Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1997
- Issue
- No. 62 (1997)
- Date
- 1997-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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der Mamillastrasse Das Haus Vor eingen Monaten wurde im israelischen Fernsehen gezeigt, dass ein Bulldozer das in der zionistischen Vorgeschichte bekannt gewordene Haus in der Mamillastrasse demoliert, in wenigen Anläufen dem Erdboden gleich macht, sozusagen ausradiert, um Platz zu schaffen für moderne Neubauten, die die Mamillastrasse in Jerusalem schmücken sbllen.— Das kleine einstöckige Gebäude stellte vielleich einen Überbleibsel einer versunkenen Welt dar, das sich zwei jüdische Familien aus Westdeutschland in der damaligen „Neustadt" Jerusalems 1870 errichteten, samt einer „Gemischtwarenhandlung", wie ein Geschäft damals hiess, in dem es alles ausser Lebensmitteln zu verkaufen und zu kaufen gab. in einigen Ländern stehen solche Häuser unter Denkmalsschutz, nicht weil sie architektonische Meisterwerke darstellen, sondern weil sie den Nachfahren ein Stück Heimatgeschichte zeigen. Hierzulande hat man wenig das Gefühl für die Vergangenheit, insbesondere, wenn die Erbauer und Besitzer des Objekts nicht zur Mehrzahl der Bevölkerung und Einwanderer gehörten... Im Plan für die Sanierung des Viertels ist kein Raum für Sentimente und Nostalgie für. das mitteleuropäischen Judentum ausgespart, 1870 gab es keine „Massenalija" aus diesen Gebieten. Es ist zu bedauern, dass Theodor Herz! während seines kurzen Aufenthaltes in Jerusalem, vom Abend des 28. Oktober 1898 bis zum frühen Morgen des 3. November, wenig Zeit und Müsse fand, der Stadt eine feuilletonistische Skizze zu widmen, wie anderen Orten, die er besuchte. In den Tagebüchern wird das „Marxsche Haus" erwähnt. Die meisten Biographen übergehen die Adresse, nur bei Alex Bein lesen wir: „Nach Schabbat Ausgang siedelte Herzl in das Haus des gastfreundlichen Jonas Marx in der Mamillastrasse über, wo ihm durch Wilhelm Gröss' Vermittlung für sich und seine Begleiter ein ganzes Stockwerk eingeräumt wurde. Dort fanden sich am folgenden Tage fast ohne Unterbrechung Besucher ein, Leute verschiedener Richtung und Stellung". (Vorher hatte die Gruppe in einem Hotel gewohnt, wo die sanitären Bedingungen nicht die besten waren). Hier muss man aus Herzls Tagebüchern zitieren, der am 31. Oktober 1898, in dieser Mamillastrasse schreibt: „Bekommen wir jemals Jerusalem, und ich kann in der Zeit noch etwas bewirken, so würde ich es zuerst reinigen. Alles, was nichts Heiliges ist, Hesse ich räumen, würde Arbeiterwohnungen ausserhalb der Stadt errichten, die Schmutznester leeren, niederreissen, die nicht heiligen Trümmer verbrennen, und die Bazare anderswohin verlegen. Dann unter möglicher Beibehaltung des alten Baustils eine komfortable, ventilierte, kanalisierte Stadt um die Heiligtümer herum errichten". In dem Haus bereiten sich Herzl und seine Begleiter für den 2. November, für den Empfang und Ansprache an Wilhelm 11. vor, die zwar nicht den erwünschten Erfolg brachte, aber den Zionismus in das Licht der Öffentlichkeit rückte. (Es vielleicht Zufall, oder gar schicksalshaft, dass 19 Jahre später, am 2. Noin (Ein Verspäteter Nachruf) von HEINZWERNER GOLDSTEIN vember 1917, Balfour die Deklaration veröffentlichte, die dem jüdischen Volk das Recht zur Ansiedlung zuerkannte und garantierte). In dieser Mamillastrasse mit wenigen gepflegten Häusern, Lagerräumen, Werkstätten, fiel vor Jahren ein kleines Haus mit Laden auf, mit dem Namensschild des letzten Besitzers, Michael Stern. Eine Plakette an der Hauswand wies darauf hin, dass Herzl hier während seines Aufenhaltes in Jerusalem Wohnte. Der „Herzl-Raum" wurde hinter dem Laden gezeigt, ein Salon der Jahrhundertwende. Hier soll niclit untersucht werden, wo Herzl und seine vier Begleiter wirklich wohnten, hinter dem Laden oder im ersten Stock, wie es der Biograph aussagt. Das Gebäude, das sich die verschwägerten Familien, Jonas Marx aus Gedern im Wetteraukreis Hessens, und Julius Juda) Stern aus Frankfurt'Main errichteten, lag