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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1997-01-01 · No. 63 (1997) · p. Seite 18

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1997
Issue
No. 63 (1997)
Date
1997-01-01
Page
Seite 18 (sequence 1466)
Language
German
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sein konnte, der sich die "Jekkes", so die abwertende Bezeichnung für die deutschjüdischen Einwanderer, da sie sich angeblich selbst bei körperlich anstrengender Arbeit nicht des Jacketts entledigten, ausgesetzt waren, läßt die in den 30er und 40er Jahren öffentlich ausgetragene Kontroverse um sie erkennen. Mit welcher Schärfe sie geführt wurde, verdeutlicht ein Artikel des zur “alten Garde" der hebräischen Schriftsteller zählenden Asher Beilin unter der Überschrift "Verteidigung des Jäcken1". Darin setzt er sich kritisch mit den Argumenten auseinander, die gegen die Alijah aus Deutschland erhoben wurden. Beilin schildert detailliert die erheblichen Veränderungen zum Positiven, die die deutsche Einwanderung im Geschäftsleben, zudem im Bereich der Industrie, des Wohnungsbaus, des guten Geschmacks etc. hervorgerufen habe. Übersehen werden durch ihn allerdings auch nicht die negativen Erscheinungen im Zusammenhang mit der Einwanderung aus Deutschland, z.B. der Komfortanspruch, auf den, wie er meint, verzichtet werden könne. Offenbar war es vor allem der hohe Bildungs¬ und Ausbildungsgrad der deutschen Alijah, der ihre Angehörigen schnell in wichtige Positionen aufstiegen ließ, was unter den Eingsessenen mißbilligende Reaktionen auslöste. Nicht zuletzt wurde den deutschjüdischen Gelehrten ihr zahlreiches Eindringen in die Jerusalemer Universität versagt. Demgegenüber stellte Beilin die Frage, warum deutsch-jüdische Gelehrte für alle Universitäten der Welt akzeptabel seien, nicht aber für die Universität Jerusalem. Woher, so fragt er weiter, sollen denn die Universitätslehrer kommen? Soll man sie unter den Einwanderern aus Afghanistan oder Babel rekrutieren? Wegen der hohen Qualität der deutsch-jüdischen Gelehrten plädiert er dafür, ihnen den Zugang zur Universität nicht zu erschweren. Während sie in jedem anderen Land der Welt ein weites Betätigungsfeld fänden, begegne man ihnen in Palästina mit Gleichgültigkeit. In der Tat war es so daß es mit der zunehmenden Einwanderung deutscher Juden nach Palästina seit 1933 unter den dort be-reits ansässigen Juden zur Bildung eines "Antijeckentums" gekommen war, das an Umfang und Intensität die Grenzen des Erträglichen nicht selten überschritt. Es äußerte sich in Reden, Artikeln, Sticheleien und nicht zuletzt in Intrigen. Im Grunde Genommen lagen den Differenzen zwischen den Jecken bzw. den Westjuden und den Ostjuden Ursachen zugrunde, die ihren Ursprung in der Zeit vor der Einwanderung der beiden Gruppen nach Palästina hatten. Es gab nämlich nicht wenige Ostjuden, die an ihre in Europa verbachte Zeit nur ungern zurückdachten. Der Grund dafür lag in den Spannungen zwischen Ost-und Westjuden. Die Ostjuden verkörperten nach ihrer Auffassung das "wurzelstärkere Judentum", da sie im Gegensatz zu den West- bzw. den deutschen Juden der Assimilation erfolgreich widerstanden hatten, eine Behauptung, die in engem Zusammenhang mit dem Zionismus, der Bewegung des Jüdischen Volkes zur Wiederherstellung eines selbständigen Staates in Palästina, zu sehen ist. Der Zionismus betrachtete (und berachtet) die Juden als ein Volk, das aus seiner unnatürlichen Lage befreit werden müsse; allein Volkwerdung, nicht Angleichung an andere Völker könne die Judenfrage lösen. Der Zionismus stützte sich auf die Masse des Ostjudentums; seine Verwirklichung begann mit der Balfour-Declaration vom 2. November 1917, durch die den Juden die Errichtug einer "öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte" in Palästina zugesichert wurde. Da die Mehrheit des deutschen Judentums vor 1933 dem Zionismus neutral bis