Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1998
- Issue
- No. 64 (1998)
- Date
- 1998-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 JÜDISCHE LITERATUR IN SCHLESIEN IM 18. JAHRHUNDERT Von seiten der Aufklärung im 18. Jahrhundert erhielt das Kulturleben der Juden - besonders in Preußen - starke und nachhaltige Impulse. Die Aufnahmebereitschaft erklärt sich - sehr kurz gesagt - aus der Situation einer oft geschmähten Minderheit, dem nun erfolgten Angebot liberaler, wenn nicht gar emanzipatorischer Ideen. In Schlesien sind Juden erstmals im Hochmittelalter urkundlich belegt. Zweifelsohne kam es zu Maßreglungen und Pogromen (etwa durch Predigten) des Franziskaners Johannes Capistranus, 1453. Eingeschränkt werden sollte vor allem die Errichtung von Synagogen, die zugleich als Schulen dienten. Trotzdem existierten bereits im 14. Jahrhundert in Breslau Schweidnitz und Liegnitz angesehene Talmud-Schulen. Im 16. Jahrhundert erfolgten die ersten Drucke in hebräischer Sprache. 1688 erhielt Schabtai Baß (Sabbatai Bass; 1641 in Kalisch/Polen geb. 1718 in Breslau gest.) die Erlaubnis, in Dyhernfurth b. Wohlau eine jüdische Druckerei zu betreiben. Das Unternehmen blieb in der Hand der Familie bis 1762 und wurde dann von anderen jüdischen Verlegern weitergeführt. Die letzte hebräische Ausgabe erschien 1834. Behinderungen durch die katholische Zensur fielen nach der preußischen Annexion (1742 bzw. 1763) weg. In Dyhernfurth wurde eine Reihe bedeutender Werke, wie der "Pentateuch" (mit der aramäischen Übersetzung von Onkelos bzw. Targumim und dem Kommentar von Salomo Isaak, 1797), und auch eine "Jüdische Zeitung" in dt. Sprache mit hebräischen Schriftzeichen, 1772 gedruckt. Bendix Rüben Gompertz (Gumpertz od. Baruch ben Rüben Wesel; 1690-1754; geb. in Wesel, ein angesehener Rechtswissenschaftler, seit 1728 Rabbiner in Breslau) begrüßte den Einzug der Preußen. Durch preußische Edikte von 1744 und 1754 erfolgte allerdings eine Einteilung der Juden in fünf Klassen; mit den christlichen Bürgern ungefähr gleichgestellt waren lediglich die sog. "Generalprivilegierten", wohlhabende Kaufleute, Ärzte und Gelehrte, die im wesentlichen die kulturell engagierte Schicht bildeten. Gegen Ende des Jahrhunderts wurde - vor allem auf Veranlassung des schlesischen Provinzialministers Graf Hoym - den Juden insgesamt eine Reihe von Zugeständnissen gemacht; und 1812 - im Zuge der Reformen Von Dr. Arno Lubos von Stein und Hardenberg - erhielten sie das volle Bürgerrecht, wenngleich bald darauf einschränkende Sonderverordnungen erlassen wurden. Gewiss gab es auch in Schlesiern Judengegner. So konnte die Posse "Unser Verkehr" von K.B.A. Sessa 1813 in Breslau wiederholt mit Erfolg aufgeführt werden. Johann Timotheus Hermes (Schriftsteller und Gymnasiallehrer in Breslau, 1738-1821) befaßte sich in einer Predigt (1803) mit antijüdischen Schriften, wohl aus der Gewißheit heraus, daß sie im Lande verbreitet waren. Um das Kulturleben zu aktivieren, entstand 1780 eine ausgesprochen akademische "Gesellschaft der Brüder" und 1793 eine mehr populärwissenschaftliche "Zweite Brüdergesellschaft". Ebenfalls in Breslau, wo damals ca. 3000 Juden lebten, wurde - durch Erlaß Friedrich Wilhelms II. - 1791 eine "Königliche Wilhelmsschule für die