Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1997
- Issue
- No. 62 (1997)
- Date
- 1997-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachbemerkung zu dem Artikel „War Schlesien wirklich ohne Juden" Nachdem wir obengenannten Artikel und das Protestschreiben von Frau Gaby Rehnelt (ehemalige Giessenerin — ihren Brief erhielten wir durch den „Verein ehemaliger Giessener") und Herrn Hans Adamo an das „Zweites Deutsches Fernsehen" veröffentlichten, erhielten wir von Professor Joseph Walk vom Leo Baeck Institut, Jerusalem, die Antwort der ZDF auf seinen Protest gegen diesen Dokumentarfilm, sowie die Antwort der ZDF an Frau Rehnelt und Herrn Adam'o, welche wir hier auszugsweise veröffentlichen. Der Verband ehemaliger Breslauer dankt Frau Rehnelt und Herrn Adamo für ihre sofortige Reaktion auf diesen Dokumentarfilm, welcher dem Anteil der jüdischen Bürger in Schlesien keine Rechnung trägt und so der neuen Generation den grossen Anteil jüdischer Menschen aus Schlesien in Wissenschaft und Wirtschaft vorenthält: 19.7.96 „Sehr geehrter Herr Prof. Walk, Ihr Brief vom 1.7.96, den Sie an die Chefredaktion des ZDF schickten, hat mich als den zuständigen Redakteur (und Autor) der Sendung SCHLESIEN — BRÜCKE IN EUROPA erreicht... Zu den von Hans Adamo und Gaby Rehnelt vorgebrachten Vorwürfen habe ich in einem Antwortbrief an sie Stellung genommen, der aber erst am 2.7. ins Eisass abging, sodass Sie noch keine Kopie nach Jerusalem erhalten konten. Ich lege Ihnen ein Exemplar meines Briefes bei. Ich danke Ihnen für Ihre sonstigen auch persönlichen Hinweise. Ich bin ein grosser Bewunderer der Leistungen der Juden gerade in Schlesien. Sehr weh tut mir deshalb diese verrückte Aussage eines Mitarbeiters der ZDF- Zusrhauerredaktion „in Schlesien habe es keine Juden gegeben”. Dies ist unverzeihlich und entsetzlich... Mit freundlichen Grossen und den besten Wünschen Ekkehard Kuhn" ¥ Antwort an Frau Rehnelt und Herrn Adamo „Sehr geehrte Frau Rehnelt, Sehr geehrter Herr Adamo, Vcm Inhalt Ihres Briefes bin ich ziemlich irritiert. Ich gebe Ihnen völlig Recht, „eine Geschichte Schlesiens ohne Juden" wäre absolut falsch. Aber dieses Bild haben wir doch nicht geboten. Mit meinem polnischen Kollegen Andrzej Falber, der selbst Jude ist, haben wir sehr lange nachgedacht und diskutiert, wie wir über den so bedeutenden Anteil der Juden in der schlesischen Geschichte berichten. Bei der gebotenen Länge der filme konnten wir aber das Thema nicht so vertiefen, wie wir es gerne getan hätten. Das tat und tut uns noch heute leid. Das sind die Qualen aller Dokumentaristen, die gut recherchiert haben und so viel wissen und so relativ wenig „unterbringen" können. Wir sind uns der Lücken, die unsere Filme re zwangsläufig bieten mussten, schmerzlich bewusst und können Ihre Enttäuschung darüber seh1gut verstehen, dass, nicht länger über (MITTEILUNGEN Nr. 61, 1996) die Geschichte der schlesischen Juden berichtet wurde. Doch finde ich, dass Sie uns Autoren zu hart und zum Teil auch falsch beurteilen. So schreiben Sie z.B., dass die Schlesien-Dokumentation „keine Notiz" von Ferdinand Lassalle genommen hätte. Als Beweis dafür, dass das nicht zutrifft, möchte ich zu Ihrer Kenntnisnahme hier einmal den ganzen Text zitieren, den wir über die Bilder vom „Jüdischen Friedhof" gesagt haben: „Der jüdische Friedhof in Breslau. Am Eingang eine Tafel „1914—1918, dem Andenken der im Weltkrieg Gefallenen 45CKGemeindeangehörigen". judentum Lnd deutscher Patriotismus war damals kein Gegensatz. Wenige Jahre später wurden die Juden von den Nationalsozialisten aus der sogenannten