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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1997-01-01 · No. 63 (1997) · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1997
Issue
No. 63 (1997)
Date
1997-01-01
Page
Seite 13 (sequence 1461)
Language
German
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Verschüttete Geschichte (Fortsetzung von Seitei2) wurde das Kabel fachmaennisch befestigt, Reserve gelassen, camoufliert und weitergefuehrt. Da, wo heute Familien wohnen in der Antwerpenstrasse, in der Schimkin-, Jakinton-, Auerbachstrasse, wo der Eschkol-Turm der Universitaet hoch in die Wolken ragt, und vielerorts umher, standen Radioapparate, Heliographe zum Funken bei Tag und Morselampen bei Nacht. Alle wurden vom Bunker aus befehligt und berichteten an ihn, was bei ihren imaginaeren Truppen vorging. Wohl hundert Meter westlich von ihm fuehrte der Weg vorbei. Er bestand hier lediglich aus zwei sehr schmalen, parallel laufenden Asphaltstreifen, auf denen Wagenraeder rollen konnten, waehrend das Zugtier zwischen ihnen auf dem steinigen Boden schritt. Wo jetzt ein Mast der Ueberlandhochspannung an der Strassenbruecke steht, begann diese sonderbare Wegstrecke, verlief, wo heute die Chaim-Laskow - und die Golda Meir - Strasse sind, und endete bei der Pfeilerkette. An einer Stelle am Wegrand ragte ein einzelnes, meterhohes Eisenbahnschienenstueck aus der Erde, das seinerzeit sicherlich auch seine Bedeutung hatte, von der niemand mehr etwas weiss. Dorthin kamen die Autos, um uns nach getaner Arbeit ins Camp zurueckzubringen. Doch bevor wir aufstiegen, goennten wir uns noch ein beschauliches Stuendchen und genossen den herrlichen Blick auf das Tal Sewulun, die Bucht und die Berge des Galil - so, wie es neuerdings die Spazierenden, Marschierenden und Joggenden auf dem Promenadenweg tun. Wir waren wohl die letzten, die den Bunker und seine Funktionsstellen benutzt haben. Wieder ein Jahrzehnt spaeter und bereits Zivilist, ging icht mit meinen Kindern oft in diese immer noch urwüchsige Gegend. Viel zu erzaehlen gab’s, und noch mehr zu fragen. Nach jedem ersten Regen hüpften wir über die verwinkelten Schuetzengraeben und suchten essbare Pilze, die hier recht zahlreich aus dem Boden schossen. Aber nicht nur Pilze - auch Wohnhaeuser und ganze Wohnviertel. Das schoene Haifa wurde und wird immer groesser und schoener, Bagger und Schaufellader veraenderten die Konturen der Berghaenge, breite Strassen entstanden fuer den anwachsenden Motorverkehr. So manches, was an eine historische Zeit erinnern koennte, musste dem aufbrechenden Fortschritt weichen. Die grosse Strassenkreuzung mit Zebrastreifen und Verkehrsampeln verschlang den Grossteil der staehlernen Panzersperre. Das gesamte Gebiet der Graebenanlagen traegt Haeuser und Spielplaetze, und von dem sonderbaren Weg mit den beiden Streifen, auf dessen Spur wahrscheinlich der Prophet Eliahu zum Muchraka eilte, weiss keiner der Anlieger auch nur eine Spur. Und der Bunker wurde zugenurschuettet. Muss dieser Karmel-Abschnitt das Schicksal anderer beseitigter Objekte teilen, weil Emotion, besser gesagt: Geschichtsbewusstsein, die lobenswerte Stadtentwicklung hindert? Ist die Erwaegung, das Rettungsprojekt sei - Gott sei Lob und Dank - nicht zur Anwendung gekommen, geschichtswidrig oder einer Erinnerung nicht wuerdig? Niemand wird bezweifeln duerfen, dass die Ueberlegungen der Stadtplaner ausschlaggebend waren und sind. Seine Geschichte aber hat ein geschichtsbewusstes Volk hoch in Ehren zu halten. Man verleihe dem