Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1997
- Issue
- No. 62 (1997)
- Date
- 1997-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Rothschild-Kulturzentrum in Haifa Der eilige Bürger wie die Besucher nehmen Bauten als selbstverständlich hin, ohne sich für die Vergangenheit zu interessieren — ausgenommen ausgegrabene Reste der Vorvergangenheit. In der Geschichte des Landes bedeuten hundert Jahre ein Zeitabschnitt, von dem es zu berichten gibt. Haifa war eine unbedeutende Kleinstadt im Osmanischen Reich, in der um 1881 6000 Einwohner lebten, darunter 200 Juden. In diesen Ort kamen 1861 einige hundert Mitglieder der Templer Sekte, die sich im heimischen Württemberg mit der Kirche überworfen hatten, und die 1858 ausgeschlossen wurden. Unter Christoph Hoff mann, dem Träger der Idee und Georg David Hardegg, ihrem Organisator, kamen sie nach Haifa. Sie erwarben Land ausserhalb der Stadt, brachten seinerzeit für das Land moderne landwirtschaftliche Machinen und Methbden, und errichteten Handwerkerbetriebe. Schon im Jahre 1860 bereisten vier von ihnen das Land, um die Bedingungen kennen zu lernen. Der erste Versuch, einer Ansiedlung östlich von Haifa, in der Gegend des heutigen Nahalal, im Jahre 1866, scheiterte. Die 1868 nach Haifa gekommene Gruppe konnte sich eingliedern. Die ,Deutsche Kolonie' veränderte den Charakter der Stadt. Sie bildete den Katalysator für die spätere Entwicklung. Angefangen von dem Anschluss Haifas an die geplante Hedschasbahn, 1904, später kamen die Hafenpläne, die erst die Briten verwirklichten. Man denkt an die liebevolle Beschreibung der Stadt in Herzls Zukunftsroman „Altneuland", der den Ort nie besuchte, wie die Pläne des „Technikums", 1909 geplant, der heutigen technischen Hochschule. Hoffmann erwarb 1877 Boden bei Jaffa für die Kolonie Sarona, dem heutigen Regierungsviertel. 1878 bei Jerusalem, „Emek Raffa", nach dem Besuch des Kaisers, 1898, und der Versöhnung mit der Kirche, wurde Wilhelma gegründet, zwischen Petach Tikwa und Lud, dem heutigen Bne Atarot. Im Jahre 1908 wurden zwei kleinere Siedlungen im Unteren Gallil gegründet, um der Nachfolgegeneration Ansiedlungsmöglichkeiten zu geben, Waldheim und Betlehem Hagallil. Während des ersten Weltkrieges, 1917/18, evakuierten die Briten die Templer, erlaubten ihnen aber nach dem Krieg zurückzukehren. Im Jahre 1932 gründete ein Karl Ruff eine Gruppe der NSDAP, die 1939 400 Freiwilige für die Wehrmacht rekrutierte, währende die anderen bei Kriegsausbruch interniert oder evakuiert wurden. * Die Haifaer wie die Touristen schätzen den Zentralkarmel. Sie flanieren auf der Panoramastrasse, besuchen kulturelle Veranstaltungen im Auditorium wie im Rothschild-Kulturzentrum. In einem kleinem Park an der Seite, der einmal den Haupteingang darstellte, befindet sich über dem Tor die deutschsprachige Inschrift „Willkbmen, 1893". Das Gebv.jde wurde als Hotel errichtet. — Die Templer hatten bald entdeckt dass ihr Ziel, das sie in das Land brachte, „Das Volk Gottes zu sammeln", ein bequemes Leben nicht ausschliesst. Man entdeckte den Karmel als Luft- (Die Geschichte eines Hauses) von HEINZWERNER GOLDSTEIN kurort für das Wochenende wie für die heissen Sommermonate. Die Geschichte des „Karmelheims" wie sie die Bauten auf dem Berg nannten, verlief nicht ohne Schwierigkeiten, die nach mehr als hundert Jahren einer gewissen Komik nicht entbehren. Die „Carmeliter", die ihr Kloster über dem Cap haben, bekommen heraus, dass die Templer Pläne haben, Häuser auf dem Berg aufzustellen. Der Orden, 1156 gegründet, verliess bald darauf das Land. Als vier oder fünf Mönche — im Jahre 1631 nach Haifa kamen, verkaufte ihnen der Bezirkshauptmann den „Berg" für 500 Piaster. Sie prozessierten gegen Friedrich Keller, der sich als als erster ein Häuschen auf dem Berg bauen wollte, an der heutigen Kellerstrasse. Die Prozess kosten, 1885—1887, überstiegen die wirtschaftlichen Möglichkeiten der ersten Interessenten. Eine reiche Witwe kam ihnen zu Hilfe, Frau von Bannrath, deren Gatte bei einem Ausflug nach Nazereth verstarb, und so ist es kein Wunder, dass sie 1887 die erste Bewohnerin des Hauses von Keller wurde. Die Araber nannten das kleine Haus, Kasr el