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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1997-01-01 · No. 63 (1997) · p. Seite 17

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1997
Issue
No. 63 (1997)
Date
1997-01-01
Page
Seite 17 (sequence 1465)
Language
German
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Eine abrupte Unterbrechung erfuhr dieser Prozess seit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933. Nun stellte sich nachdücklicher als jemals zuvor in der langen Geschichte der deutschen Juden die Frage nach Auswanderung und Exil oder Untergang in einer sich mehr und mehr verfremdenden Heimat. Dezidiert hinzuweisen gilt es darauf, dass es einmal darum ging, sich in einem fremdsprachigen Umfeld einzurichten, sodann dass die Aufnahmekapazitäten sowohl in den europäischen als auch in den aussereuropäischen Ländern begrenzt waren. Was die Auswanderung nach Palästina betrifft, so gilt es zu berücksichtigen, dass es sich dabei zwar auch um die in ein fremdes Land handelte, dass es aber ebenfalls als Heimat des jüdischen Volkes betrachtet wurde. Und auch das darf nicht übersehen werden: Die Nichtzionisten kamen ins Land weil sie die Ungunst der Verhältnisse in Deutschland zur Emigration zwang. Demgegenüber gelangten die Zionisten in ein Land, das durch sie "idealisiert" und "überschätzt" worden war, in dem sie "eine bessere Gesellschaft und ein erneuertes Judentum" erwarteten. Davon einmal abgesehen, gilt es im Zusammenhang mit der Auswanderung deutscher Juden nach Israel folgendes zu berücksichtigen: Während der ersten Jahre des Dritten Reiches standen die deutschen Behörden einer umfassenden Einwanderung nach Palästina durchaus positiv gegenüber. Das lässt es verständlich erscheinen, dass - It. American Jewish Year Book, Bd 42-von den im Jahre 1933 in Deutschland lebenden 503.000 Juden bis März 1939 60.000 nach Palästina gingen. Das waren immerhin 26% der damals dorthin ausgewanderten Juden. Palästina wurde damit nach den USA, die 90.000 Flüchtlinge aufnahmen, zum wichtigsten Zufluchtsland der deutschen Juden. Demgegenüber nahm keins der übrigen Länder weltweit mehr als 30.000 auf. Versucht man sich klar zu machen, was das Besondere, das Aussergewöhnliche der aus Deutschland stammenden Juden in Palästina ausmacht, dann gilt es zumal ihre geistige Herkunft zu berücksichtigen. Zwar nahmen auch die "Ostjuden" vor dem Ersten Weltkrieg Anteil an der Kultur des Volkes, mit dem sie zusammen lebten, doch hatten sie nicht so tiefe Wurzeln in der Kultur ihres Gastlandes geschlagen wie die deutschen Juden in der deutschen Kultur. Die Symbiose der deutschen Juden mit den Deutschen hatte sich inniger gestaltet, was die einschlägigen Hinweise deutlich werden lassen. Charakterisiert war sie nicht allein durch die blosse Akzeptanz deutschen Kulturgutes, sondern darüber hinaus "durch schöpferische Teilnahme" am deutschen Kulturleben. Die Partizipation der Juden am deutschen Leben in seinen sämtlichen Bereichen war essentieller Bestandteil der deutschen Kulturgeschichte. Und es waren nicht allein die Inhalte der deutschen Kultur, die massgebend wirkten, sondern ebenfalls "die fremden Erlebnisformen, die deutsche Lebens - und Weltanschauung." Hieraus resultierte, dass sich die Juden im deutschen Kulturbereich, auch die Zionisten, mit dem Deutschtum weitgehend identifizierten. Dementsprechend fühlte man sich trotz aller Gegensätzlichkeit, häufig jedoch nur noch dumpf empfunden, sowohl mit den Deutschen als auch mit dem deutschen Geist als auch mit dem jeweiligen deutschen Regime im Einklang. Oppositionelle Haltungen, die aus der jüdisch-menschlichen Bewusstseinslage resultierten, änderten daran kaum etwas. Daher waren und blieben die deutschen Juden stets deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens oder jüdischer Volkszugehörigkeit, auch diejenigen, die sich