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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1997-01-01 · No. 62 (1997) · p. Seite 15

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1997
Issue
No. 62 (1997)
Date
1997-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Der „Merkwürdigste Olej Germania" tm August 1939 veröffentlichte der in Jerusalem lebende und vor 1933 in Deutschland bekannte Reisejournalist C .Z. Klötzel im wöchentlich erscheinenden Mitteilungsblatt der „Hitachdut Olej Germania", eine Reportage, die er dem „merkwürdigsten Olej Germania" widmete. Jahre später treffen wir auf der Brücke eines deutschen Handelsschiffes Kapitän Heinz Pietsch. In der Unterhaltungergibt sich, dass er ein Sohn dieses „merkwürdigsten Einwanderer" ist, der lange Jahre hier lebte und seine nautische Ausbildung absolvierte. Im Lande ist der Name vergessen, doch ohne die Bemühungen von Käpt'n Gustav Pietsch würde es sicherlich länger gedauert haben, eine jüdische Fischereiflotte aufzubauen wie nach 1949 die ersten Hafenanlagen in Eilat zu schaffen. Er war Freund und Lehrmeister einer Gruppe junger Menschen, die er mit dem Meer und seinen Bedingungen vertraut machte, zusätzlich zu den wenigen, die auf gezählten Frachtschiffen seinerzeit ihre Ausbildung erhielten. — Wie jede „story" hat auch diese zwei Anfänge, zwei Quellströme, die sich treffen und damit Voraussetzung für die spätere Entwicklung schaffen. . *] Beginnen wir mit dem leichteren Teil: Einwanderungszertifikate in das Mandatsland Palästina wurden nur denen bewilligt, die eine „Hachschara", eine Ausbildung absolvierten, die nicht immer praktisch und selten zu einer im Lande benötigten Berufsausbildung führte. Die Jugendorganisation „Gordonia" konnte es bis 1939 in Polen und Rumänien auf 40 000 Mitglieder bringen. In den dre:ssiger Jahren beschloss sie eine Gruppe nach Gdynia zu schicken, um dort als Hafenarbeiter ausgebildet zu werden, denn 1934 wyrde der Hafen in Haifa eröffnet. Die Jungens arbeiten fleissig in den Lagerhallen, die Mädchen flickten die Netze der Fischer. im nahen Danzig lebte Käpt'n Pietsch, der einer seit Generationen mit dem Meer verbundenen Familie angehörte, die in Pommern beheimatet war. Gustav, Jahrgang 1891, fuhr seit seinem 16. Lebensjahr zur See. Im ersten Weltkrieg brachte er es zum Kommandanten einer Minensuchflottile, später zum Kapitän der Handelsmarine. Er liess sich in Danzig nieder, wo er Vorsitzender des „Verbandes der Kriegsopfer" wurde. Als nach 1933 die Nationalsozialisten auch in Danzig die Macht eroberten, forderten sie ihn auf, die „nichtarischen" Mitglieder auszuschliessen. Pietsch lehnte ab, er habe mit ihnen gemeinsam gekämpft. Man bedrohte ihn wie die Familie. Die Gestapo sperrte ihn einige Male ein. Glücklicherweise stand die Freie Stadt noch unter internationaler Kontrolle des Völkerbundes. Irgendwie, daran konnte sich der Sohn nicht mehr erinnern, wurde der Vater auf die Hachschara-Gruppe aufmerksam. Diese Gruppe, ca 60 Jungen und Mädchen, gefiel ihm. er bewunderte ihren Willen, ihre Begeisterung. Es ist unklar, wer die Anregung gab, :hnen seemännisches Wissen und Praxis beizubringen — und das in Erez Israel. Käpt'n Pietsch zog sich seine Uniform an, fuhr nach Polen, um diesen Gedanken zu verbreiten, und um Gelder zu sammeln für das Holz, um später in Palästina die Kutter zu bauen — für ihn eine der Voraussetzungen von HEINZWERNER GOLDSTEIN für einen Fischer. Pietsch besuchte das Land 1937, nahm Kontakte mit der Jewish Agency auf. Aus seinen Plänen und Gutachten geht hervor, dass die Küstengewässer vielen Beschäftigung geben könnten, durch Fischfang und den damit verbundenen Industrien. Man schickt ihn in die Bucht von Akaba, wo in Um Rasch Rasch einige Beduinen lebten. Die Gruppe in Gdynia erhielt Anfang 1938 ihre Zertificate. Pietsch beschloss ihnen zu folgen. Die Auswanderung einer deutschen Familie wurde für sie und den beiden Söhnen zu einem Abenteuer. Sie verliessen Danzig mit dem „Korridorzug”, dessen Türen während der Fahrt durch Polen verriegelt wurden. Über Aachen, Holland, Belgien kamen sie nach Frankreich, wb die Familie einen Monat Gast der PICA, der „Palestine Jewisch Colonisation Association", die die Rothschildschen Böden verwaltete, war, bevor sie weiterreisten. Gustav Pietsch traf die Gruppe in Naharia. Unter seiner