Sit, das Schloss der Herrin. Nachdem sich die Sommerhäuser mehrten, legten die Templer einen Fahrweg auf den Berg, für dessen Benutzung sie Maut, Wegegeld, forderten. Sie pflanzten die Kieferbäume, die noch heute viele der Strassen schmücken und Schatten spenden. Als die jüdischen Siedler im Jahre 1903 sich für den Karmel als Wohngebiet interessierten, gehörte Keller zu den Gegnern der Pläne. Ein rühriger Gastronom wollte die Konjunktur ausnutzen, den Templern der anderen Siedlungen, wie den Touristen und Pilgern ein modernes Hotel bieten. Irgendwie muss das seinerzeit abseits gelegene Haus nicht den Plänen des Erbauers entsprochen haben. Schon im Jahre 1909 übernimmt es Francis Newton im Rahmen einer britischen Mission, die er nach der Gründung des Staates 1948 nicht an Juden verkaufen will, das aber James de Rothchild durch Vermittler erwerben kann. In das Haus zieht das Haifaer Büro der PICA, der Palestine Jewish. Colonisation Association. James de Rothschild verstarb im Jahre 1957. Laut testamentarischer Bestimmung wurde das Haus, nachdem die Pica die meisten ihrer Besitztümer und Aufgaben staatlichen Behörden übergeben hatte, der Stadt Haifa vermacht, mit der Verpflichtung, es als Kulturzentrum für die Einwohner zu verwenden. Sie betreibt das Zentrum seit dem Jahre 1958. Es werden Kurse, Vorträge, kulturelle wie gesellschaftliche Veranstaltungen abgehalten. Die Stadt hat an der Seitenfront, heute dem Haupteingang, einen Saal angebaut wie eine Eingangshalle. Die Bewohner kennen das Gebäude als „Rothschildhaus''. In unmittelbarer Nähe wurde später das Auditorium errichtet mit einem kleinem 'Saal, der als Cinemathek, für Filmvorführungen dient. * Das Haus mit einer mehr als hundertjährigen Vergangenheit erzählt die Geschichte der Stadt, ihre Entwicklung von der Ottomanischen Kleinstadt über die Mandatszeit, in der der Ort sich sprunghaft entwickelte und vergösserte'zur Handels- und Hafenstadt wie Industriezentrum des Landes bis in unsere Gegenwart. DER RAW — DER LORD (Fortsetzung von Seite 12) In den folgenden Kapieln interviewt Michael Schaschar Raw Jakobowitz über verschiedene Probleme, welche heute im Mittelpunkt des jüdischen Lebens und Denkens stehen. Z. B. in dem Kapitel, in welchem über die Falaschas gesprochen wird gibt es einige Ungenauigkeiten: Die Frage der Alija der abessinischen Juden, fängt nicht erst an, als es keine grosse Alija aus anderen Ländern gab. Dr. Feitelowitz entdeckte schon am Anfang des Jahrhunderts die Falaschas und in den zwanziger Jahren gab es von ihnen schon „Bachurim" auf der Hoffmannschen Jeschiwa in Frankfurt am Main (so erzählte mir mein 'Schwiegervater s.A. welcher Parnas bei der Hoffmann-Gemeinde war). In den fünfziger Jahren waren Gruppen von aethiopischen Jugendlichen in Kfar-Batja, mit dem Ziel nach ihrer Ausbildung wieder nach Aeihiopien zurückzukehren und dort als Lehrer und Erzieher zu wirken und die dortigen Juden auf ihre Einwanderung nach Israel vorzubereiten. Das Kapitel über das Rabbinat in Israel ist eine völlig unberechtigte Kritik. Zwar erhalten die israelischen Rabbiner ihre Ausbildung auf Jeschivot und nicht auf Seminaren. Aber die heutige Generation der Rabbiner hat nicht nur Allgemeinbildung, sondern ist mit den neuesten wissenschaftlichen Errungenschaften besser vertraut, wie manche professionelle Akademiker. Denn sie müssen in vielen technischen Angelegenheiten, welche Kaschrut, Sabbatheiligung, Medizin, Krankenhäuser, Staat, und Militär betreffen, „passkenen". Daher können wir nicht mit dem zustimmen, was auf Seite 259 gesagt wird: „dass es heute in dem orihodoxen Judentum eine Strömung gibt, welche gegen Neuerungen ist". Heute sind die Neuerungen technologisch bedingt; in der Zeit von Samson Raphael Hirsch war die Neuerung „Thora mit Derech Erez". „Samuel in seiner Zeit und Jiphtach in seiner Zeit". Da das Eherecht in Israel obligatorisch nach dem jüdischen Recht gehandhabt wird, müssen die „Dajanim" auch umfassendes allgemein-juristisches Wissen haben. Das Buch ist interessant geschrieben urid leich; lesbar. Der israelische Leser bekommt einen Einblick in das Wirken des Rabbiners in den amerikanischen und europäischen Gemeinden. M. E. Kore 13