Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1997
- Issue
- No. 62 (1997)
- Date
- 1997-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Das private Bresla ERZAEHLT von KLAUS AUFRICHTIG — ARKWRIGHT Ein guter Teil des breslauer juedischen Lebens spielte sich ausserhalb der Gemeinde ab, In der Hohenzollernstrasse — Ecke — Kronprinzenstrasse war im Hochparterre eine grosse herrschaftliche Wohnung, in der die Oberschwester Neumann eine private kleine juedische Pension und einen privaten Mittagstisch leitete. Die Schwester meiner Grossmutter, Meta Bernstein aus Oels, hatte sich dbrt zur Ruhe gesetzt. Die beiden Warenhaeuser „Bernstein" in Oels waren schon arisiert und verkauft. Tante Meta's Tochter Henni war nach Griechenland ausgewandert und ihr Sohn Richard war an den Folgen seiner Inhaftierung in Buchenwald (9-11-1938) verstorben. Mein Schulweg von der Gabitzstrasse 136 zu der privaten juedischen Vorschule — Gertrud Wohl in der Lothringerstrasse 8, fuehrte an der Pension Neuman vorbei und so musste ich fast jeden Tag ein kleines Paketchen, oder einen Brief, oder nur die Zeit, zu der sich die Schwestern auf dem Kaiser- Wilhelm-Platz treffen werden, weiterleiten. Tante Meta's Zimmernachbarin war eine Frau Stoller und es entwickelte sich eine Freundschaft zwischen Frau Stoller, die damals zwischen 70 und 80 Jahre alt gewesen sein musste und mir, zu dieser Zeit, kaum 9 Jahre alt. Es war eine rein materialistische Beziehung. Frau Stoller hatte wenig Besuch und so war es besser mit einem Lausejungen Domino zu spielen, als allein im Zimmer zu sitzen und meine Freundschaft war mit dem Rollstuhl der alten Dame. Sie hatte eine Kniegelenkentzuendung und war an einen Rollstuhl gebannt, den ich herumschieben durfte in der Wohnung und die Hohenzollernstrasse entlang. Tante Meta ist in Theresienstadt gestorben, das weitere Schicksal der Frau Stoller ist mir unbekannt. Vor kurzem fuehrte mein Weg durch Cool- )■ S S. LEUTE WELCHE JETZT IN ENGLAND LEBEN ERHALTEN BIS HEUTE EINE PENSION VON DEUTSCHLAND Einer sensationellen Nachricht zufolge, welche am 15.12.96 auf' der ersten Seite der „Sunday Times" erschien, erhalten hunderte von S.S. Leuten und Kollaborateuren mit den Nazis im zweiten Weltkrieg, Pensionen im Werte von mehr als eine Million englische Pfunde im Jahr. Untersuchungsbeamte der Scotland Yard welche in den Pensions-Akten in Deutschland nachforschten, fanden dass S.S. Leute und Kollaborateure, welche verdächtig sind für den Mord von 8,000 Juden in Litauen im Jahre 1941 verantwortlich zu sein, erhalten weiterhin Pension aus Deutschland. Diese Hitlerpensionäre sind, nach den Angaben der deutschen Versicherungsbehörden, in der ganzen Welt verstreut: U.S.A. (3,377); Kanada (1,882), Brasilien (196); Argentinien (128); Australien (601); Rumänien (1,014); Frankreich (810); Ungarn (1,337). Kommentar überflüssig. gardie, 700 Kilometer oestlich von Perth, am Rande der Zentral-Ausralischen-Wueste gelegen. Diese Stadt hatte von 1893 bis 1899 18000 Einwohner, davon 120 Juden, eine Synagoge, die ganze 3 Jahre in Betrieb war. Jetzt ist es eine Ghost-town. Die Besucher, die an der Geschichte der britischen Kolonie West-Australien interessiert sind, sehen sich dort den grossen Friedhof an. Zwischen 1894 und 1899 sind auf diesem Friedhof 1108 Menschen beerdigt worden. Die meisten Goldgraeber sind am Typhus gestorben. Ein Drittel sind namenlos beerdigt worden. Der australische Busch ist die einzige Vegetation. Grabsteine gibt es fast gar nicht. Aber in einer Ecke des grossen Friedhofs sind ungefaehr 20 juedische Graeber und zwei Grabsteine. Einer davon ist ganz grandios