Leitung wurden am Strand drei Kutter gebaut. Die grade Küste mit ihren starken Brandungswellen, eignete sich nicht als Basis für eine Fischerei. Hafenanlagen waren nicht vorhanden. Irgendwie erfuhren sie, dass die PICA Bodenreserven bei Atlit besass, die sie der Gruppe aus nicht mehr festzustellenden Gründen nicht geben wollte. Im Jahre 1938 organisierten sie mit ihrem Kapitän eine „Plischa", eine Besetzung. Ihre Zelte errichteten sie in dar Bucht südlich der Kreuzfahrerruine. Später lenkte die PICA ein, sie erhielten Boden zur Ansiedlung wie zur landwirtschaftlichen Bearbeitung, und aus dem Kibbuz „Gorctonia" wurde „Nawe Jam", die Meereswohnung. Bis zum Krieg schlossen sich Gruppen aus Öste'reich und der Tschechoslowakei an. Die Familie Pietsch lebte sich schnell ein. WEGWEISER DURCH DAS (Fortsetzung von Seite 14) Israel, dem ältesten Warenhausbetrieb in Berlin, ein Rittergut ihr eigen nannte, wie Rudolf Mosse, einer der Zeilungskönige Berlins, ein Ritttergut besass und dort bei einem Jagdausflug 1920 an einem Herzschlag erlag. Die Familie der Bankiers, Mendelssohn-Bartoldy, deren Vorfahren schon 1822 sich taufen Messen, wie alle Kinder Moses Mendelssohns, kaufte sich 1892 einen Gutshof mit Schloss. Die Firma Kempinsky, Besitzer eines Gaststättenbetriebes in Berlin, pachtet Anfang 1932 ein Schloss mit Park und Strandfläche, um ein Hotel und Resiaurantbetrieb zu errichten... -¥- Den erwähnten jüdischen Gemeinden wurden qut fundierte historische Denkmäler errichtet, auch die Versäumnisse und Zerstörungen in der DDR-Zeit werden nicht vergessen. Viele der nicht aufgeführten Gemeinden findet man durch den Index, wenn gemeinsame Aufgaben vorhanden waren, der gleiche jüdische Beamte, Lehrer und Rabbiner, die Gemeinden betreuen mussten; auch aus Als am 21. März 1938 die Siedlung Chanita als erste an der Nordgrenze errichte wurde, in der Periode der „Mauer und Turmsiedlungen" waren die Söhne mit den Kameraden der Gordonia dabei. Mit Ausbruch des Krieges wurden sie von den britischen Behörden als feindliche Ausländer interniert. Die Sicherheitsbedingungen erschwerten die Fischerei. Der Sochnut gelang es, die Familie Pietsch aus dem Lager zu befreien. Der Vater wurde im Hafen von Tel Aviv beschäftigt, blieb unter Polizeiaufsicht mit täglichem Meldezwang, erst zwei Jahre später durfte er wieder zum Fischfang ausfahren. Der Staat griff 1949 auf seine Pläne zurück, nach denen die ersten Hafenanlagen in Eilat errichtet wurden, dem Tor zum Fernen Osten. Gustav Pietsch blieb bis 1954 in Eilat. Damit beendete er seine Aktivitäten in Lande. Im Jahre 1956 besuchte er Berlin und beschlbss sich dort zur Ruhe zu setzen, aber er fand nicht mehr den Anschluss zu den Menschen, welche die Naziepoche, teils als aktive Nazis, teils als Mitläufer, überlebt haften. 'Schon 1961 wanderte er weiter, nach Australien, und siedelte sich ausserhalb der Städte an, auf dem Lande, wo er sich einen Fischteich halten konnte. Beruf war ihm zur Berufung geworden, wie der Sohn voller Stolz erzählte. Er verstarb am 17. Mai 1975 im Alter von fast 85 Jahren. — Ein Deutscher, der den Geist der Nazis rechtzeitig erkannte, und der — Schicksal oder Zufall — zum Aufbau wie zur Entwicklung eines Wirtschaftszweiges, der Hochseefischerei, beitrug. Wenn auch sein Kibbuz ihn aufgegeben hat, haben sie andere Gruppen übernommen, wie durch die Errichtung der Hafenanlagen in Eilat. Gustav Pielsch gehörte zur „Fünften AIija", — ein Olej Germania, wenn auch ein „Merkwürdiger". — JÜDISCHE BRANDENBURG den Gebieten östMch von der Oder, über die von den polnischen Behörden keine Auskunft zu erhalten ist. Es ist zu hoffen, dass die ehemaligen Brandenburger ihre lange Jahre verschüttete Geschichte wiederfinden werden.— Heinzwerner Goldstein Suchanzeige Wer kann Auskunft geben über Felix und Else Peritz (geb. Durra). Sie wanderten 1939 in Erez Israel ein und wohnten von 1939 bis 1949 in Ramat-Gan, Bialikstrasse 18 (Beth Rbsenberg), Sein Enkel, Joseph Pearce, schreibt ein Buch über die Familie seines Vaters, Werner Peritz. Wer irgendwelches Material oder Bilder von den Grosseltern hat, wird gebeten diese Herrn Pearce zur Verfügung zu stellen. Rückgabe derselben wird versichert. Bitte wenden an: Joseph Pearce, Lange Van Bloerssfraat 139/3, 2060 Antwerpen (Belgium). 15

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