschland moeglich war. Gewöhnliche Deutsche waren Hitlers Vollstrecker. Obwohl ich einiges an seiner Theorie zu kritisieren habe, muss ich doch zugeben, dass das Buch wichtig und bedeutsam ist und in der Bundesrepublik und ihrer Presse eine sehr lebhafte Diskussion ausloeste. Viele der Deutschen stimmten Goldhagen zu und sahen zwar Kritik, sahen aber in diesem Buch eine Art notwendiger Schocktherapie. Die zweite Bombe war die Wehrmachtausstellung. Frueher sagte man: Die Verbrecher waren die Nazis,(also sie und nicht wir!). Die Wehrmacht war eigentlich das deutsche Volk, denn alle waren ja wehrpflichting und kaempften fuer das Vaterland. Die Schwarzarbeit der Verbrechen machten die SS und die Nazis ueberhaupt. Da kommt nun die Wehrmachtausstellung und stellt die aktive Teilnahme an den Naziverbrechen klar. Es ist verstaendlich, dass das wieder lebhafte Diskussionen ausloeste. In einigen Städten eröffneten die Bürgermeister die Ausstellung und in anderen weigerten sich die Bürgermeister an einer solchen "Nestbeschmutzung" und Verunglimpfung "unserer tapferen Soldaten" teilzunehmen. Das war gut in der Presse zu verfolgen. Zwar gab es Generale und sogar Marschalle, die zum Widerstand kamen aber den Ausschlag gab wohl Feldmarschall Walter von Reichenau, der die Soldaten aufforderte Verständnis zu haben für die "harte aber notwendige Sühne am jüdischen Untermenschentum". Und so Marschall von Mannstein und viele andere. Gerade der junge Offizier Axel von dem Bussche-Streithorst bewies die Verbrechen der Wehrmacht. Er wurde aktiver Widerständler, als er die von der Wehrmacht gesicherte und von den SS- Schergen vollzogene Massenerschiessung der Juden von Dubno sah. Warum sprechen so viele Deutsche heute mit Anerkennung über Goldhagen? Warum machen sie die Wehrmachtaustellung? Warum bekämpfen sie den Revisionismus mit Wort und Gesetz? Nun, sie sehen in der Gesellschafts- und Wirtschaftslage schwere Gefahren für die deutsche Republik. Nicht die Deutschen als Volk sind (oder waren jemals) in Gefahr, sondern die Bundesrepublik und ihre neue Demokratie. Daher darf man die Verbrechen der Nazidiktatur nicht verschweigen, sondern sie müssen im Gegenteil angeprangert und auch rechtlich verfolgt werden. Im Wohlstandsstaat Westdeutschland konnte das alles verschwiegen werden, im vereinten Deutschland heute muss man sich erinnern an die Worte von Berthold Brecht: "Der Schoss ist fruchtbar noch aus dem das kroch". EINE REISEERINNERUNG: DIE UNERWÜNSCHTEN ISRAELITEN

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