Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1997
- Issue
- No. 62 (1997)
- Date
- 1997-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE JÜDISCHE JUGENDBEWEGUNG IN DEUTSCHLAND (QUELLEN ZUR GESCHICHTE DER JÜDISCHEN JUGENDBEWEGUNGEN IN DEN JAHREN 1909-1933 VON YEHOYAKIM DORON, VERLAG RUBIN MASS LTD., JERUSALEM, ZUSAMMEN MIT DEM LEO BAECK INSTITUTE UND YAD YA’ARI) Die jüdischen Judendbewegungen in Deutschland zwischen den zwei Weltkriegen, waren einer der wichtigsten Faktoren des Jüdischen Lebens in Deutschland. Die fortschreitende Assimilation einerseits und der aufkommende gewalttätige Antisemitismus (im Gegensatz zu dem „alten bekoweden Risches”, wie unsere Grosseltern es nannten) andererseits, forderten von der jüdischen Jugend in Deutschland sich damit auseinanderzusetzen. Da es bis 1933 nur wenige jüdische Schulen gab — insbesonders Gymnasien — lernten die jüdischen Kinder in den allgemeinen Schulen, in welchen sie sich mit den nichtjüdischen Mitschülern und Lehrern zu konfrontieren hatten. In diesen Schulen bekamen die Schüler meistens zwei Stunden in der Woche Religionsunterricht und im besten Falle noch einige Stunden in der Woche noch einige Stunden nachmittags in der von der Gemeinde subventionierten Religionsschule. In den meisten Fällen endete diese „jüdische Bildung” mit. der Bar-Mitzwa, und nur Kinder aus orthodoxen und konservativen Familien lernten weiter und vertieften sich in den Quellen des Judentums. Dieses so interessante Buch beginnt mit einer Übersicht der allgemein politischen und wirtschaftlichen Lage in Deutschland zur Zeit der Emanzipation. Danach beschäftigt sich der Verfasser mit den grossen Veränderungen welche in der jüdischen Gesellschaft in Deutschland vorsichgingen. Auf der einen Seite eine Welle von Assimilation, und andererseits wurde hier die Grundlage für die „Wissenschaft des Judentums” geschaffen welche sich schnell in der ganzen jüdischen — und auch nichtjüdischen — Welt verbreitete. Wenn auch ein nicht kleiner Teil der Juden in Deutschland in religiöser Beziehung liberal wurden und das traditionelle Judentum verliessen, waren sie am Ende des vorigen Jahrhunderts und auch am Anfang des 20. in politischer und gesellschaftlicher Hinsicht das ganze Gegenteil. Es bildete sich unter ihnen eine Bourgeoisie — ähnlich wie in der nichtjüdischen Umwelt — deren Ziel es war sich an die Umwelt zu assimilieren. Der reaktionäre Charakter der deutschen Politik nach Gründung des deutschen Reiches (1871), war die Ursache zweie-, Bewegungen, welche sich mit dieser Lage nicht abfinden wollten, da sie sich von der patriarchalischen Art und Weise, wie sie in Haus und Schule propagiert wurden, unterdrückt fühlten. Diese Lage führte zur Gründung der Frauen- und Jugendbewegung. Die jüdische Jugend, welche aus diesen Kreisen kam, war grossenteils nicht gewillt sich mit diesem kleinbürgerlichen Lebensstil abzufinden. Andererseits wurden sie mit dem damais grassierenden Antisemitismus in Schule und Universität konfrontiert. Da wie schon erwähnt, die meisten Schüler (insbesonders in den Gymnasien) in nichtjüdische Schulen gingen, schlossen sie sich in Gruppen zusammen, aus welchen die jüdischen Jugendbewegungen aller Strömungen umstanden. Trotzdem die Aktivität der jüdischen Jugendbewegung in Deutschland (besonders der zionistischen) sich bis zum Anfang des 2. Weltkrieges erstreckte, behandelt das Buch nur die Zeitspanne 1909—1933, da es sich auf eine Fülle von Dokumenten stützt. Nachdem Jahre 1933 gibt es (trotz intensiever Aktivität der Jugendverbände) wenige schriftliche Quellen, aus Angst dass diese in die Hände der damals schon herrschenden Nazis fallen könnten. Die bis 1933 vorhandenen Dokumente werden in diesem Buch gebracht (in jedem Ka- -pitel, welches einer bestimmten Bewegung gewidmet ist, die dazugehörenden Dokumente). Diese geben' ein genaues Bild von der Gedankenwelt der einzelnen Organisationen. Ausschnitte aus Bundeszeitschriften, Briefe von Jugendleitern und Diskussionen, veranschauenlichen die Problematik. Das Buch ist in acht Kapitel und eine Einleitung eingeteilt. In der Einleitung beschreibt der Verfasser den historischen Hintergrund, aus welchem sich die jüdische Jugendbewegung entwickelte. Das erste Kapitel — „Von Assimilation zum Zionismus und Jugendbewegung” — behandelt die Zeit vor der Gründung des zionistischen „Blau-Weiss”. In den in diesem Kapitel veröffentlichten Dokumenten, werden die Probleme der damaligen jüdischen Jugend behandelt (bis zur Gründung des „Blau Weiss”), und insbesondere das Verhältnis zun~. „Wandervogel”. Die Kapitel: 2 (Blau-Weiss), 3 (Kameraden), 4 (Esra), behandeln die drei grössten Bewegungen. Trotz der jüdisch-ideologischen Unterschiede (Blau-Weiss — zionistisch, Kameraden — liberal, Esra — orthodox) waren alle drei —durch Schule und Umgebung — kulturell (Sprache, Literatur, u.a.m.) mit Deutschland verbunden. In einem Artikel in der Zeitschrift „Der Jude” zeigte Mosche Calvr.ry den grossen Einfluss des „Wandervogel” auf den „Blau-Weiss”. Das gleiche gilt aber auch für die anderen Bewegungen. Der Blau-Weiss war die erste (1912 gegründet) wirklich jüdische Jugendbewegung. Er war rechts eingestellt und es kam daher zu Zwistigkeiten zwischen ihm und der offiziellen zionistischen Organisation in Deutschland (ZVfD). Gruppen des „Blau-Weiss” gingen schon in den zwanziger Jahren nach Erez-Israel, aber waren dort im Streit mit der „Histadrut" und den in ihr organisierten sozialistische! Parteien. In den Jahren 1922—1927 kam es zu vielen inneren Auseinandersetzungen. Diejenigen welche sich mit der Ideologie des „arbeitenden Erez-Israel” identifizierten, verliessen den „Blau-Weiss” und gründeten den „Brith- Ha'olim". Diese Spaltung führte zum Schluss zur Auflösung des „Blau-Weiss”. Eine weitere Ursache war die Distanzierung der zionistischen Studentenorganisation K.J.V. vom „Blau- Weiss. Das grosse Verdienst des „Blau- Weiss” war es aber, dass er einen grossen Teil der von der Assimilation bedrohten jüdischen Jugend zur Jüdischen Selbstbesinnung brachte. Die „Kameraden" welche ein Gegengewicht gegen den „Blau-Weiss” sein sollten, wurden im Jahre 1916 (in Breslau) durch den Einfluss des nicht-zionistischen CV (Zentral Verein) und die zu ihm gehörende Studentenverbindung KC (Kartell-Convent) gegründet. Aber bald bildeten sich dort drei Strömungen heraus: eine links-radikale Gruppe; eine Gruppe, welche sich mit den Zielen des CV indentifizierte, aber sich dann, mit vollkommener Blindheit geschlagen, deutsch-patriotischen Ansichten zuwandte; die dritte Gruppe (Kreis) welche sich positiv-jüdischen Dingen zuwandte, nannte sich nach der Spaltung der „Kameraden” im Jahre 1932, „Werkleute". Die „Werkleute” fanden bald den Anschluss zur zionistisenen Bewegung im Sinne Martin Bubers. In Erez-Israel gründeten sie einen Kibbuz (Hasorea), welcher sich dann dem Kibbuz Ha’arzi des Haschomer Hazair anschloss. Das Vierte Kapitel ist dem religiösen Jugendbund „Esra" gewidmet. In dem 1918 auf Initiative der Agudat-Israel gegründeten Jugendbund, machten sich bald Stimmen laut, welche einen orthodoxen, aber nicht von einer politischen Partei älterer Leute bevormundeten, Jugendbund wollten. Schon im Jahre 1919, auf dem Treffen in Halberstadt, wurden die Ziele programmatisch festgesetzt und die Loslösung von Agudat-Israel beschlossen. Esra sah in Rabbiner Samson Raphael Hirsch ihren geistigen Vater. Sein Programm „Thora mit Derech Erez” — strikt religiöse Lebensführung verbunden mit allgemeiner Bildung einerseits und eine Jugendbewegung zu sein andererseits, waren das Ziel. Der Verfasser beschreibt in diesem Kapitel auch die Gründung des religiös-zionistischen Jugendverbanues Ze'ire Misrachi in Erez-Israel, sowie auch die Gründung des Bachad (Brith Chaluzim Datiim) welche nach absolvierter Hachschara nach Erez-Israel gingen. Auch der Esra hatte zum Zionismus Stellung zu nehmen, und schon 1924 gründete er sein „Erez-Israel Bureau”. Über alle diese Probleme, lesen wir in den reichlich vorhandenen Dokumenten. Hier ist er am Platz ein Problem zu erwähnen, welches in anderen Jugendbewegungen nicht bestand. Eines der wichtigsten Gebote ist die Ehrung der Eltern. Zur Zeit der Entstehung der Jugendbewegung, gab es oft Spannungen zwischen Eltern und Kindern. Dieses Problem ist gerade in dem gesetzestreuen Judentum zur Zufriedenheit beider Seiten im Sinne des Judentums gelöst worden. (Esra, jüdische Jugcndblätter VI (1925). Gerade die geseizestreusn Eltern überzeugten sich davon wie sehr die religiöse Jugendbewegung zur religiösen Festigung der Jugendlichen beitrug. (Ss. 208—209). Das fünfte und das sechste Kapitel sind drei Bewegungen gewidmet, welche nach vielen Spaltungen sich 1932 zum „Habonim Noar Chaiuzi” vereinigten. Über „Elabonim” welche nach 1933 die grüssie Jugendbewegung in Deutschland war finden wir kein Material in dem Buch, welches sich, wie gesagt, nur über die Zeitspanne 1919—1933 erstreckt. (Fortsetzung auf Seite 17) i 6