ausserhalb der ummauerten Stadt. Nur wenige jüdische Familien brachen seinerzeit den Mut auf, sich nicht in der heutigen Altstadt niederzulassen. Es fällt schwer, den Entschluss dieser Einwanderer nachzuempfinden, die ihre ruhige Provinzheimat verliessen, um in Jerusalem ein neues Leben zu beginnen. Sicherlich gehörte starke religiöse Überzeugung und persönliche Courage dazu, in die seinerzeit türkische Stadt zu übersiedeln. * Das kleine Geschäft mit den zwei Ladentischen wirkte irgendwie anheimelnd, wo scheinbar alles angeboten wurde, vom Schuhband bis zum Nähmaferial, Seife wie Kurzwaren. Der zweite Ladentisch, auf der rechten Seite vom Eingang, zeigte, dass das Geschäft für Galantriewaren, Bijouterien doch keine Gemischtwarenhandlung europäischen Stils war, sondern sich in der Levante befand, wo orientalischer Schmuck angeboten wurde. Sicherlich waren es nach 1870 ähnliche msm sasss UNSERE LESER SCHREIBEN Die „Mitteilungen” des Verbandes (ehemaliger Breslauer) sind sehr interessant... Zu meinem grossen Erstaunen fand ich dort einen grossen Artikel, mit Bild, über meinen Urgrossvater mütterlicherseits, über den ich nichts wusste (der Artikel über David Kempner). Nochmals vielen, vielen Dank... Ayala Hurwiiz, Jerusalem. * ...ich bedanke mich herzl. für die mir zugegangenen „Mitteilungen”... Ich lese sie mit viel Interesse und grosser Anteilnahme an den Berichten, die Vergangenheit und Gegenwart betreffen. Vielen Dank für Ihre unschätzbare Arbeit... Charlotte Peter (früher Brockau/Breslau) Artikel, mit denen die Gründer, die Familien Marx und Stern, handelten. Auch wenn das Gebiet neu gestaltet und saniert werden soll, hätte man das Haus mit dem Laden als historisches Monument erhalten sollen. Nicht allein, dass Herzl hier einige Tage weilte. Das Geschäft war die Nachbildung eines europäischen Kleinstadtladens, wie sie mindestens bis in die ersten Jahrzente unseres Jahrhunderts bestanden haben. Und wo in Israel befinden sich noch ein Haus und Laden, die vor knapp 130 Jahren erbaut wurden, und noch bis zum „behördlichen” Ende, dem Niederriss, im Besitz der gleichen Famiiie waren? Spricht man von historischen Bauten in Jerusalem, von Kreisen mitteleuropäischer Juden errichtet, darf man das alte „Schaare Zedek-Hospital" nicht vergessen, einige dutzend Meter vom heutigen Busbahnhof entfernt, das seit zwei Jahrzehnten dem Verfall überlassen ist. Mit dem Bau wurde 1897 begonnen, offiziell am 27. Januar 1902 eröffnet. Bis 1979 erfüllte es alle Aufgaben eines Krankenhauses. Die modernen „Ruinen" aus denen alles nur verwendbare verschwunden ist, machen einen erschreckenden Eindruck. Man hat zwar einen Zaun errichtet, der längst genug Öffnungen hat, dass jeder ungehindert hineinkommt, — und vielleicht findet man noch einen Fensterrahmen oder eine Türklinke... Besteht vielleicht ein Zusammenhang zwischen dem brutalen Abbruch des Marxschen Hauses und der Schaffung einer Ruine, die bald abbruchreif wird? WER KENNT GESTAPOCHEF DR. THÜMMLER AUS KATTOWITZ? Ab September 1943 bis Mitte Januar 1945 war der SS-Obei Sturmbannführer Dr. Johannes Thümmler Leiter der Gestapostelle in Kattowitz und gleichzeit!g Vorsitzender des Standgerichts in Auschwitz. | Zu dieser Zeit beherrschte Thümmler das Gebiet in Oberschlesien und der i Provinz Troppau in der CSR. Unzählige | Nazigegner wurden angeblich auf sei- . nen Befehl gehängt und erschossen. Als Vorsitzender des Standgerichts soll er I um die 1.000 Todesurteile ausgespro- I chen haben, die grösstenteils auch von i ihm selbst vollzogen wurden. Gegen Thümmler wurde in Westi deutschiand ein Untersuchungsverfah-;en wegen Mordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit 1969 einge- I stellt. * Mitte 1996 ist ein neues Ermittlungsverfahren gegen diesen Gestapochef in ■ Stuttgart unter dem Aktenzeichen Js I 74984'96 cingeleitet worden, da sich I aufgrund neuer Erkenntnisse Belastungen gegen fhn ergeben haben. Wer kann sachdienliche Angaben , über Thümmlers „Tätigkeiten” in Kattowitz machen? Adolf Diamant, Voelckerstrasse 9, j 60322 Frankfurt am Main, Germany 10