hohen Stadtgebiet auf dem Karmel wenigstens einen offiziellen Namen, der an die damalige Aufopferungsbereitschaft einer bedrohten Bevoelkerung erinnere. (Dieser Bedrohung wegen wurde auch die Palmach geschaffen). - Schon gab Haifa den neuen Vierteln Namen hervorragender Persoenlichkeiten: Golda, Almogie. Schon nannte ein Bauunternehmen seinen Bezirk “Emek haschemesch”, weil in Anlehnung an ein gewisses “Sunny Valley” Wohnungen guenstiger veraeussert werden koennen. Neue Namensschilder erscheinen in rascher Folge: Ramat Ady, Nof Dania, Savione Dania - und wer weiss, was kommerzielle Koepfe noch erfinden werden. Weiter unten am Berg gab es einmal die Stadtteile Ge'ula, Herzlia, Nachla - heute heisst dies alles “Hadar Hacarmel”. So moege denn das ganze Gebiet oberhalb Achusas (wo immer die Begrenzung verlaeuft) einen von geschichtsbewussten Stadtvaetern zu praegenden offiziellen Namen tragen, der der Stadt - und Landesgeschichte Rechnung traegt und sie ehrt. “Wanderer, kommst du nach... Dania” - sieh, wie sie da liegen, die letzten, bevor ein befehlendes Gesetz auch sie vernichtet: eine Doppelreihe von je neun Eisenpfeilern, etwas weiter am Trottoir nochmals drei, teils überwuchert von wildem Gras, Steinbioecken, Bauschutt. Und wenn du bei deinem Spaziergang an dem noch nicht bebauten Grundstueck gegenueber der Talmudschule stehenbleibst, dann wisse: dreissig oder vierzig Meter vor dem Eingang zur Jeschiwa, vielleicht auch genau da, wo du jetzt stehst, war in der Erde der kreisrunde Befehlsstand, von dem aus das Heer, das uns vernichten wollte, bekaempft werden sollte, der Bunker. ENDBILANZ DER JUDEN BERLINS (“Gedenkbuch Berlins der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus”. Herausgegeben von der Freien Universitaet Berlin, Zentralinstitut fuer sozialwissenschaftliche Forschung. Edition Hentrich Berlin). Es ist, wie nicht anders zu erwarten, ein “schweres Buch”, schwer im Gewicht, 1453 Seiten, und noch schwerer zu verarbeiten, zu verdauen, wenn man die Listen der 55 696 namentlich aufgefuehrten Opfer durchblaettert. [Aus dem Vorwort erfaehrt man, dass es lange Jahre Vorbehalte gab, an dieses Projekt heranzugehen,"hat es einen Sinn, ein Buch zu veroeffentlichen, das eine schier endlose und quaelende Aufzaehlung von Namen enthielt?]" Es gab Einsprueche aus juedischen Kreisen, die fuerchteten, dass 'diese Listen zu einem antisemitischen Schub in Teilen der deutschen Bevoelkerung fuehren wuerde?’ - Nach sechsjaehrigen Vorbereitungen konnte das Buch vorgelegt werden. In klarer Schrift und sauberem Druck, erscheint alphabetisch, dass Familien auseinander gerissen wurden, aber es war nicht anders moeglich, Namen, Vornamen, Geburtsdatum und Geburtsort, letzte Adresse in Berlin, die Transportnummer wie das angegebene Ziel, nicht immer der Wirklichkeit entsprechend, wie man herausgefunden hat. Im “Nachwort und Anhang” bemueht man sich den Nachgeborenen Uebersicht zu geben von der “praezisen” Arbeit, die geleistet wurde. Von Berlin, gingen 62 Transporte ab, vom 18. October 1941 bis zum 5. Januar 1945, mit 35,366 Deportierten, von denen 35 042 Namen aufgenommen werden konnten. Es gab 324 Ueberlebende. Nach Theresienstadt gingen 117 Transporte, vom 6. Juni 1942 bis 27. Maerz 1945, mit 14 663 Deportierten, von denen 12 939 registriert werden konnten. Es überlebten 1728 oder 11,78%. Es werden Statistiken angegeben, nach Geburtsorten, für Deutschland nach Heimatprovinzen aufgeteilt, die auf ver- (Fortsetzung auf Seite 14)

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