Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1998
- Issue
- No. 64 (1998)
- Date
- 1998-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 EINE FORSCHUNG UBER DEUTSCH-JUDISCHE KINDER- UND JUGENDLITERATUR IM DEUTSCHEN SPRACHBEREICH (Zohar Shavit und Hans-Heino Ewers (Hrsg.); Deutsch-jüdische Kinder- und Jugendliteratur von der Haskala bis 1945; Ein bibliographisches Handbuch 2 Bände; Verlag B. Metzler, Stuttgart-Weimar). Prof.Dr. Zohar Shavit ist Dozentin für Kulturforschung - Schwerpunkt Kinderliteratur - an der Tel-Aviver Universität. Im Laufe ihrer Forschungen stiess sie auf die Ursprünge des hebräischen Jugendbuches in der Zeit der Berliner Haskala am Ende des 18. Jahrhunderts. Dieses spornte sie an die Entwicklung der deutsch-jüdischen Kinder- und Jugendliteratur zu verfolgen. Vor uns liegt jetzt ein bibliographisches Handbuch in 2 Bänden, das Ergebnis der Forschungen von Prof. Dr. Shavit zusammen mit Prof.Dr.Hans-Heino Ewers, Direktor des Instituts für Jugendbuchforschung an der Goethe-Universität in Frankfurt a/M unter Mitarbeit von Prof.Dr.Dieter Richter, Universität Bremen. Dieses Handbuch welches mehr als 2400 Jugendbücher- und Zeitschriften, Lesebücher u.a.m. umfasst, ist eine wichtige Quelle für die historische Forschung des Judentums in Deutschland. Die deutsch-jüdische Kinder- und Jugendliteratur muss man in zwei Epochen teilen. Die erste ist die Epoche der Haskala (Moses Mendelssohn und seine Zeitgenossen). Die Überheblichkeit Mendelssohns und seines Kreises, die Geringschätzung und Missachtung dem grössten Teil der jüdischen Bevölkerung gegenüber, welche damals Jüdisch- Deutsch sprachen (“ein misslautendes und verdorbenes Deutsch" - so Moses Mendelssohn) führten zur Herausgabe von Lese- und anderen Büchern. Diese Bücher hatten das eindeutige Ziel die jüdische Jugend der Assimilation in die Arme zu werfen. Zwei Menschen aus diesem Kreis waren es insbesonders, welche es sich zur "Aufgabe“ gemacht hatten, die Jugend dem normativen Judentum abwendig zu machen: David Friedländer und Herz Homberg. Friedländer verhandelte sogar mit einem protestantischen Geistlichen namens Teller über seinen und seiner Familie Übertrit zum Christentum. Friedländer wurde aber von Teller, wegen der Bedingungen die er stellte, strikt abgewiesen. Homberg war einer der übelsten Konsorten der Haskalabewegung im Deutschen Sprachraum. Er verfasste drei (wie er es nannte) religiösmoralische Lehrbücher. Das Buch "Bne Zion" musste zwangsweise in allen jüdischen Schulen in Galizien, welches damals zu Österreich gehörte gelehrt werden. Darüber hinaus mussten alle jüdischen Paare in Galizien, welche eine amtliche Heiratserlaubnis beantragten, in diesem Buch geprüft werden. Aber auch damit begnügte sich Homberg nicht: Er war auch die treibende Kraft für das antijüdische Gesetz der berüchtigten Kerzensteuer in Galizien. Jeder welche Schabbatkerzen kaufen wollte, hatte darauf eine besondere Steuer zu zahlen. Friedländers, Hombergs wie auch Mendelssohns Nachkommen haben alle das Judentum verlassen. Die zweite Epoche der jüdischen Kinder- und Jugendliteratur beginnt mit dem Entstehen der Bewegung für die Wissenschaft des Judentums, der Gründung der Rabbinerseminare in Deutschland und das wachsende Interesse für das Judentum. Entgegen den "verkalkten Schülern Mendelssohns" (So Heinrich Zwi Graetwzü) bemühte sich eine neue Generation von Rabbinern und Lehrern welche neben einer gut fundierten jüdischen auch eine gediegene Allgemeinbildung hatten, der jüdische Jugend neue Lehr- und Lesebücher zu geben, welche die Jugend dem Judentum näher bringen sollten. Die grosse Anzahl (über 2400) der Kinder- und Jugendbücher beweist uns, so Prof. Shavit, "die zentrale Bedeutung der Kindererziehung im Judentum - sie war Garant des kulturellen Überlebens im Exil..." Zwei Drittel des Buches ist Büchern jüdischen Inhalts in deutscher Sprache gewidmet; ein Drittel deutscher Kinderbücher und Fabeln in hebräischer Übersetzung - z.B. diejenigen von Christian Fürchtegott Geliert. Prof. Shavit konstatiert, dass "sich auch die Literatur für jüdische Kinder als hervorragende Quelle zur Erforschung der deutsch-jüdischen Kulturbeziehung und zum Verständnis der Entwicklung jüdischen Kulturlebens in Deutschland" erweist. Das Buch beweist welche Anstrengungen von jüdischer Seite gemacht wurden um der jüdischen Jugend Bücher jüdischen Inhalts zu geben. Das Buch enthält die Namen der Verfasser der verschiedenen Bücher und Zeitschriften, Datum und Ort der Erscheinung, Verlage und Inhalt. Ausserdem biographische Angaben der Herausgeber, Bearbeiter, Autoren, Übersetzer, Illustratoren und Komponisten. Diese jüdische Jugendliteratur war in den zionistischen und religiösen Jugendbewegungen sehr beliebt. Wir alle gedenken das Lesen von vielen dieser Bücher bei "Heimabenden" und den tiefen Eindruck welche sie auf uns hinterliessen. Das Buch ist nicht nur eine wissenschaftliche Forschung, sondern auch ein Buch des Gedenkens an das Judemtum Deutschlands welches keine Mühe scheute der jüdischen Jugend Bücher mit jüdischem Inhalt zu geben. Die vor uns liegende Bibliographie ist noch nicht vollkommen. Durch die Zerstreuung des Judentums Deutschlands, über die ganze Welt, sind noch viele Bücher unbekannt. Die in dieser Bibliographie angeführten Bücher stammen grösstenteils aus Europa, Israel und Nordamerika. Sicher gibt es auch in anderen Ländern wie z.B. Südamerika, Australien u.s.w. Juden aus Deutschland oder ihre Nachkommen, in deren Besitz Bücher dieser Art sind, welche in dieser Bibliographie nicht erfasst wurden. Diese werden gebeten sich an: Prof.Dr. Zohar Shavit, School of cultural Studies, Universität Tel-Aviv, zu wenden. M.E. Hauschner UNSERE LESER SCHREIBEN Ich danke Ihnen herzlich für das Blatt das hochinteressant ist!" T. Moss (geb. Marcuse) 22 Wendover Court, Lyndale Avenue, London NW2 2PG, 0171-435 7320 ★ "Ich bedanke mich für das ausgezeichnete Mitteilungsblatt und wünsche dem Verein weiterhin viel Erfolg für seine Arbeit". Dr. Klaus Wendtland, Hervester Str. 6, D-45768 Marl * " Besten Dank für die letzte Nummer der mir sehr wichtigen Zeitschrift, über die ich mich immer freue . . . " Dr. H.Menz Milanweg 22, 26127 Oldenburg