Volksgemeinschaft ausgestossen und der Vernichtung preisgegeben. Auf diesem Friedhof der früher so grossen Gemeinde (!) gibt es die Gräber vieler be- Unser verehrter Mitarbeiter, Herr Schlomo Erel (oder Sigusch Ehrlich wie wie wir ihn in Breslau kannten) hat kurz nach seinem 80. Geburtstag das Zeitliche gesegnet. Er wurde 1916 in Neustadt geboren und kam schon in jungen Jahren nach Breslau. Dort absolvierte er das Johanneum und war gleichzeitig in der zionistischen Jugendbewegung tätig — zuerst im Makkabi Hazair und danach im Habonim. Sportlich betätigte er sich im Bar-Kochba und war Spitzenspieler der Tischtennismannschaft. Über die Zeit im Johanneum berichtete er in einem interessanten Artikel in unseren „Mitteilungen" — „Als sehr junger Trotzjude in Breslau" betitelt [No. 53). Nach Beendigung des Gymnasiums, ging er auf das Hachscharazentrum „Gut Winkel", wo er Na'omi kennen iernte, welche er dann heiratete. 1938 konnten beide nach Schweden aoswandern, und von dort kamen sie im Jahre 1939 nach England. Dort war er der Generalsekretär der Hechaluz in England, bis er 1944 nach Erez Israel einwandern konnte. Er gehörte zu den Gründern des Kibbuz Galed und lebte dort bis 1951. Von 1945 bis 1947 war er der Sekretär des Kibbuz. Über diese Zeit berichtete er in seinem Buch „Aus dem Tagebuch eines Kibbuz- Sekretärs”. Von 1951—1970 war er Staatsbeamter im Premier-Verteidigungs- und Aussenministerium. In den Jahren 1965—68 war er Botschaftsrat in Caracas und Lima, und Repräsentant des Verteidigungsministeriums in Lateinamerika. Von 1974—81 hatte er das Amt des Direktors des Buch- und Druckzentrums im Export-Intstitut inne. In diesen Jahren verfasste er auch Bücher, welche sich mit den Petroleumproblemen dieser Zeit befassten, wie „Panik im Schatten der Bohrtürme”, , Petroleum, The Phenomenon of a Modern Panic” u.a.m. Im Jahre 1983 erschien sein Buch „Neue Wurzeln — 50 Jahre Immigration deutschsprachiger Juden in Israel”. In diesem Buch behandelt er den Beitrag der Juden aus Mitteleuropa und ihrer Persönlichkeiten zum deutender Persönlichkeiten. Ferdinand Lassalle (!) — der Gründer des „Allgemeinen deutschen Arbeitervereins" — Urvater der deutschen Sozialdemokratie. In einer Familiengruft die Schriftstellerin und Sozialreformerin Friederike Kempner, die von ihren Verehrern liebevoll auch als „schlesischer Schwan" bezeichnet wurde. 7 deutsche Nobelpreisträger stammen aus den jüdischen Gemeinden Schlesiens (!)... Sehr gut verstehen kann ich Ihre Empörung über die Ihnen gegebene Aussage eines Mitarbeiters der ZDF-Zuschauer-Redaktion, dass es in Schlesien keine Juden gegeben habe. Diese Geschichtsklitterung ist wirklich eine unentschuldbare Ungeheuerlichkeit. Können Sie die Tatsachen, dass mein polnischer Co-Autor Falber Jude ist und wir die „Schlesien-Reihe" mit der „Auferstehungssymphonie” von Gustav Mahles krönten, der jüdischer Herkunft war, nicht etwas mit unserer „Kürze" versöhnen? Mit den allerbesten Grüssen und Wünschen. Ekkehard Kuhn" Aufbau des Landes Israel in allen Sparten des Lebens. Sein letztes Buch das im Jahre 1994 erschien — „Kaleidoskop Israel — Deutschsprachige Einwanderer in Israel erzählen”, ist eine Anthologie von Auszügen aus Briefen, Aufzeichnungen u.s.w. von deutschsprachigen Einwanderern. Dieses interessante Buch ist in unserer Zeitung eingehend behandelt worden Das Leben von Schlomo Erel war von Jugend an dem zionistischen Idoal geweiht, aber auch dem Andenken der Juden aus Deutschland und der damaligen chaluzischen Bewegung. Wir werden sein Andenken immer in Ehren bewahren. Schlomo Erei (Sigusch Ehrlich) s.A. M.E.H.