Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1997
- Issue
- No. 62 (1997)
- Date
- 1997-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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EXILLAND PORTUGAL von HANNS REHFELD Weil lediglich ein paar hundert Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg in Portugal verblieben, ist nur wenig über die Haltung dieses Landes und seiner Bewohner gegenüber der Fluchtwelle bekannt, die von 1933 an und verstärkt nach der Niederlage Frankreichs im Sommer 1940 in und durch das Land strömte. Es waren insgesamt etwa 80.000 bis 100.000 Menschen, 95% von ihnen Juden aus verschiedenen europäischen Ländern, darunter viele aus Deutschland. Unter Salazar durfte nicht viel darüber geschrieben werden, und nach der Nelkenrevolution 1974 gab es vordringlichere Probleme für die Portugiesen aufzuarbeiten. Die deutsche Kolonie, vom braunen Geist infiziert, ignorierte die Flüchtlinge aus ihrem Heimatland oder stand ihnen feindselig gegenüber. Nach dem Krieg bestimmte sie aufgrund ihrer wirtschaftlichen Beziehungen und Stärke das Bild Portugals während des Krieges. Auch von den deutschen Auslandsgemeinden beider Konfessionen ist keine Anteilnahme an dem Los der Flüchtlinge bekannt. Wer also sollte darüber berichten, zumal die bedeutenden Persönlichkeiten unter den Emigranten wie Franz Werfel, Heinrich Mann, Alfred Döblin, Max Ernst und Erich Ollenhauer dank ihrer besseren Beziehungen nur kurze Zeit in Lissabon verweilten und schon bald das erhoffte Visum samt Schiffskarte zur Weiterreise erhielten? Die Deutsche Botschaft hatte selbst im Jahre 1990, als viele der in Portugal verbliebenen Flüchtlinge noch lebten, kaum Beziehungen zu ihnen. Ihr fehlte sowohl das Interesse wie eine hinreichende Kenntnis über dieses Geschehen; sie betreute ja die (einstmals braune) deutsche Kolonie. So war es ein Glücksfall, dass das Goethe-Institut aus Anlass der Ausrufung Lissabons zur europäischen Kulturhauptstadt 1994 etwas mehr Geld als gewöhnlich zugewiesen bekam. Es war weiter ein Glücksfall, dass der jetzige Leiter Dr. Winterberg dafür nicht noch ein Symphonieorchester aus Deutschland einlud, stets die bequemste und mit wenig Risiko behaftete Form der Kulturarbeit, sondern sich der Darstellung dieses vergessenen Schicksals annahm. Aber auch er war erst kurz auf diesem Posten und wenig mit den Verhältnissen vertraut. So war es schliesslich ein dritter Glücksfall, dass eine junge Soziologin aus Berlin, Christa Heinrich, bereits einige Interviews mit weniger bekannten, aber vielleicht repräsentativen ehemaligen Flüchtlingen in Portugal auf Film festgehalten hatte und wertvolle Kontakte vermitteln sowie wichtige Hinweise geben konnte. Das Resultat ist die Ausstellung Lissabon 1933—1945, Fluchtstation am Rande Europas, die jetzt u.a. auf Einladung und mit aktiver Unterstützung des Hauses der Wannsee-Konferenz auch in Berlin in der Akademie der Künste zu sehen war, nachdem sie vorher an all den Orten in Portugal, wo sich Flüchtlinge während des 2. Weltkriegs aufgehalten haben, gezeigt und durch Exponate von Zeitzeugen angereichert worden war. Von Berlin aus geht sie nun nach München und vermutlich Sao Paulo in Brasilien, obwohl sie es verdiente, an vielen anderen Orten Deutschlands gezeigt zu werden. Parallel dazu fand in Wannsee ein zweitägiges Symposium statt, das den etwa 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern tiefere Einblicke und wertvolle Zusatzinformationen bot. Vorträge über den geschichtlichen Hintergrund, das politische Umfeld, Stand und Probleme der Forschung wechselten ab mit filmischen Dokumenten und den ergreifenden persönlichen Erinnerungen zweier ehemaliger Flüchtlinge, Ruth Arons, die heute als portugiesische Staatsangehörige in Lissabon lebt, und Heinz Wisla. Dessen Flucht, die zunächst auf dem legendären Donauschiff bis vor die griechische Küste führte, wo der Seelenverkäufer schliesslich strandete, die Schiffbrüchigen in italienische Gefangenschaft gerieten, er selber sich dann weiter über Spanien nach Portugal illegal durchschlug. Einig waren sich alle Flüchtlinge in der Anerkennung der menschlichen Haltung der portugiesischen Bevölkerung, die trotz grosser kultureller Unterschiede und der zeitweise erdrückenden Anzahl der Flüchtigen sich aufopferungsvoll hilfsbereit zeigte. Antisemitismus schien ihr fremd zu sein; die Ausweisung der Juden aus Portugal 1498, die Inquisition, das alles lag weit zurück in ihrer Geschichte und war ohne Bedeutung für die Gegenwart. Die Haltung der portugiesischen Regierung, die der Exilforscher Patrick von zur Mühlen von der Friedrich-Ebert-Stiftung als ,,spätabsoiutistisch” bezeichnete, war zwiespältig. Zwar deutschfreundlich, aber ohne Sympathie für die Rassenpolitik der Nazis, hat sie keinen auch illegal ins Land gekommenen Flüchtling an Deutschland ausgeliefert. Die Aktivitäten, der gefürchteten Geheimpolizei PVDE, später FIDE, waren vornehmlich gegen Kommunisten gerichtet, wenn auch Teile von ihr mit der Gestapo zusammenarbeiteten. Die traditionelle Verbindung zu England, wirtschaftlich bedingt, erlaubte den Westmächten, Druck auf das Salazar-Regime auszuüben. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Lissabons, Professor Moses Amzalak, ein ehemaliger Studienkollege und späterer Berater Salazars, wirkte in der Judenfrage — wie auch die katholische Kirche Portugals — mässigend auf den Diktator ein. Dennoch war der Alltag der Flüchtlinge schwer genug. Die Regeln hinsichtlich der Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis änderten sich ständig. Erstere wurde mit Ausbruch des Krieges praktisch auf Null reduziert, letztere bedeutete während der zweiten Kriegshälfte vielfach Zwangsaufenthalt in verödeten Badeorien am Atlantik. Das Schicksal ihrer in Deutschland zurückgebliebenen Angehörigen lastete schwer auf ihnen, und wenn Pakete mit dem Vermerk „Empfänger unbekannt verzogen" zurückkamen, wusste jeder, was das bedeutete. Vor allem fürchteten sie, die kein Visum und keinen Schiffsplatz mehr erlangen konnten, eine Invasion der Deutschen wie in Griechenland. Geholfen hat der portugiesische Staat ihnen mit keinem Escudo. Nur dank der aus privaten Spenden ermöglichten Unterstützung jüdischer und christlicher Hilfsorganisationen aus den Vereinigten Staaten, deren Tätigkeit die portugiesische Regierung wenig behinderte, konnten sie ein menschenwürdiges Dasein fristen. Einige wenige hatten sich als Kleinunternehmer eine Existenz aus eigener Kraft aufbauen können. Ein besonderes Schicksal widerfuhr Ilse Lieblich, 1913 in der Nähe von Osnabrück geboren. Wegen eines offenherzigen Briefes von der Gestapo verhört, blieben ihr sechs Tage Zeit, Deutschland zu verlassen. Sie ging zu ihrem Bruder, der sich in Porto im Exil befand, heiratete den portugiesischen Architekten Losa und begann auf Anraten ihres Arztes hin zu schreiben. Ihr Buch über das neue Land „Unter fremdem Himmel" ist erst spät ins Deutsche übertragen worden. Es folgen zahlreiche Übersetzungen deutscher Literatur, u.a. Thomas Mann, ins Portugiesische aber erst 1992 erhielt die fast Achtzigjährige das Bundesverdienstkreuz, das in New York jedem deutschen Vereinsmeier um die Vierzig zusteht. Ein Beispiel gelungener Akkulturation? Scheinbar, doch ihr Ausspruch in dem auf der Tagung gezeigten Dokumentarfilm „Zwei Identitäten sind weniger als eine” stimme nachdenklich. Fazit aller Berichte auf der Tagung und der persönlichen Zeugnisse in der eindrucksvoll gestalteten Ausstellung kann nur sein: dank der portugiesischen Haltung, zu der auch die grossartige Visaerteilung des portugiesischen Generalkonsuls Aristides de Sousa Mendes im Jahre 1940 in Bordeaux gehörte, über die an anderer Stelle zu berichten sein wird, wurde verhindert, dass weitere fast hunderttausend Menschen der Mordmaschinerie der Nazis zum Opfer fielen. Dafür verdient Portugal bleibenden Dank in einem Europa, das auch heute wieder Augen, Ohren und Herzen vor der Not neuer Flüchtlinge verschliesst. „Die Mahnung”, 1.11.1995 m&sx mm DIE „JÜDISCHE TURNERSCHAFT” (Fortsetzung von Seite 17) und wird auch den Kindern in stolzer Erinnerung bleiben". Als Artur Biram 19T4 die Realschule in Haifa übernimmt, findet er keinen Turnlehrer. Er überträgt die Aufgabe Dr. Auerbach, der als erster jüdischer Arzt 1909 nach Haifa kommt. In der Turnzeitunn sorgte man sich um Kommandowor'e. Man sah ein, dass die deutschen Ausdrücke weder in Bulgarien noch in der Türkei anwendbar seien. Im Jahre 1908 weiden Vorschläge erbeten und Berichte über praktische Erfahrqen. Im gleichen Jahr finden wir einen Hinweis, dass in Berlin eine Frauen-und-Mädchengruppe besteht. Die Gruppen in Deutschland organisierten zwei „Turnfahrten" nach Palästina, 1912 und 1913. -f Der erste Weltkrieg un'erbricht die Aktivität der jüdischen Sportverbände und führt praktisch zum Erlöschen der Jüdischen Turnerschaft. Erst im September 1919 konnte man in Deutschland an einen Neuanfang denken. A.uf dem 12 Zionistenkongress, Karlsbad, 192 i wi>-d die Organisation neu geschaffen, die sich jetzt „Makkabi Weltverband" nennt, indem sich dann der Gedanke an eine Makkabiade entwickelt, die nach längeren Vorbeitunqen 1932 erstmalig abgehalten werden konnte. Druck „Daf-Ratz", Tel-Aviv, Rh. Salame 46. Tel. 6838387