Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1997
- Issue
- No. 62 (1997)
- Date
- 1997-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Wegweiser durch das Jüdische Brandenburg ln dem Geleitwort Manfred Stolpes, Ministerpräsident des Landes Brandenburg, werden die Aufgaben der Untersuchungen hervorgehoben, die sich das Historische Institut der Universität Potsdam zum Ziel gesetzt hat, „Spuren freilegen, Erinnerungen wachrufen — das ist das Anliegen der Autoren dieses längst überfälligen Buches", aber auch „Eine grosse Zahl der Mitglieder der 1991 in Potsdam wiedergegründeten Jüdischen Gemeinde ist aus der ehemaligen Sowjetunion zu uns gekommen. Vielleicht kann das Buch denjenigen unter ihnen, die schon ein wenig mit der neuen Sprache vertraut sind, dabei helfen, in Brandenburg heimisch zu werden und sich als Teil der hiesigen jüdischen Gemeinde zu fühlen". — Leider haben wir keine Statistiken gefunden, wieviele Juden in dem Gebiet des heutigen Landes lebten. Die frühere Provinz war ja qrösser. In der Statistik der „Jüdischen Winterhilfe", im Almanach des Schocken Verlages für das Jahr 5699, 1938/39, wird für die Provinz Brandenburg eine Seelenzahl von 4779 angegeben. — * Aus dem Ergebnis dieser Bemühungen ist ein dickes Buch geworden, 500 Seiten, das aus zwei Hälften besteht, beginnend mit der Geschichte der Juden in 14 Ortschaften, im zweiten Teil, gut recherchierte Essays, in einem anderen Druckspiegel gesetzt, mit am Ende zugefügten längeren Anmerkungen und Literaturangaben, die. das Buch für diese Themen zu einem wissenschaftlichen Nachschlagwerk machen. — Man müssle jede der aufgeführten Gemeinden wie auch den Essays eine Besprechung widmen. Wir wollen uns auf Frank- (1RENE DIEKMANN JULIUS SCHOEPS (HRSG), EDITION HENTRICH) furt/Oder beschränken, die Gemeinde, die in der Vergangenheit eine Rolle spielte, trotzdem sie im Schatten ihrer grösseren Namensschwester am Main stand, die im Philblexikon, 1935, nicht erwähnt wird. Der Ort hat früh Marktrechte erhalten und ihre geographische Lage gut genutzt, was die Lage der Juden irgendwie erleichterte, trotzdem gab es immer wieder Ausweisungen und Zwangsabgaben, so mussten 1399 die Juden „für jeden Toten sechs gute böhmische Groschen geben sollen". Eine Ausweisung aus der Mark Brandenburg datiert von 1446, wobei es quellenmässig nicht belegt sei, ob die Frankfurter Juden davon betroffen wurden. Fünfzig Jahre später, 1492, forderte Kurfürst Johann von der Stadt, die Judenhäuser wieder aufzubauen, für die die Einwohner zehn rheinische Gulden im Jahr zu zahlen hatten. Die Bedingungen bringen einen dauernden Wechsel. Die endgültige Aufenthaltserlaubnis begann 1671 als 50 jüdischen Familien erlaubt wurde, sich in Brandenburg niederzulassen, für Frankfurt sollen es zehn aus Wien vertriebene Familien gewesen sein. Vermutlich waren mindestens an den Messe- und Markttagen schon vorher Juden in der Stadt.— Die Universität, 1506 gegründet, erhäll für die jüdische Geschichte eine besondere Bede'u'ung. Schon 1678 wurden zwei Juden in der medizinischen Fakultät zugelassen, 1675 erhält ein Theologieprofessor das Privileg einer hebräischen Druckerei wie die Zusicherung, das die dazu benötigten jüdischen Drucker unier dem Schutz der Universität stehen. Die Druckerei brachte 1678 in Deutschland die erste Talmudausgabe heraus, vielleicht nur Teile aus ihm. Diezweite Auflage wird von einem Halberstädter. Juden finanziert, 1701, und 1735 erschien eine Dritte. Dem Professor folgen drei nichtjüdische Besitzer, erst 1813 konnte der schon in Frankfurt geborene Wolff Hirsch Baswitz die hebräische Druckerei käuflich erwerben, nachdem 1812 das Emanzipationsgesetz für Preussen eingeführt wurde. Im Jahre 1828 lebten 490 Juden im Ort, 1933 wurden 800 gezählt, die Synagoge wurde 1 823 errichtet und hatte bis in die letzten Tage einen angestellten Rabbiner. „1945 gab es in dieser Stadt keine jüdischen Einwohner mehr, und die Zeugnisse jüdischer Kultur, die den Stadtbrand überlebten, wurden Zweckbauten gewidmet". Ein Satz, der so oder ähnlich stilisiert, in den Ortsbeschreibungen wiederkommt.