fuer Coolgardie und der einzige Grabstein mit einer deutschen Inschrift „Friedrich Stoller gestorben 9. November 1896, 23 Jahre alt aus Breslau" ist dort zur Ruhe gelegt. Es gab in dieser Stadt, im wilden australischen Westen, keinen Steinmetz, der hebraeische Buchstaben auf den Stein haette einmeisseln koennen. Es gibt keine Angehoerigen und keinen Nachweis ueber das Leben des breslauer australischen Juden, Friedrich Stoller. Eine Ironie des Schicksals liess ihn am 9. November 1896 sterben und am am 9. November 1938, 42 Jahre spaeter spielte ich Domino mit einer seiner Angehoerigen, von denen er dem australischen Grabstein nach, „tief betrauert" war. Ich konnte es damals gewiss nicht ahnen, dass ich ungefaehr 100 Jahre nach seinem Tode sein Grab durch Zufall an dem australischen Wuestenrand finden wuerde. Es war ein eigensames Treffen zweier Mitglieder der breslauer juedischen Gemeinschaft. Judith und ich legten einen kleinen Stein auf sein Grab, vielleicht der einzige Zeuge eines Besuches dieser einsamen Ruhestaette. PS Wir üfT * i Deutsche Ärzte (Fortsetzung von Seite 18) wahrend der Nazizeit der Ärzteschaft beschlossene Grundsätze, Richtlinien und Massnahmen. Ein „Nürnberger Ärztekodex" legt die zukünftigen Grundlagen, insbesondere für medizinische Experimente am Menschen fest. 1947 wurde von den Ärztekammern der drei Westzonen wieder ein Gelöbnis auf der Basis des „Hippokratischen Eides" beschlossen und Bestandteil der Berufsordnung. 1951 wurde Deutschland, wie bereits erwähnt, wieder in den Weltärztebund aufgenommen. Die Forderung nach einem Schuldbekenntnis der deutschen Ärzteschaft zu den Verbrechen in der Nazizeit wurde nicht aufrechterhalten, nachdem die Ärzekammern die verbrecherischen Verfehlungen der Ärzte während 1933 bis 1945 eingehend missbilligt hatten. Die „Deklaration von Tokio" (Okt. 1975) stellte unter Mitwirkung deutscher Ärzte Richtlinien für den Arzt in Verbindung mit Haft und Gefangenschaft auf und verbot weltweit Folterungen und Grausamkeiten. Den Selbstverwaltungskörperschaften der deutschen Ärzteschaft wird immer wieder der Vorwurf gemacht, sie hätten sich nicht oder nicht ausreichend mit den Ereignissen der Jahre 1933—1945 auseinandergesetzt. Die erneute Beschäftigung des 99. Deutschen Ärztetages mit dieser dunklen Periode der Geschiche des deutschen Arzttums soll helfen, den Vorwurf mangelnder Beschäftigung mit der Thematik weiter zu entkräften. Eine mehr gegenwartsbezogene Perspektive von Prof. Dr. med. E. Ernst Exeter aus cem August 1995 sei hier zitiert: „Wir leben in einer Zeit, in der das Gedankengut des Dritien Reiches erneut zu Untaten führt. Indem wir versuchen zu verstehen, was damals geschehen ist, schützen wir uns gleichzeitig davor, dass Ähnliches wieder passieren kann. Wichtiger noch ist vielleicht ein weiterer Aspekt: Die Geschichte der Medizin im Dritten Reich muss erzählt und immer wieder erzählt werden, um diejenigen zu ehren, die ihre Opfer waren". Bei der sich anschliessenden Diskussion auf dem Ärztetag fanden die Ausführungen weitgehende Zustimmung, besonders von den Angehörigen der Opfer. Dr. med. KURT SAMUEL „Die Mahnung" August-September 1996 SUCHE MEINEN HELFER AUS DER NOT 1947 lernte ich in Russland, Laptewo, meinen Helfer, einen Stabsarzt der russischen Armee, kennen .Es war Dr. Probst, der mir später erzählte, dass Jude ist, in Breslau als Arzt praktizierte und 1933 nach Russland emigrierte. Frage: Ist Dr. Probst später nach WROCLAW wieder zurückgekehrt, oder ist sein jetziger Aufenthalt dort bekannt? Wenn ja, bitte um Nachricht an Friedrich Lohrie, Moorhuser Strasse 12, D-26817 RHAUDER¬ FEHN. 19