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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1998-01-01 · No. 64 (1998) · p. Seite 8

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1998
Issue
No. 64 (1998)
Date
1998-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Die "Arisierung" des jüdischen Vermögens in Schlesien 1933-1945 (Fortsetzung von Seite 7) und bekanntesten Warenhäuser, wurde noch früher arisiert. Es wurde am 19. Oktober 1936 verkauft. Die durch die NSDAP zugelassenen Käufer waren Münstermann aus Göttingen und Haerdicke aus Stettin. Da die Firma Miteigentum mehrerer Personen war, dauerten die Abrechnungen bis Kriegsende. Am Rande der Akten finden wir die handschriftliche Eintragung, daß einer der Gebrüder Barasch im Jahre 1942 in Auschwitz ums Leben gekommen ist. Auf ähnliche Weise haben auch andere Handels-und Wirtschaftsunternehmen, die reichen und weitbekannten jüdischen Familien angehörten, die Eigentümer gewechselt. Die Verlagsbuchhandlung "Koebnersche Buchhandlung und Antiquariat" an der Schmiedegasse in Breslau, die traditionelle Verbindugen zur Universität hatte, wurde am 1. September 1937 vom neuen Besitzer übernommen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Herbert Ehrlich, Eduard Riesenfeld, Irene Mannaberg und Else Riesenfeld Eigentümer. Neuer Eigentümer wude Günther Standtke, Kaufmann aus Breslau. Durch Übereignung und Umbenennung der Firmen hörten auch zahlreiche andere alte jüdische Unternehmen auf zu existieren, wie etwa Stein & Co. an der Tauentzienstraße 14, I.A Mugdan in der Schweidnitzer Straße 38, Karl Körber, Reuschestraße 51, Fabisch & Co., Gatenstraße 67, Felix Epstein, Reuschestraße und andere. Die Kaufverträge wurden in der Regel durch zusätzliche Abkommem ergänzt, oft wegen der Notwendigkeit, Bankkredite aufzunehmen. Dadurch zog sich die Übereignungsprozedur oft über Jahre hinweg. Als Beispiel solch eines Übereignungsverfahrens mag die Liquidierung der alten und bekannten Breslauer Firma "I. Schwerin und Söhne" dienen, die schon 1815 gegründet wurde. Es war die bedeutende Breslauer Garn - und Zwirnfabrik. Anfänglich war sie Familienbesitz, später eine Aktiengesellschaft. Zu Beginn unseres Jahrhunderts leitete das Unternehmen Dr. Ernst Schwerin, von 1906 bis 1933 Mitglied der Breslauer Industrie-und Handelskammer. Infolge des erzwungenen Verkaufs erwarb den Hauptteil der Aktien die Stadt Breslau sowie die Breslauer Hanfwerke "Herzog zu Sachsen und Geschwister". Die übrigen Aktien erwarben kleinere Käufer. Damit war jedoch die Arisierung dieses Unternehmens nicht abgeschlossen. Zum späteren Zeitpunkt wurden weitere Vermögensteile verkauft, darunter eine Villa im Riesengebirge sowie zahlreiche Bauplätze und Grundstücke innerhalb der Stadtgrenzen von Breslau (im Stadtteil Gräbschen), deren Wert damals auf eine Viertelmillion geschätzt wurde. Während des Krieges ging ein Teil dieser Liegenschaften dann in Staatsbesitz über. Der Staat konnte diesen unbeweglichen Besitz wegen geltender Vorschriften nicht mehr an private Interessenten veräußern. Es war nämlich vorgesehen, daß der in Staatshände übernommene jüdische Besitz nach Kriegsende an die verdienten Frontkämpfer verkauft und verteilt werden sollte. Am Rande sei vermerkt, daß Dr. Emst Schwerin, geb. am 29 Dezember 1 869, der Schwiegersohn des Nobelpreisträgers Paul Ehrlich war. Bis zur Emigration wohnte er in Breslau in einer stattlichen Villa in der Kaiser- Wilhelm-Straße, später Straße der SA. Nr. 160. Er und seine Gattin Stephanie und seine beiden Söhne Hans Wolfgang und Günther, haben die deutsche Staatsangehörigkeit verloren (Bekanntmachung der Aberkennung im Reichsanzeiger Nr. 187 vom 13. 