— * Der zweite Teil, den Essays, ist Themen gewidmet, die sich mit der Geschichte Berlins überdecken. Sie sind gründlich bearbeitet, wie die Anmerkungen zeigen. Das jüdische Erholungsheim Lehnitz wie das Kinderheim in Beelitz gehören geographisch dazu, dienten aber insbesondere den Juden Berlins, aber wie kommt Tucholsky nach Brandenburg, der seine 1912 erschienene Plauderei „Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte" in diese Kleins'adt ansiedelte? Pikant sind die längeren Untersuchungen „Jüdische Unternehmerfamilien und ihre Güter im südlichen Brandenburg", in denen wir erfahren, dass d:e Familie des Kaufhauses (Fortsetzung auf Seite 15) Ordentliche Generalversammlung des V.E.B. Am 14.10.1996 fand die ordentliche Generalversammlung des V.E.B. statt. Her Mosche Goldstein eröffnete das Treffen mit einem Rechenschaftsbericht über die Aktivität des Vorstandes. Herr Dr. Elijahu Hoffmann wurde an Sielle von Frau Edith Benda in den Vorstand gewählt, da Frau Edith Benda aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Herr Goldstein dankte Frau Benda für ihre unermüdliche Arbeit für den Verband, und schiug sie als Ehrenmitglied des Verbandes vor. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Darauf unterbreitete Herr Goldstein die Bilanz des vergangenen Jahres und der Auditor wurde einstimmig wiedergewählt. Danach berichtete Herr Goldstein über Verteilung von Anleihen aus dem Sozialfond an bedürftige ehemalige Breslauer und ihrer Nachkommen. Der Referent erklärte, dass es jetzt auch die Möglichkeit gibt, neuen Einwanderern durch Anleihen zu helfen. Als einer der wichtigsten Punkte auf der Tagesordnung war wieder der katastrophale Zustand des Coseler Friedhofs. Herr Goldstein berichtete über die Bemühungen des Verbandes, so wie auch bestimmer Persönlichkeiten in Amerika, aber leider bisherohne Erfolg. Dr. Elijahu Hoffmann ergänzte diese Ausführungen durch den Bericht persönlicher Eindrücke von seinem Besuch auf dem Coseler Friedhof (Siehe auch seinen Bericht in unseren Mitteilungen No. 61). Auch er betonte den fürchterlichen Zustand des Coseler Friedhofs. Danach erzählte Herr Goldstein welche gute Reaktion die „Mitteilungen" überall erwecken, nicht nur bei einzelnen Lesern auf der ganzen Welt, sondern auch akademische Institute bitten um die Zusendung unserer „Mitteilungen”. Er drückte seine Freude darüber aus dass im letzten Jahrs die „Mitteilungen” zweimal erscheinen konnten, und dankte Frau Lehmann und dem Redakteur Herrn Hauschner für ihre grossen Bemühungen dieses zu bewerkstelligen. Der zweite Teil dieser Zusammenkunft war dem Vortrag von Dr. A. Schalew (fr. Friedländer) über die jüdische Erziehung in der Diaspora gewidmet. Der Referent sprach über die Problematik der jüdischen Erziehung in den verschiedensten Ländern. Da in den europäischen Ländern und in Amerika nur allge meine überkonfessionelle Schulen vom Staat finanziert werden, können die jüdischen Ganztagsschulen nur durch hohes Schulgeld von den Eltern und Subventionen der jüdishen Gemeinden, bestehen, aber nicht alle Eltern, welche eine jüdische Erziehung ihrer Kinder wolien, sind pekuniär dazu in der Lage. Dazu gesellt sich das Problem der Lehrkräfte, welche in den meisten Fällen nicht genügend vorhanden sind. Kinder welche in die allgemeinen Schulen gehen, erhalten (soweit ihre Ehern daran interessiert sind) einige Stunden am Nachmittag (einige Mal in der Woche oder am Sonntag) Unterricht in Religionsschulen, welche meistens von den Gemeinden unterhalten werden. Jedoch endigt dieser meistens nach der Bar-Mizwa. Nach Beendigung des Vortrags äusserten sich mehrere Teilnehmer, zu den verschiedenen Punkten, welche im Laufe dieses Treffens erörtert wurden, insbesonders zu dem Problem des Coseler Friedhofs. Es wurde von Seiten verschiedener Mitglieder der Vorschlag gemacht, den Mitgliedsbeitrag auf 100.— Schekel zu erhöhen (im Ausland im Gegenwert von 40:— Dollar). Herr Goldstein dankte dem Vortragenden für sein interessantes Referat. Dieses gelungene Treffen endete mit einem gemütlichen Zusammensein bei Kaffee/Tee und Kuchen. D. R. 14