der oppositionellen Linken zurechneten. Zu den wichtigen Konsequenzen dieser Fakten gehört es, dass die Juden aus Deutschland in Palästina an der Sprache und der Kultur ihres Herkunftslandes in weit stärkerem Masse als die sonstigen Einwander festhielten. "... unter allen Gruppen ist die deutsche, die einzige, welche die Werte der Vergangenheit nicht allein im privaten Leben, sondern auch als Gruppe, als Gemeinschaft pflegte ... In solch gemeinsamer Pflege alten Kulturbesitzes gibt sich eine Treue zu den Werten des früheren Lebens kund, wie sie bei den russischen Juden nicht zu finden ist; haben sie doch in ihrer überwiegenden Mehrzahl unter bewusster Preisgabe des Gewesenen den Weg zur neuen Welt, zur Sprache und Kultur Israels gesucht und gefunden. Das bedeutet nicht, dass bei den deutschen Juden das jüdische Bewusstsein geschwächt ist oder dass in ihnen kein starker nationaler Wille lebt. Die Dinge sind hier anders gelagert." (Viktor Kellner) Noch Prononcierter als Kellner hat der gebürtige Berliner Jakob Rosenthal, ein thoratreuer Jude, der seit 1933 in Jerusalem lebte und dessen Lebensumstände maßgeblich durch die Wertmassstäbe des preußischen Staates bestimmt wurden, die Situation der deutschen Juden in Palästina und damit auch seine eigene definiert. Auf die Frage, ob er ohne Hitler ebenfalls nach Palästina ausgewandert wäre antwortete er u.a.: "(Deutschland war das Land), das nicht nur alle unsere Vorstellungen, Hoffnungen und Ziele auf sich zog .... sondern im Gegensatz dazu (auch) der Ort des höchsten Leides wurde ... Niemals hätte jemand geträumt, dieses Land, das wir ja auch ansahen als unser Land, zu verlassen. Nicht etwa, weil die Bedingungen so gut waren, sondern die subjektive Verbundenheit mit dem deutschen Kulturraum war so ungeheuer stark wie wir sie als solche erst empfunden haben, als wir aus diesem Kulturraum aus-gestoßen wurden und dann ausgewandert waren. Und das gilt für Juden aller Schattier-ungen und aller Gesellschaftsschichten. Ich sage aller Schattierungen. Seien sie engagierte Zionisten oder ebenso engagierte Antizionisten, seien sie Menschen des absoluten und vorbehaltlosen Thorajudentums gewesen oder des Reformjudentums, Großstädter oder Dörfler oder Kleinstädter, Handwerker, Landwirte, Industrielle, Hochschullehrer, Kleinschullehrer, was man will... Keiner ließ sich etwas anderes träumen, als im deutschen Kulturraum nicht nur weiterzuleben, sondern für sich und seine Nachkommen immer stärkere und tie-fere Wurzeln zu schlagen mit dem, was die Judenheit auch in diesem jetzigen Kulturstrom als Juden mit ihrer eigenen Identität erhalten hat, ohne dabei, so hoffte und glaubte man jedenfalls, dem Judentum, der Judenheit und der jüdischen übergrenz-lichen Verbundenheit untreu zu werden." n. Von den dargelegten Voraussetzungen her betrachtet war es klar, daß sich die Einwanderung der deutschen Juden nach Palästina nicht problemlos gestaltete. Doch selbst wenn man von ihnen absieht, waren die Schwierigkeiten vielfältig. So waren die Immigranten in ihrer überwiegenden Mehrzahl des Hebräischen nicht mächtig, was eine erheblicher Barriere für ihre Integration darstellte. Zudem sahen sie sich klimatischen Bedingungen ausgesetzt, an die sie nicht gewöhnt waren. Schliesslich war der Lebensstandard, den sie in ihrem neuen Umfeld vorfanden, im allgemeinen erheblich niedriger als der, den sie in Deutschland gehabt hatten. Ein nicht geringer Teil der Einwanderer nämlich waren Ärzte, Anwälte, Kaufleute, Bankiers, Wissenschaftler, Journalisten und Künstler. Dies, aber auch die Tatsache,daß sie mehrteils nicht freiwillig ins Land kamen, führte zu langwierigen Verkrampfungen, abgesehen davon, daß die Einwanderer aus Deutschland häufig auf Ablehnung seitens der einheimischen jüdischen Bevölkerung stießen. Wie ausgeprägt diese Ablehnung

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