8. 1938). Das im Reiche noch zurückgelassene Vermögen wurde vom Staat eingezogen. Wie immer in solchen Fällen wurde hinter den Kulissen ein harter Kampf um diese Beute, um den Vorrang beim Erwerb jüdischen Vermögens ausgetragen. Die Entscheidung lag in der Regel in den Händen des Gauleiter Wagner, später Gauleiter Hanke. In unserem Falle schaffte das Rennen u.a. der bekannte beutegierige Breslauer Fabrikant Grzesik. Die repräsentative Villa der Familie Schwerin schlug der Finanzminister dem Reichsminister für die Luftfahrt und dem Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Goering für den Preis von 135 Tsd. Reichsmark vor. Es ist nicht bekannt, ob Goering diese Gelegenheit nutzte. Ähnlich kompliziert war die Arisierung eines anderen Vermögens, diesmal eines Landbesitzes, der der bekannten Familie Schottländer gehörte. Julius und Anna Schottländer waren die Gründer des einzigen jüdischen Majorats in Deutschland. Sitz des Majorats war Hartlieb und später Wessig- Bergmühle südlich von Breslau. Ihr Sohn Dr.Paul Schottländer, Erbe des Majorats, verfügte über zahlreiche Rittergüter und andere Besitztümer, u. a. Mietshäuser in Breslau sowie Hypotheken und Bankkonten. Den arisierten Landbesitz erwarb die Schlesische Landgesellschaft Breslau, die Bauplätze kaufte die Firma Schlesische Heimstätte Breslau, alles auf Kredit. Ein großes Haus in der Schweidnitzer Straße sowie zahlreiche Hypotheken u. a. gingen in die Hände von Einzelpersonen über, die Abzahlungsfristen bis 1944 eingeräumt erhielten. | Am Rande der Arisierung des Vermögens der! Familie Schottländer sei vermerkt daß ein | Mitglied dieser Familie diesen sich hinziehenden Übereignungsprozeß mit seinem Leben bezahlte. Der letzte Majoratsbesitzer Paul Schottländer verstarb 1938 und zum Vollstrecker des Testaments machte er seinen Sohn Ard Heinrich Schottländer. Besorgt um die Erfüllung des Willens seines Vaters, zog Ard Heinrich Schottländer seine Ausreise aus Deutschland hinaus. Als im Oktober 1941 der Gestapo-Möller auf Himmlers Befehl die Grenzen für die jüdischen Emigranten versperrte verlor A. H. Schottländer seine Chance aufs Überleben. Verzweifelte Versuche, ihn durch eine Schweizer Familie zu adoptieren, sowie persönliche Kontakte mit diplomatischen Vertretern fremder Staaten in Berlin blieben erfolglos. Er teilte das Schicksal anderer schlesischer Juden und gelangte gemeinsam mit seiner Frau in den dritten großen Transport, der am 3. Mai 1942 Breslau in Richtung Osten, in den Distrikt Lublin im Generalgouvernement, verließ. Dieser Transport umfaßte Juden, die außerhalb Breslaus wohnten und wurde vermutlich in das Vernichtungslager Sobibor oder Belzec deportiert. Zum Abschluß seien noch einige wenige Sätze über die Arisierung während des Krieges gestattet. Diese war die letzte Etappe. Die Emigranten und Deportierten hinterließen in Breslau und in der Provinz eine große Anzahl von Liegenschaften, Häusern und Wohnungen. Sie sollten nach den Vorstellungen der maßgebenden Stellen zuletzt arisiert werden. "Darin, daß ein Jude in Deutschland noch Hauseigentümer sei, sieht der Führer noch die geringste Gefahr", stellte ein prominenter Nazi fest. Und Goering soll gesagt haben: " Die Häuser zuletzt!" Anhand der 11. Durchführungsverordnung zum Reichsbürgergesetz von 25. November 1941 sind noch hunderte jüdischer Häuser in die Hand der Finanzverwaltung gelangt. Ein Teil wurde verkauft, andere wurden für die Zwecke (Fortsetzung auf Seite 17)

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