Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1998
- Issue
- No. 64 (1998)
- Date
- 1998-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/7506414-7411833-7491688--277-7411842- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
FÜR DEN VOLLSTÄNDIGEN FRIEDEN ZAHLEN Schalom, Schalom! Ein Wort, das man im Lande täglich dutzendmal benutzt. Die Grussformel für Freunde wie für Unbekannte. Ein Wort, das jeder Besucher während der ersten Minuten seines Aufenthaltes im Lande lernt und benutzt. Die wörtliche Übersetzung heisst Frieden. Ein verkürztes "Schalom Alechem", Friede mit euch, Gruss, der einmal in jüdischen Kreisen benutzt wurde. ★ Die hebräischen Worte haben es in sich. Die hebräische Sprache hat eine lange Entwicklung durchgemacht. Oft den Wortstamm behalten, aber die Begriffe geändert. Das Brot, das wir essen und in jedem Lebensmittelgeschäft erwerben können, war einmal die umkämpfte Speise, um die man kämpfen musste. Das Wort finden wir in Milchama, der Krieg, und Lochern ist der Kämpfer. Israel erlebt eine historische Zeit. Tausende Neueinwanderer erlernen eine für sie fremde Sprache. Einige dringen schnell in die hebräische Sprache ein, andere benötigen längere Zeit, um mindestens im Gespräch mitzuhalten, eine Zeit, die wir schon beinahe vergessen haben. Es ist ja ein Unterschied , ob ein Einzelner mit einer neuen Sprache konfrontiert wird, oder die Neueinwanderer in Gruppen kommen, die die persönlichen Kontakte unter sich finden und die alte Sprache unter sich benutzen. Es ist ein Erlebnis eines Besuches, der der Anglisierung Amerikas nichts geschadet hat, wenn dort ethnische Gruppen, nicht nur jüdische, noch nach Generationen weiter in ihrer Sprache parlieren, wenn auch, wie man es beim Jiddischen hört, mit vielen englischen Brocken. Schalom wird so zum ersten hebräischen Wort, das Einwanderer und Touristen benutzen, auch wenn das nächste schon zu einer anderen Sprache gehört. Im alten Jischuw, der vorstaatlichen jüdischen Bevölkerung im Lande, wurde ein Spruch, Bialik zugeschrieben, gerne zitiert “Hebräisch spricht man, Jiddisch spricht sich". Eine der ersten Regeln, die dem Neuling gelehrt werden, lautet, dass ein regelmässiges hebräisches Wort aus drei Stammbuchstaben zusammen gesetzt wird, die zu erkennen, erleichtert das Nachschlagen im Wörterbuch: bei dem Wort Schalom ist es einfach, Schin, Lamed, Mem. Diese Buchstaben ergeben mit anderer Vokalen, anderer Punktierung, das Wort Schalem, was einmal soviel wie Von Heinzwerner Goldstein vollständig heisst, aber auch bezahlen. Vielleicht kommt daher der Begriff, eine Rechnung vollständig auszugleichen, zu bezahlen. Man muss auch irgendwie für den Frieden zahlen, ihn vollständig machen. Aus den drei Stammbuchstaben werden auch andere Begriffe abgeleitet, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben, aber doch irgendwie zusammen hängen, "Hischtalem" heisst nicht nur, sich bezahlt machen, sondern auch sich zu vervollständigen, "Hischtalmut" gehört im Berufsleben zu den täglichen Forderungen, sich zu vervollständigen, zuzulernen. "Simla" ist das Kleid der Frauen, wenn man von Modeerscheinungen absieht, das vollständige Gewand. (Hier sind zwei Konsonanten umgestellt. Eine Erscheinung, der man öfters begegnet.) Es ist vielleicht Zufall, dass die Anregung zu dieser Plauderei aus Sprachen kommt, die nichts mit den semitischen gemeinsam haben. Der Begriff Frieden wird in einigen Sprachen von dem lateinischen pax abgeleitet, aus der einge Völker, Stämme, Dialekte, das Wort für zahlen, bezahlen gemacht haben,ohne dass ein Grund erkennbar wird. Beginnen wir mit dem Englischen, wo Frieden peace heisst,und zahlen to pay. Für die Franzosen ist es paix und payer, in Italien pace und pagare, spanisch paz und pagare. Zufall oder Absicht; Überlegungen? In diesen Sprachen zahlt man auch für den Frieden, im hebräischen wird er vollständig. Hat man vor langer Zeit, als die Begriffe sich entwickelt haben und in die Umgangssprache übernommen, sich dabei etwas gedacht, oder stellen sie nur eine Entwicklungsstufe dar? Vielleicht haben die europäischen Gruppen, als sich die Begriffe und Sprache entwickelten, gefühlt, dass für den Frieden bezahlt werden muss, to pay for peace...? DAS SPIEL MIT DEN STREICHHÖLZERN!!! Wir erinnern uns, das uns wie allen Kindern, in der frühesten Jugend verboten wurde, mit Zündhölzern zu spielen. Um die Forderung bildlich darzustellen, wurde der "Struwelpeter" herangezogen, mit den grausamen Zeichnungen. Später lernt man, dass ein Streichholz an sich nicht gefährlich ist. Was ihn entzündet, ist die mitgelieferte Reibfläche: Wenn der Holzspan mit der Glaspapier ähnlichen Fläche zusammentrifft, das Holz stark gerieben wird, entspringt der Funke, der es zum Entzünden bringt. Es ist vielleicht mehr als eine gedankliche Spielerei, den Vorgang auf viele der Ereignisse zu übertragen, deren Zeugen wir immer wieder werden, die zu lautstarken Auseinandersetzungen, oft zu Schlägereien führen, zu Reibereien, bis sie zu Schlagzeilen werden. Nichts sollte leichter sein, als diese "Feuersgefahr" zu vermeiden. Man muss nur, die "Streichhölzer", die ja auch "Zündhölzer" genannt werden, von der Reibfläche trennen. Wir ersparen uns, Beispiele aus täglichen Vorkommnissen aufzuzählen. Ohne Reibflächen entstehen keine Feuer, an denen sich die Massenkommunikationen "ergötzen",... Wir weisen nur auf die politische Geschichte unseres Jahrhunderts hin, in denen sich Aussenseiter gerne darauf verlassen, und selbst in der negativen Nennung ihres Namens wie ihrer Parolen, eine billige Art der Propaganda sehen. Das Spiel mit dem Feuer, ist noch immer ein "trefflich Spielzeug". Gefährlich werden Streich¬ oder Zündhölzer nur, wenn sie mit dem präparierten Papier der Reibfläche in Kontakt kommen. Diese Dinge auch im politischen, gesellschaftlichen Rahmen auseinanderzu halten, ist vielleicht mehr, als man von der Masse verlangen kann. Es fällt leichter einen vermeintlichen Gegner zu provozieren, sich an ihm zu reiben, was man ja dem Zündholz antut wenn man es mit einem gewissen Druck über die Reibfläche führt,... Man kann sich leicht überzeugen, dass ein Streicholz alleine, ohne Reibungen, keine Funken erzeugt,... HW-G