Jüdische Jugend" (mit 120 Schülern) gegründet (sie existierte bis 1848). Die Eröffnungsrede hielt der Historiker und Geograph Friedrich Albert Zimmermann (1745-1815; aus Lüben b. Steinau a.d. Oder), Mitarbeiter Hoyms, von der Regierung eingesetzt zur Förderung der Breslauer Juden. - An der Schule lehrten nahmhafte Hebraisten und Bibelexegeten, wie Joel Loew Brill (1762-1802) und Philipp Lewin Siphri (1746-1822). Selbstverständlich ergaben sich in der Lehrerschaft wie in anderen Kreisen Gegensätze zwischen Anhängern der Aufklärung und Bewahrern der religiösen Tradition. Um einen Ausgleich bemühte sich der angesehene Talmudgelehrte Abraham Tiktin (1764-1820; geb. in Schwersenz/Polen, 1803- 16 Rabbiner in Glogau, danach bis zu seinem Tod Oberlandesrabbiner in Breslau). Daß die Aufklärer und gemäßigten Neologen dominierten, ist auf Einflüsse Berliner Zirkel zurückzuführen. In Breslau bildete sich eine Gruppe von Autoren, die sich an Moses Mendelssohn und David Friedländer anlehnte. Zu ihr gehörten Brill und Siphri, Menachem Mendel Broese, Mitarbeiter an der Zeitschrift "Hameassef" ("Der Sammler"), Raphael Fürstenthal, ein Übersetzer, Salomo Pappenheim (1740-1814; geb. in Zülz b. Neustadt/Oberschlesien, einem Ort mit ca. 1000 Juden), der Edward Youngs "Night thoughts" übertrug ("Arba Kaußaus", 1790), und M.E. Kuh. Moses Ephraim Kuh (1731-90), einer der ersten jüdischen Dichter in deutscher Sprache, ein "gelehrter und edelgesinnter Mann", wie der Philosoph Salomon Maimon versicherte, stieß in Breslau auf Widerstände orthodoxer Juden und wurde erst durch Berliner Freunde bekannt. Mendelssohn und Karl Wihelm Ramler (ein Freund Lessings) setzten sich für ihn ein, und Christian Wilhelm Dohm, ein Befürworter der Judenemanzipation, veröffentlichte im "Deutschen Museum" (Leipzig), dessen Mitherausgeber er war, die frühen Gedichte (1784-86). Zwei Bändchen "Hinterlassene Gedichte" von Ramler durchgesehen, erschienen 1792 in Zürich. Epigramme überwiegen, Einwände gegen herkömmliche Riten, gegen Vorurteile und den Aberglauben, Aufrufe zur Toleranz und Redefreiheit. Zumeist war der Römer Martial das Vorbild, gelegentlich auch der Schlesier Friedrich von Logau. Zu erwähnen sind außerdem die Übersetzerin und Reiseschriftstellerin Ester Gad (geb. ca. 1767-70, gest. 1836) und der Theaterkritiker und Briefautor David Veit (1771-1814), die, in Breslau geboren, sich an Berliner Kreise anschlossen und auch später außerhalb Schlesiens lebten. Aus: "Geschichte der Literatur Schlesiens, von den Anfängen bis ca. 1 800", von Arno Lubos Bergstadtverlag W.G. Kern, 1995 (D-72482, Sigmaringen). SUCHANZEIGEN Alfred und Johanna Tichauer Wurden mit eine grossen Gruppe von Juden aus Breslau am 30. Mai vom Freundesaal über Grüßen nach Polen deportiert. In dieser Gruppe befand sich auch u.a. Frau Dr. Röthler. Wer etwas über das Schicksal dieser Gruppe weiß, wird gebeten sich mit Alice Perez geb. Tichauer in Verbindung zu setzen. * Frau Rina Meron sucht Bekannte von Religionslehrer Wolf Davidsohn (ihr Großvater) (Religionslehrer am Johanneum u. Paula Ollendorf Haushaltungschule und Religionsschule 2 am Anger). Ehemalige Bekannte oder Schüler werden gebeten sich mit Frau Rina Meron, Beth-Sayit 97, Harei Yehuda 90815 in Verbindung zu setzen. MS US 8111