Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1997
- Issue
- No. 63 (1997)
- Date
- 1997-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 1454)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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6 Antisemitismus in Osteuropa In Zusammenarbeit mit der Stiftung "Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum" und der Katholischen Akademie Berlin fand Ende November ein Akademieabend mit einem Vortrag zu dem Thema "Antisemitismus in Osteuropa - Renaissance alter Vorurteile - neue Judenfeindschaft“ statt, den Herr Prof. Dr. Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin hielt. Das Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin ist einzigartig in seiner Art in Europa, es widmet sich der interdisziplinären Grundlagenforschung zum Antisemitismus und leistet weit über den Rahmen eines Universitätsinstituts hinaus Aufklärungsarbeit. Es versteht sich als ein zentraler Ort Für allgemeine und übergreifende theoretische und methodische Forschung zu Vorurteil und Diskriminierung, zu Migrationsprozessen und Minoritätskonflikten, zur Geschichte diskriminierter Minderheiten. Die besondere Brisanz des Themas wird ausgelöst durch die die Oeffnung Osteuropas und das Ende der Polarisierung der PHILHARMONIC ORCHESTRA (Fortsetzung von Seite 5) Als sich nach dem Krieg die Grenzen öffneten, kamen berühmte Dirigenten nach Erez-Israel um hier mit dem Orchester aufzutreten. Als nach der Gründung des Staates Israel im Jahre 1948, der Krieg zwischen Israel und den arabischen Staaten ausbrach, war das Orchester eines der ersten kulturellen Institutionen, welches an den verschiedenen Fronten für die Solda-ten spielte. Inzwischen wuchs eine neue Generation von israelischen Musikern ("Sabres") heran welche ihren Platz im Orchester fanden. In den fünfziger Jahren wurde in Tel-Aviv, dank einer grosszügigen Spende des Philantropen Fredric Mann, eine Konzerthalle errichtet, welche zu den grössten in der Welt zählt. Man erzählt sich hier folgende Anekdote: Als einmal eine Delegation aus Berlin in Israel war, und in Tel-Aviv das Fredric Mann Auditorium besichtigte, bemerkte der Leiter dieser Delegation, dass er sehr davon beeindruckt sei, dass in Tel-Aviv ein Saal nach Thomas Mann genannt wird. Darauf verbesserte der Fremdenführer: Nicht Thomas Mann, sondern Fredric Mann. "Und was hat der geschrieben" fragte der Besucher aus Berlin. "Einen Scheck", antwor-tete der Fremdenführer promt. Machtblöcke in Ost und West. Prof. Benz zeigte in seinem Vortrag an Hand sehr detaillierter Beispiele, dass die alten Vorurteile gegen die Juden in den osteuropäischen Staaten wieder laut werden und die Berichte in den Medien und von den Umsiedlern aus diesen Ländern durchaus nicht übertrieben sind. Die Problematik liegt dabei in den GUS- Staaten, dem Baltikum, aber auch in Rumänien, Ungarn und Polen in dem Vorwurf weiter Bevölkerungskreise, dass die Juden die kommunistische Revolution und die kommunistischen Parteien in diesen Ländern bis zuletzt unterstützt hätten und zum Teil tragende Pfeiler der Ideologie gewesen seien und dementsprechend jetzt auch für alle Folgezustände, nicht zuletzt die wirtschaftlichen Missstände verantwortlich wären. Dazu kommt eine erhebliche Unkenntnis der Bevölkerung über das Wesen des Judentums, die Ziele des Zionismus und den Einfluss des Westens auf die gegenwärtige Misere dieser Länder. Noch zwei Ereignisse, welche grossen Einfluss auf das Orchester hatten, seien hier erwähnt. Im Jahre 1967 war der Dirigent Zubin Metha in Israel um über eine Reihe von Kon-zerten zu dirigieren. Als der Sechstagekrieg ausbrach, verliess er nicht das Land, sondern setzte seine musikalische Tätigkeit in Israel fort. Nach dem Sieg veranstaltete das Orchester ein Festkonzert in Jerusalem, an welchem auch der berühmte Geiger Isaac Stern teiinahm. Seitdem ist Zubin Metha der musikalische Leiter des Orchesters. Das zweite Ereignis, welches einen grossen Einfluss auf das Orchester hatte, ist die Einwanderungswelle von Juden aus der ehemaligen Sovietunion, seit den siebziger und achtziger Jahren. Mit dieser kamen sehr viele gute Musiker nach Israel. Ein Teil derselben fand im Israel Philharmonie Orchestra seinen Platz. Heute sind diese 30% des Orchesters. Das Orchester, welches zu den besten der Welt gehört, geht auch auf Tournees ins Ausland, wo es immer vor vollen Sälen spielt. Vielen berühmten Dirigenten aus der ganzen Welt gereicht es zur Ehre, über dieses Orchster zu dirigieren. Wir wünschen unserem Orchester viel Glück für die Zukunft. Masal-tov! M.E. Ssaw-Rakefet Hierbei spielen nach Prof. Benz nicht nur rechtsradikale Einflüsse eine Rolle, sondern auch "Historische Mythen", aber auch besonders der Kampf der wiedererstarkten Orthodoxen Kirche gegen letztlich alles "Nicht-Russische". In den GUS-Staaten ist die "Befreiung der Heimat" vom Weltjudentum eine Hauptforderung. Es wird ein Verbot der Ausreise der Juden gefordert, sie sollen alle vor Gericht gestellt und ihr Vermögen beschlagnahmt werden. Es existieren über 20 rechtsradikale und antisemitische Publikationen in Moskau und 5 in St. Petersburg. Prof. Benz nimmt eine Auflage von 500 000 Exemplaren an. Wegen der Androhung von Pogromen erhielt der Anführer der rechtsradikalen PAN-JAT Bewegung Smirnoff immerhin 2 Jahre Haft. In Polen hat der Antisemitismus von jeher einen besonderen Stellenwert, nicht zuletzt auch kirchlichen Ursprungs. Das Phänomen ist, dass auch jetzt noch ohne einen nennenswerten Anteil von jüdischer Bevölkerung ein latenter Antisemitismus vorhanden ist. Sogar dem Premier Mazowiecki und dem Papst wurden "Kryptojudaismus" vorgeworfen. Im Baltikum, zum Beispiel in Lettland, wird der Antisemitismus als jetzt von Russland verbreitet dargestellt. Eine lettische Kollektivschuld am Holocaust unter der deutschen Besatzung wird abgelehnt. Die absurdesten Vorstellungen werden hier in der Presse diskutiert. So hätte der "Zionismus" die Hitlersche militärische Aufrüstung finanziert, damit in den dann eroberten Gebieten Europas die Juden ausgerottet wurden, die als Assimilierte sowieso nicht für den zionistischen Staat geeignet wären(l). Dazu kommt in allen Ländern Osteuropas eine Relativierung des Holocaust durch die Aufrechnung mit den eigenen Opfern. Selbst die "Protokolle der Weisen von Zion", ein Machwerk der zaristischen Geheimpolizei vom Anfang des 19. Jahrhunderts über die beabsichtigte Zerstörung aller Staaten und die Errichtung einer Herrschaft des Weltjudentums, werden wieder zitiert und verbreitet. Pauschale Behauptungen, von einst Lenin bis Jelzin sei alles fest in jüdischer Hand, (Fortsetzung auf Seite 7)