ablehnend gegenüberstand ist der Antagonismus zwischen Ost- und Westjuden nachvollziehbar. Er speiste sich aber auch aus einer gewissen Konkurrenzangst der Ostgegenüber den Westjuden. Hinzu trat ein mehr denn weniger ausgeprägtes Überlegenheitsgefühl der Westjuden. In Deutschland war es für sie charakteristisch gewesen, und blieb es auch in Palästina. Wie ausgeprägt es sich darstellte, geht daraus hervor,daß sie sich als eine "Gesinnungs-Gemeinschaft" verstanden, die wertiegte auf Ordnung, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und außerdem dem Schönen zugetan war. Damit begriff sie sich als eine Gruppe, die, weil ein "konstruktives Element", eine Elite darstellend, für den Aufbau und die Struktur Palästinas bzw. Erez Israel prädestiniert sei. Zwar vermochten die Westjuden auch unter den Ostjuden eine Reihe von Eigenschaften zu erkennen, die für die Gestaltung Palästinas in Frage kam. Die Feststellungen widerspiegeln ein ausgesprochens Verhältnis zwischen den West- und Ostjuden in Palästina seit der nach 1933 einsetzenden deutschen Alijah. Durch das nicht unerhebliche Überlegenheitsgefühl der deutschen Juden erfuhren die Spannungen noch eine Intensivierung. Was den seinerzeitigen Aufbau Palästinas betrifft, so stellte er sich als eine ebenso vielseitige wie schwierige Aufgabe dar. Sie schien kaum lösbar deshalb, weil die kapitalarmen und technisch rückständigen Kleinbetriebe nicht die Voraussetzungen dafür schufen das Land voranzubringen. "Unsere Ladengeschäfte unsere industriellen und Handwerksbetriebe, die Autobus- Verkehrs-Unternehmungen, die Hotels usw., alles das ist größtenteils unzureichend und leistungsschwach. Jedes einzelne Unternehmen im Sinne der modernen Wirtschaft zu entwickeln, erfordert einen ungeheuren Aufwand an Arbeit, Mühe und Nachdenken." In diesen Äußerungen dokumentiert sich die Situation Palästinas aus der Sicht der deutschen Juden, als sie das Land in den 30er Jahren betraten. Sie die zu einem nicht unerheblichen Teil leitende Positionen im Wirtschafts-und Finanzleben in Deutschland innegehabt hatten, erkannten klar die Rückständigkeit Palästinas im Produktions-, Dienstleistungs-und int rast ru kt u re Ilern Bereich. Und sie sahen auch, daß die erforderliche Aufbauarbeit mit den bisherigen Kräften nicht geleistet werden konnte, daß demgegenüber vornehmlich sie die Befähigung besaßen, den Anforderungen zu entsprechen, die notwendig waren, um Palästina zu einem leistungs- und gleichzeitig existenzfähigen Land zu gestalten. Die es noch bis in die 40er Jahre kennzeichnende Rückständigkeit, aber auch die dringende Notwendigkeit einer Modernisierung verdeutlicht die Feststellung eines deutschen Einwanderers, die er 1941 so formulierte: "Ich bin der Meinung, daß (die derzeitigen) Zustände in Zukunft unter dem Druck der Verhältnisse sich gründlich ändern werden. Ebenso wie die übrigen Länder wird auch Palästina nach dem Kriege ganz neuen Problemen gegenüber stehen ...Die Not weiter Teile der Arbeiterschaft und anderer Kreise der Bevölkerung wird es erzwingen, daß die Leitung der Geschäfte Händen übergeben wird, die den Aufgaben gewachsen sind. Dann wird die Stunde der 'Jecken' kommen." Die Formulierungen, die an Schärfe nichts zu wünschen übrig lassen, machen zweierlei deutlich: einmal den Gegensatz, der nach wie vor zwischen Ost- und Westjuden bestand, sodann die Rückständigkeit des Landes. Übrigens führten die in einem Diskussionsbeitrag zum Ausdruck gebrachten Differenzen seinen Herausgeber dazu, ihm eine Nachbemerkung anzufügen, in der es heißt: "Wenn wir vorstehender Meinung Raum geben, können wir nicht unterlassen hinzuzufügen, daß alls Wesentliche im Lande, das die aus Deutschland kommenden Juden bereits vorgefunden haben, von russischen Juden geschaffen worden ist. Es kann zu Mißverständnissen führen, wenn gesagt wird, es gäbe auch unter den Ostjuden solche,die

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